Im Endzeitepos „Matrix“ reist eine Gruppe Rebellen in ihrem Schiff Nebuchadnezzar durch eine trostlose Welt. Die Crew trachtet, die Erde von der Herrschaft der Maschinen zu befreien, wo Menschen als eine Art Energiecluster vegetieren. Die namensgebende Matrix ist die Computer-Bespaßungsmaschine der Versklavten. Rebellenkapitän Morpheus und die anderen Scifi-Partisanen hacken sich mit ihren Gedanken in die Matrix ein, um so das System zu stürzen. Als Mensch-Maschine-Schnittstelle kommen Nadeln zum Einsatz, die sich die Kämpfer, auf einem Stuhl sitzend, von hinten per Adapter ins Hirn rammen.
Die Auswirkungen des Werkes der Wachowski-Brüder bleibt für Linux-Benutzer überschaubar. Denn bislang gibt es nur einen Bildschirmschoner, der die grünen Zeichenkaskaden des „Matrix“-Code, bestehend aus arabischen Ziffern und japanischen Schriftzeichen, animiert zu Boden tropfen lässt. Windows-, Playstation-2-, Xbox- und Gamecube-Besitzer kommen immerhin in den Genuss des Spiels „Enter the Matrix“, das aber wegen technischer Schwächen als umstritten gilt.
Microsoft scheint gottlob den ganz großen Wurf zu planen, ein Filmdetail ins Hier und Jetzt zu transferieren. Nein, die Redmonder wollen nicht die ebenso süße wie athletische Trinity als Karl-Klammer-Nachfolgerin ins nächste MS-Office integrieren. Mehr angetan hat es der Firma die Hirn-Computer-Schnittstelle. Das legt zumindest der US-Patentantrag 20070185697 vom August letzten Jahres nahe. Da Löcher in den Hinterköpfen Hunderter Millionen Windows-User aber auf logistische und medizinische Probleme stoßen und zudem Raubkopierer zu Verzweiflungstaten mit Handbohrmaschinen verleiten könnten, sieht der Patentantrag nur vor, EEG-Elektroden am Kopf zu befestigen.
Die auf diese Weise abgeleiteten Ströme laufen in einen Kasten, der anzeigen soll, wie es dem vor einem PC Sitzenden geht („Überraschung, Befriedigung und Frustration“) – ideal für Software-Usability-Tests. Als nächsten Schritt behält sich die Firma vor, das Verfahren zu nutzen, um das Computersystem „zu informieren, wie es sich anpassen kann, um dem Nutzer bei der Erfüllung seiner Aufgaben zu helfen“. Das eröffnet völlig neue Welten: Der PC könnte spüren, dass es seinen Benutzer nervt, wenn Windows an Patchdays einen Neustart verlangt. Oder seine Überraschung, dass das Gremium ECMA das Microsoftsche Format Office Open XML einfach nicht als Standard durchgehen lässt und der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude einen offenen Brief an Wirtschaftsminister Glos schreibt, in dem er schlüssig darlegt, warum OOXML überflüssig ist.
Das System würde auch detektieren und per Verbesserungsnachricht nach Redmond melden, dass eine qualifizierte Mehrheit europäischer Benutzer ein gewisses Maß an Befriedigung darüber empfindet, dass die EU-Kommission Microsoft zu einer Rekord-Kartellstrafe von 899 Millionen Euro verdonnert hat. Es gibt also Grund, auf die Implementierung des EEG-Dingens gespannt zu sein. Oder um es mit Matrix' Schlussmonolog zu sagen: „Ich werde den Hörer auflegen und den Menschen das zeigen, was sie nicht sehen sollen. Ich zeige ihnen eine Welt ohne euch. Eine Welt ohne Gesetze, ohne Kontrollen und ohne Grenzen. Eine Welt, in der alles möglich ist. Wie es dann weitergeht, das liegt ganz an euch.“