Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2008
© scx.hu

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Netbeans 6.0 und Eclipse 3.3 im Vergleich

Frisch aufgebrüht

Suns Java-Entwicklungsumgebung Netbeans steht seit Langen im Schatten der von IBM initiierten IDE Eclipse. Doch die Anfang Dezember erschienene Version 6.0 hat gegenüber Eclipse manche Vorteile.

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Aktuelle Markterhebungen küren Eclipse [1] zur meistgenutzten Java-IDE und verweisen Netbeans [2] klar auf den zweiten Platz. Auf der Mitgliederliste der Eclipse Foundation finden sich Namen wie IBM, Borland, Red Hat und Suse. Doch in der illustren Liste klafft eine bemerkenswerte Lücke: Die Firma Sun, Erfinderin von und treibende Kraft hinter Java, fehlt. Der kalifornische Softwaregigant engagiert sich für die eigene Java-Entwicklungumgebung Netbeans. Mit der am dritten Dezember 2007 erschienen Version 6.0 will Sun verlorenes Terrain zurückgewinnen.

Wer die beiden IDEs vergleicht, kommt dem Erfolgsgeheimnis von Eclipse schnell auf die Spur. Die Entwicklungsumgebung verstand sich früh als "offene" Software, die sich über Plugins erweitern und sogar als Application-Server nutzen lässt. Netbeans hat diesen Trend lange Zeit verschlafen und sich ausschließlich als IDE verstanden. Ein Vergleich der beiden Anwendungen zeigt aber, dass Netbeans aufholt. Wer Suns IDE ausschließlich als Entwicklungsumgebung nutzt, stellt fest, dass der Zweitplatzierte in einigen Bereichen sogar die Nase vorn hat.

Zwei Welten

Viele Unterschiede zwischen Eclipse und Netbeans liegen in der Geschichte der beiden IDEs begründet. Eclipse ist als erweiterbares Framework konzipiert, das an den wesentlichen Stellen Interfaces für Entwickler bereithält. Ein prominentes Beispiel für den Einsatz als Application-Server ist der Lotus Notes Client, der in der neuesten Version auf Eclipse basiert [3]. Inzwischen entwickelt sich Netbeans auch zur Anwendungsplattform weiter, hält aber beim GUI nach wie vor an AWT/Swing fest, das Sun offenbar um jeden Preis im Markt halten möchte. Auch in Version 6 bleibt Netbeans schwerpunktmäßig eine IDE, was sich auch in der Vermarktung zeigt.

Das gewichtigste Argument für Eclipse ist deren Java-Qelltexteditor, unbestritten der beste zurzeit am Markt verfügbare. Gleichzeitig ist Eclipse quasi unbeschränkt durch Plugins erweiterbar, Tausende freie und kommerzielle Erweiterungen sind erhältlich. Besonders die Web Tools Platform (WTP) ist eine sehr leistungsfähige Umgebung für Java EE und verbindet die IDE nahtlos mit allen wichtigen Applikationsservern. Netbeans-Anhänger schätzen dagegen das Tempo ihrer IDE. Da sie auf dem geschwindigkeitsoptimierten Swing basiert, startet die Software schneller und fühlt sich fließender an.

Die Mischung macht's

Es gibt seit Jahren auf Eclipse basierende spezielle Zusammenstellungen von Plugins für unterschiedliche Bedürfnisse. Eclipse Europa [4], die im Zusammenhang getestete Veröffentlichung von Eclipse 3.3 mit 21 Unterprojekten, erleichtert es zusätzlich, für den eigenen Bedarf ausgestattete Eclipse-Installationen selbst zusammenzustellen.

Diese Idee hält nun auch in Netbeans Einzug. Ab der aktuellen Release gibt es sechs Standardpakete für Java SE, ME, EE beziehungsweise die Entwicklung mit C++ oder Ruby. Das verkürzt den Download, der neue Installer richtet die Umgebung zügig ein, installiert Netbeans gleicht mit den nötigen Plugins und kümmert sich optional auch um einen Glassfish- oder Apache-Tomcat-Applikationsserver. Auch mit einem verbesserten Plugin-Manager zieht Netbeans 6.0 der Konkurrenz nach. Ähnlich wie in Eclipse lassen sich in dieser Version über das Menü »Tools« auch Update-Server einbinden (Abbildung 1). Netbeans hat hier im Vergleich zu den komfortablen Managern von Yoxos & Co. gegen Eclipse viel Boden gutgemacht.

Abbildung 1: Ein Schritt in Richtung Allzweck-IDE: Der neue Plugin-Manager in Netbeans 6.0 funktioniert ähnlich komfortabel wie der von Eclipse.

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