Statt in den unendlichen Weiten freier Software nach Groupware, CRM-Paketen, Business-Stacks oder nach Infrastrukturdiensten für die eigene Firma zu suchen, kann man nun das praxisgetestete Verzeichnis EOS Directory konsultieren. Das Linux-Magazin sprach mit dessen Initiator Bruno von Rotz.
Wer freie Software für einen bestimmten Einsatzzweck in seinem Unternehmen sucht, kann verschiedene Wege gehen: Er befragt einen Fachmann, wälzt Fachzeitschriften oder recherchiert im Web. Letzteres kann er über eine allgemeine Web-Suchmaschine tun, sich in den schier endlosen Weiten einer Software-Website wie Sourgeforge verlieren – oder er verwendet ein Verzeichnis, das seinen Bedürfnissen entgegenkommt.
Im Katalog nachgesehen
Ein bereits seit Längerem bestehender Softwarekatalog ist beispielsweise das Verzeichnis der Free Software Foundation, das von der UN-Bildungsorganisation UNESCO gefördert wird. Wer im Free Software Directory [1] allerdings nach etwas wie Groupware sucht, wird nicht so schnell fündig. Da der Begriff selbst gar nicht unter den Kategorien auftaucht, landet er vielleicht in der Kalender-Abteilung. Dort mischen sich Bibliotheken zur Datumsumrechnung mit Kommandozeilentools und einzelnen Webanwendungen. Ob das dem Free-Software-Enthusiasten zuzumuten ist, sei dahingestellt – dem Geschäftsmann jedenfalls kaum.
Als Angebot speziell für die Business-Zielgruppe dient sich neuerdings das Enterprise Open Source Directory (EOS), [2]) an (siehe Abbildung 1). Dahinter steckt vornehmlich die Firma Optaros [3], die ihr Geld mit Beratung und Integration in Sachen Open-Source-Software verdient. Das Linux-Magazin sprach mit Bruno von Rotz, Research & Strategy Manager bei Optaros. Der Schweizer hob das Verzeichnis Ende 2006 aus der Taufe, damals noch unter der Bezeichnung Open Source Catalog.
Linux-Magazin: Wie viele Mann-Tage Arbeit stecken in Ihren Open-Source-Bestenlisten?
Bruno von Rotz: Das ist schwer zu beziffern, da die Arbeit verteilt durchgeführt wurde. Insgesamt haben intern über 30 Leute an den Bewertungen mitgearbeitet und sind auch weiterhin kontinuierlich involviert, um Nachevaluationen und Anpassungen vorzunehmen. Ich würde schätzen, dass zwischen 500 und 800 Arbeitstage in EOS eingeflossen sind.

Abbildung 1: Das Enterprise Open Source Directory listet freie Software nach Kategorien sortiert auf. Die Wertungen stammen aus der Praxis des Optaros-Teams und von Usern.
Freie Groupware gesucht
Linux-Magazin: In der Kategorie Groupware gibt es nur vier Einträge und keine bessere Wertung als zwei Sterne von vieren. Gibt es nur so wenig brauchbare Groupware …?
Bruno von Rotz: Open-Source-Groupware hinkt tatsächlich hinter den kommerziellen Angeboten hinterher. Zwei Sterne sind eine gute Wertung, diese Technologien können durchaus professionell eingesetzt werden, aber wir haben kaum große Organisationen mit Tausenden von ausgerüsteten Arbeitsplätzen getroffen, die hier auf Open Source setzen, deshalb keine drei Sterne. Zimbra, Scalix und auch Open-Xchange sind aber auf guten Wegen, um dahin zu kommen.
Linux-Magazin: … aber so viele Contentmanagement-Systeme?
Bruno von Rotz: Die große Menge hat damit zu tun, dass dies ein Bereich ist, in dem Optaros sehr viele Kundenprojekte durchführt und entsprechend auch viel Erfahrung greifbar ist. Zudem gibt es sehr viele Open-Source-CMS, über 200 schätze ich. Damit fällt die Kategorie üppiger aus. Zudem ist dies ein Bereich, in dem viele große Unternehmen gerne zu Open Source greifen.
Linux-Magazin: Die normalerweise gut beleumundeten Systeme Joomla, Plone, Typo3 oder Mambo rangieren bei Ihnen nur im Mittelfeld. Passen Drupal und EZ Publish besser für professionelle Ansprüche?
Bruno von Rotz: Ausschlaggebend für die Differenz in der Bewertung sind unterschiedliche Gründe, viele davon allerdings besonders aus Sicht von Unternehmen wichtig. Typo3 ist zum Beispiel sicher ein gut gemachtes CMS und gibt ähnlich wie Drupal Zugang zu einem großen Portfolio an Erweiterungen.
Gleichzeitig aber gehen die Arbeiten an einer den heutigen Anforderungen orientierten neuen Release nur langsam voran. Auch die Abstützung über die Welt hinweg ist sehr ungleichmäßig, wir treffen Typo3 vor allem in Europa an, beispielsweise in Deutschland. Obwohl es viele Spezialisten gibt, die Kunden bei der Implementierung helfen können, sind sie doch zumeist klein und kaum anzutreffen in großen Unternehmen. Architektonisch kann Typo3 mit manchem anderen Ansatz nicht mehr mithalten.
Enterprise-Readiness
EZ Publish auf der anderen Seite hat in den letzten Jahren viel Entwicklung in die Auffrischung von Architektur, etwa Komponentenausrichtung, und Technologie, beispielsweise PHP 5, investiert und zudem vertikal ausgerichtete Versionen gebaut, etwa für die Medienbranche. EZ Publish wird rund um die Welt eingesetzt. Die Partnerlandschaft reicht von kleinen bis zu großen Firmen, sodass Kunden eine breite Auswahl geboten bekommen. Damit ist aus unserer Sicht eine unterschiedliche Bewertung für die Enterprise-Readiness gerechtfertigt.
Bewusst stellt diese Bewertung nicht nur eine Summe der anderen Ratings (Funktionalität, Reife, Größe/Aktivität der Community, Trend) dar, sondern bezieht auch typische Anforderungen mit ein, die Unternehmen an Software, Architektur, Technologie, kommerzielle Ansätze und Dienstleistungslandschaft stellen.
Komponenten-Architektur
Alfresco, um ein weiteres Beispiel zu nennen, ist die heute klar am breitesten angelegte ECM-Suite im Open-Source-Umfeld. Dank der Java-Basis, der komponentengetriebenen Architektur und des Fokus auf Funktionalitäten und Charakteristiken, wie sie typischerweise große Unternehmen verlangen, schneidet es im Enterprise-Readiness-Rating auch besser ab, als manches funktional in einzelnen Aspekten sogar vollständigere Alternativangebot wie zum Beispiel Plone oder Bricolage.
Drupal, als letztes Beispiel, hat es geschafft, sich im Bereich der Community-orientierten CMS-Lösungen klar an die Spitze zu hieven. Es ist sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa gut etabliert, bietet ähnlich wie Typo3 oder EZ Publish Zugang zu einem enormen Angebot an Zusatzmodulen und hat insbesondere den Sprung in Richtung Web 2.0 und Enterprise 2.0 besonders gut geschafft. Wir sehen Drupal im Einsatz auch bei größten und weltweit agierenden Unternehmen.
Linux-Magazin: Was macht Sugar CRM, Vtiger und Open Taps so besonders gegenüber vergleichbarer Business-Software? OpenEMM und OTRS, die weithin und auch im User-Rating Ihres EOS-Directory einen sehr guten Ruf genießen, fallen dagegen hart ab.
Bruno von Rotz: “Hart abfallen” scheint mir etwas stark formuliert zu sein, nachdem nur ein Stern dazwischen liegt. Sugar CRM (Abbildung 2) ist definitiv die Open-Source-Geschäftsapplikation, ein Vorzeigeexemplar. Die Bewertungen von Vtiger und Open Taps sind sicher am unteren Ende von drei Sternen, während gerade das von Ihnen erwähnte Beispiel OTRS am oberen Ende von zwei Sternen liegt, vielleicht auch die Wertung drei kriegen sollte.
OpenEMM ist in unserer Sicht noch nicht sehr verbreitet und auch weniger breit unterstützt, wir haben es auch noch vor nicht allzu langer Zeit aufgenommen. Ein Kommentar zu den User-Ratings: Diese tendieren immer stark auf vier Sterne, unabhängig von den eigentlich dahinterliegenden Definitionen. Trotzdem nehmen wir diesen Input ernst und nehmen ihn oftmals zum Anlass, unsere eigenen Bewertungen zu hinterfragen.
Linux-Magazin: Das EOS-Directory ist als Betaversion gekennzeichnet. Was fehlt noch? Wann ist das Verzeichnis fertig?
Bruno von Rotz: Bei EOS verfolgen wir einen “Perpetual Beta”-Ansatz, die Anwendung wird also kontinuierlich verbessert und erweitert – und wird wohl nie fertig sein. Aktuelle Ideen dazu sind zum Beispiel die Integration von externen Information auf den Projekt-Detailseiten, also Mashups. Wir möchten auch Suche und Anzeige weiter verbessern. Und wir nehmen auch das Feedback unserer Nutzer durchaus ernst.
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Infos |
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[1] Free Software Directory: [http://directory.fsf.org] [2] Enterprise Open Source Directory:[http://www.eosdirectory.com] [3] Optaros: [http://www.optaros.com] |






