Anders als auf dem Desktop sind bei einem Duell Windows gegen Linux(e) die Waffen auf dem Server ungefähr gleich verteilt. Das neue Produkt aus Redmond liefert für das Linux-Magazin den Anlass, die Standardausstattung von fünf professionellen Linux-Distributionen mit der von Microsofts Windows Server 2008 zu vergleichen.
Neben den beiden Klassikern Suse Linux Enterprise Server und Red Hat Enterprise Linux kommen die drei Business-Distributionen Univention Corporate Server, Xandros Server und Corebiz Server zum Zuge. Die Auswahl erfolgte willkürlich und steht beispielhaft für recht unterschiedliche Ansätze, das freie Betriebssystem mit Extra-Ausstattungen und Supportverträgen kostenpflichtig in die Unternehmen zu bringen. Die Tabellen 1 und 2, sie fußen auf Herstellerangaben und eigenen Recherchen, helfen dabei, die Ausstattungen und Leistungen der Hersteller im Einzelnen zu vergleichen.
Das Maß: Windows
Wenn Windows früher als Ressourcenfresser verschrien war, hält sich heute der Speicher- und CPU-Hunger überraschenderweise in Grenzen, auch wenn\'s von der Festplatte schon noch ein bisschen mehr sein darf. SMP ist möglich, aber die Standardlizenz erlaubt leider nur zwei Prozessorkerne. Das können andere Hersteller besser: Suse gibt mit 128 Cores einfach die Grenzen des technisch Möglichen als Limit an.
Unter Windows fehlen viele Details noch, die dem Linux-Admin lieb und teuer geworden sind, zum Beispiel Remote-Installation, Webfrontends oder ein SSH-Server. Besonders schade ist, dass der Minimal-Modus so halbherzig ausfällt. Mit der Powershell gibt es eine wirklich fortschrittliche, objektorientierte Befehlszeile und von anderen Herstellern jede Menge Highend-Software. Die Zertifizierungen für die gängigen Serversoftware-Produkte wie SAP, Oracle und VMware werden sicherlich auch nicht lange auf sich warten lassen.
Sehr gelungen sind dafür die Admin-GUIs MMC, Server-Manager (siehe Abbildung 1) und die ADS-Tools, auch wenn noch nicht alle Kinderkrankheiten ausgemerzt sind. Schmerzhaft vermisst der Linux-Admin dagegen die Vorteile des Linux-Softwaremanagements. Weder Online-Installation noch eigene Software-Repositories sind unter Windows ohne Weiteres möglich.
Abbildung 1: Gelungen und vollständig integriert: Der Server-Manager und die Management Console von Windows. Gleiches gilt für die Active-Directory-Tools.
Das Standardserver-System an sich ist zunächst vergleichsweise günstig. Teuer wird es ganz von selbst, wenn zahlreiche User da sind, denn die Redmonder verlangen 27 Euro pro User. Da kommen dann für 50 Arbeitsplätze schnell 2000 Euro zusammen. Soll eine passende Groupware her, muss der Kunde für den Exchange Server erneut tief in die Tasche greifen. Das enthält aber noch keinen Support, sondern nur regelmäßige Updates. Support und SLAs muss sich der Kunde bei einem Partner vor Ort kaufen.
Rot-grüne Opposition?
Suse und Red Hat sind seit jeher die Platzhirsche unter den Linux-Servern. Am grünen Chamäleon oder dem roten Hut kommt kein Admin vorbei, der zertifizierte Plattformen für SAP, Oracle oder DB 2 sucht und einen Hersteller braucht, der ihm dafür Support, SLAs und Maintenance bietet. Allerdings sind die Konzepte hinter den beiden Produkten doch sehr unterschiedlich. Suses SLES kommt einem Allrounder gleich und lässt sich mit dem mittlerweile sehr ausgereiften Yast sowohl textbasiert als auch grafisch administrieren.
Das Admin-Tool lässt in Sachen Benutzerführung fast keine Wünsche offen, das GUI ist schon in der Installation identisch mit der späteren Administrationsumgebung (Abbildung 2). Sie bringt eine große Anzahl von Modulen mit, die sich über die Software-Auswahl auch noch erweitern lässt. Darin verbergen sich dann Perlen wie ein VPN-Modul für die IPsec-Konfiguration oder die automatische Installation.
Abbildung 2: Vorbildlich ist die grafische Installation unter Suse. Sowohl Anfänger als auch Profis finden hier schnell zum Ziel.
Im Gegensatz dazu verzichten die Roten auf ein Universalwerkzeug und installieren zahlreiche Konfigurationstools, die sowohl an der Befehlszeile als auch im GUI zur Verfügung stehen (Abbildung 3). Red Hat setzt eher auf die sensiblen Bereiche der Hoch-Sicherheitstrakte und bringt Addon-Pakete, die vor allem im Cluster- und HA-Bereich die Konkurrenz noch hinter sich lassen.
Abbildung 3: Red Hat bringt viele einzelne Programme für die Administration, deren Namen mit »system-config-« anfangen.
Abgesehen davon halten sich die Unterschiede in Grenzen, Novells Server ist jedoch etwas billiger zu haben. Ein- und Umsteiger finden sich wohl in Yast schneller zurecht als auf dem spartanischen Red-Hat-System, Profis werden eher zum Hut greifen. Wer sich die umfangreichen Addons und Produkte wie die Red Hat Cluster Suite, das Red Hat Global File System oder einen Satellite Server leistet, trifft sicherlich keine falsche Entscheidung - solange er sich damit auch auskennt.