Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2008
© photocase.com, real-enrico

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Workshop: Die eigene Asterisk-Anlage - Teil 4

Gemeinschaft an der Strippe

Asterisk-Toolkits wie das auf deutsche Verhältnisse angepasste Projekt mit dem schönen Namen Gemeinschaft helfen den Admins und Systemintegratoren, eine Telefonanlage ab mittlerer Größe mit überschaubarem Aufwand zu migrieren und zu betreiben.

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In den ersten drei Artikeln dieser Serie [1] haben Sie das Handwerkszeug für die manuelle Installation und Programmierung einer Asterisk-Telefonanlage bekommen. Wer für zu Hause, das Büro oder für eine kleine Firma eine Telefonielösung sucht, einen älteren PC oder Server sowie Zeit besitzt, der findet auf die gezeigte Weise in Asterisk [2] seine ideale Telefonanlage.

Wenn aber eine Firma mit 100 Mitarbeitern ihre alte proprietäre Anlage gegen eine mit einem normalen Asterisk austauschen will, dann sieht die Rechnung anders aus. Je nach Stundenlohn und eingesetzter Hardware kostet eine solche Anlage sehr schnell zwischen 30000 und 50000 Euro - trotz wegfallender Lizenzkosten. Außerdem goutieren Benutzer und Geschäftsführung die wundervollen Neuerungen in der modernen VoIP-Telefonie nicht im gleichen Maße, wie sie weggefallene Features der alten Anlage vermissen. Beispielsweise erweist sich eine einfache Gesprächsgebührenerfassung mit Asterisk oft als unlösbar.

Ein anderes Problem ist oft, das zentrale Telefonbuch der alten Anlage auf die neuen SIP-Telefone zu migrieren, was bedeutet, den kompletten Dialplan und die Logik von Grund auf neu zu programmieren. Aus Kostengründen ergibt es deshalb in den meisten Fällen keinen Sinn, mit Asterisk bei null anzufangen. Für die gängigen Szenarien gibt es nämlich sehr gute Standardlösungen, die auf Asterisk aufbauen und die Sie auf Wunsch selbst erweitern können.

Asterisk++

Im Prinzip erweitern alle verbesserten Lösungen eine normale Asterisk-Installation um einen Apache mit PHP und meist eine Datenbank. Im Betrieb erzeugen die einen dann bei jedem Update der Konfiguration einen neuen, statischen Dialplan. Die anderen speichern alle Einstellungen in einer Datenbank und rufen die Werte im laufenden Betrieb aus dem Dialplan ab. Dies sind die drei wahrscheinlich wichtigsten Player unter den aufgebohrten Asterisk-Setups:

  • Trixbox [3] ist ein Oldie - angefangen als Asterisk@Home
    und mittlerweile ein eigenständiges Unternehmen, bietet es
    eine praktische Community-Edition an, die der User selbst erweitern
    kann. Im Dezember 2007 gab es Unruhe in der Community, weil Trixbox
    mehr oder weniger heimlich Befehle auf der Anlage ausführen
    konnte [4].
  • Switchvox [5] bietet ähnliche Funktionalität und
    lässt sich ebenso per Web administrieren. Switchvox war
    offenbar so gut, dass Digium die Firma kurzerhand vor ein paar
    Monaten gekauft und das Produkt in die eigene Produktpalette
    aufgenommen hat.
  • Ob Digiums ursprüngliche Eigenentwicklung Asterisk Now [6]
    den Kauf des technisch weit überlegenen Switchvox
    überleben wird, ist zweifelhaft. Die Entwicklung jedenfalls
    scheint seit einigen Monaten zu ruhen. Es ist aber auch nicht
    auszuschließen, dass Digium Switchvox-Elemente in Asterisk
    Now integriert.

Alle sind für den amerikanischen Markt konzipiert und bereiten darum hierzulande Probleme. Das fängt bei fehlenden deutschen Sprachbausteinen an und hört bei mangelnder oder gar nicht vorhandener Unterstützung von ISDN auf. Wen das nicht weiter stört, der sieht sich jedoch mit einer völlig anderen Telefonanlagenlogik konfrontiert. So sind die für Deutschland so typischen Durchwahlen in den USA unbekannt. Die dortigen Extensions bilden nur auf den ersten Blick eine Alternative, denn welche mittelständische Firma möchte schon alle Anrufe über eine zentrale IVR (Interactive Voice Response, Sprachnavigation bei Telefonanlagen) schicken und neue Visitenkarten drucken lassen?!

Asterisk-Tag

Wer einmal Mark Spencer, den Erfinder von Asterisk und Gründer der Firma Digium, oder einige der Hauptentwickler der Asterisk-Community persönlich kennenlernen will, kann den Plan fassen, Ende Mai nach Berlin zu reisen. Dort findet nämlich der Asterisk-Tag 2008 statt [http://www.asterisk-tag.org], der an zwei Tagen Asterisk- und VoIP-Vorträge und -Workshops anbietet. Der Termin - 26. und 27. Mai - liegt übrigens in derselben Woche wie der Linuxtag - ein Fall für zwei Fliegen und eine Klappe.

Gemeinschaftskunde

Um ein erweitertes Asterisk zu bauen, das besser in den deutschsprachigen Raum passt, hat die deutsche Amooma das Projekt Gemeinschaft [7] ins Leben gerufen und gerade den ersten Code ins Netz gestellt. Der Name Gemeinschaft stammt aus dem Grundgedanken, dass mit diesem Kit auch mehrere Asterisk-Server in einem Cluster und damit in einer Gemeinschaft arbeiten dürfen.

Eine komplette Installationsbeschreibung von Gemeinschaft passt nicht in einen Artikel. Muss sie auch nicht, denn Gemeinschaft ist modular aufgebaut und Sie können einzelne Komponenten in eigenen Setups benutzen - oder auch nicht. Die Cluster-Funktionalität zum Beispiel ist wahrscheinlich nur für große Firmen interessant. Dieser Artikel hilft Ihnen dabei, mit Gemeinschaft eine einfache Telefonanlage mit allen dafür typischen Features zu realisieren.

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