Open Source im professionellen Einsatz

Auflösung des (schweren) Winterrätsels

Austria Open

Dass es die Fragen des Winterrätsels in Ausgabe 01/2008 in sich haben, war der Redaktion des Linux-Magazins klar. Dass keine der zahlreichen Einsendungen auf LINUXWORLDDOMINATIONFAST kommen würde, überraschte dann doch. Der kenntnisreichste Leser scheiterte an Klaus Knoppers Herkunftsland: Österreich.

Viele Rätsel sind allein deswegen leicht lösbar, weil das Beantworten einer Teilmenge der Fragen ausreicht, um das Gesamtergebnis zu erraten. Anders beim Winterrätsel im Linux-Magazin 01/2008, bei dem das Lösungswort-Diagramm sich das Verfahren einer Strom-Chiffre zunutze gemacht hat. Dadurch beeinflusst jede der 24 Teillösungen gemeinerweise das Gesamtergebnis. Echte Strom-Chiffren wie der in der WLAN-Verschlüsselung WEP eingesetzte RC4 sind natürlich viel komplexer.

Die jeweils letzten Buchstaben der korrekten Antworten in das Schema eingetragen und addiert hätten das Lösungswort LINUXWORLDDOMINATIONFAST ergeben (siehe Abbildung 1). Das hatte sich Linus Torvalds irgendwann einmal zum Ziel gesetzt. Das Rätsel zu lösen hatte sich auch eine Menge Magazin-Leser zur Aufgabe gemacht. Ganz geschafft hat es aber keiner.

Abbildung 1: Das Lösungswort bildet sich durch zeichenweise Addition mit den vorgegebenen Buchstaben und dem jeweiligen Vorgänger.

Abbildung 1: Das Lösungswort bildet sich durch zeichenweise Addition mit den vorgegebenen Buchstaben und dem jeweiligen Vorgänger.

Bei manchen Zuschriften gab es in der Redaktion ein großes Hallo wegen der hohen Kreativität, das Lösungswort trotz Unsicherheit einiger Teillösungen zu erraten - einige Teilnehmer haben dazu in Perl, C und per Tabellenkalkulation erstaunliche Algorithmen entwickelt. Auf dem FTP-Server von Linux-Magazin Online liegt übrigens eine Tabelle im Open-Document-Format, die beim regulären Berechnen des Lösungsworts behilflich ist. Hier aber erst mal die 24 Frage-Antwort-Paare.

1. Der ursprüngliche Gründer des Honeynet-Projekts hatte früher einen anderen Job in der Sicherheitsbranche. Womit versuchte er sich damals zu schützen?

PANZER - Lance Spitzner ist ein Sicherheitsexperte und tritt als solcher auch als Redner auf Konferenzen auf. Nachdem auf einer die Mikrofontechnik ausgefallen war, meinte Spitzner: "Früher war ich Panzerfahrer bei der US-Army. Dort habe ich gelernt, laut zu sprechen!" Er war der verständlicheste Sprecher auf der gesamten Konferenz.

2. Ein Entwickler einer Echtzeiterweiterung für den Linux-Kernel wandelt auf internationalen Pfaden. Er stammt aus einer Alpenrepublik, lehrt in China und trägt einen Namen, der eher an schottische Highlands erinnert. Wie lautet der alte Titel, den er als Teil seines Pseudonyms unter Ausnutzung der TLD seiner Heimat verwendet?

HOFRAT - Nicholas McGuire zeichnet für RT Linux/GPL verantwortlich. Den Österreicher erreichte der Ruf als Professor der Universität von Lanzhou (China). Dort leitet er auch das Distributed and Embedded System Lab. Auf einschlägigen Mailinglisten tritt er unter seiner Domain Hofr.at auf, eine Reminiszenz an einen in Österreich auch heute noch gebräuchlichen Titel für hohe Beamte.

3. Bevor er zu Höherem strebte, war der Chef einer Linux-Distribution Maintainer eines Debian-Pakets, das den gleichen Namen wie ein Volksstamm trägt. Wie heißen die Stammmitglieder?

APACHEN - Bevor Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth in seine Sojus-Kapsel stieg, musste er zunächst einmal das Fahrgeld verdienen. Dies tat er, indem er in Südafrika erfolgreich ein Trustcenter aufbaute und später verkaufte. Dazu waren Webanwendungen notwendig und er avancierte nach eigenen Angaben zu einem der ersten Debian-Maintainer des Webservers Apache. Der Legende nach bekam der Marktführer der Webserver übrigens seinen Namen nicht wirklich von dem Indianerstamm, sondern wurde "A patchy server" genannt, da es anfangs so viele Erweiterungen für ihn gab.

4. Der englische Thronfolger ist Prinz eines Landstrichs, der auch die Heimat eines ebenso hochrangigen Kernelentwicklers ist und wie die Royals gelegentlich durch seine extravagante Hutmode auffällt. Wie lautet sein Vorname?

ALAN - Prinz Charles trägt als einen seiner vielen Titel auch den des "Prince of Wales". Von dort stammt auch Alan Cox, der eine zentrale Rolle bei der Entwicklung des Linux-Kerns einnimmt und als Mitarbeitet von Red Hat häufig mit einem solchen auf Konferenzen auftritt.

5. Der Scheduler des Linux-Kernels ist häufig Gegenstand von Diskussionen. In einer frühen Version fürchtete Linus Torvalds gar die Geringschätzung eines Computer-Pioniers. Wovor warnte der Veteran in einem berühmten Artikel?

GOTO - Zur Optimierung konnte aus der zentralen Hauptschleife des frühen Linux-Kerns mit einem »GOTO«-Befehl herausgesprungen werden. Da dies eigentlich als schlechter Stil gilt, hatte Torvalds in einem Kommentar dazu "Dijkstra probably hates me" angemerkt. Der niederländische Wissenschaftler hatte sich schon früh mit strukturierter Programmierung beschäftigt und 1968 einen Artikel mit dem Titel "Go To Statement Considered Harmful" veröffentlicht.

6. Vor zehn Jahren legte der deutsche Entwickler Matthias Ettrich den Grundstein für ein großes Open-Source-Projekt. Welches Geschöpf ist die Galionsfigur des Projekts?

DRACHE - Das Maskottchen Konqui ist Drache und steht für das KDE-Projekt.

7. Das Schreiben einer Bibliothek für Regular Expressions war dem gesuchten Entwickler und Wissenschaftler nicht genug. Er entwickelte auch einen bekannten Mailserver. An der Hochschule welcher Stadt war er bis vor Kurzem aktiv?

CAMBRIDGE - Philip Hazel ist Autor des MTA Exim und der Perl Compatible Regular Expression (PCRE). Die University of Cambridge verabschiedete ihn Ende 2007 in den verdienten Ruhestand.

8. Ein deutscher Entwickler und Buchautor war an einer frühen Version des Open-Office-Vorgängers für Linux maßgeblich beteiligt. Heute entwickelt seine Firma hauptsächlich Applikationen für den Desktop. In welchem Land liegt der Sitz dieses Unternehmens?

SCHWEDEN - Nicht Marco Börries wie einige Leser meinten, sondern Matthias "Kalle" Dalheimer hat als Gruppenleiter an der Linux-Portierung von Star Office mitgearbeitet, als das Unternehmen noch nicht zu Sun gehörte. Später gründete er sein eigenes Unternehmen Klarälvdalens Datakonsult in Schweden, das Entwickler beschäftigt, die an einigen KDE-Programmen wie Kontact arbeiten.

9. Wie lautet der Nachname des Vaters einer Programmiersprache, die gleichzeitig an eine Insel und ein Getränk erinnert?

GOSLING - Neben seinem eigenen Fork des Emacs in den frühen 1980er Jahren zeichnete der heutige Mitarbeiter von Sun auch für das ursprüngliche Design von Java verantwortlich.

10. Welcher Systemaufruf in der I-386-Architektur hat die Nummer, die der Anzahl von Nullen in der sprichwörtlichen Summe entspricht, die IBM ab 2001 in Linux investieren wollte?

LINK - Eine Milliarde US-Dollar wollte IBM ausgeben, eine Zahl mit neun Nullen - nicht eine Billion, wie mancher glaubte. In »include/asm-i386/unistd.h« ist SYS_LINK mit dem Wert 9 definiert.

11. Wie lautet der Vorname des einstmals jüngsten Kernelentwicklers, der Maintainer einer Linux-Version war?

MARCELO - Marcelo Tosatti aus Brasilien war der Maintainer des stabilen 2.4-Zweigs des Linux-Kernels, bis er ihn Mitte 2006 an Willy Tarreau abgab.

12. Wie lautet die Abkürzung für einen Entwickler eines auf Lisp fußenden Editors, eines Compilers und einer populären Softwarebewegung?

RMS - Richard M. Stallmann, Entwickler des Emacs, Mitarbeiter am GCC und Begründer der Free Software Foundation wird oft mit seinen Initialen referenziert.

13. An einer amerikanischen Hochschule wurde vor rund 20 Jahren die Grundlage eines Fenstersystems gelegt, das heute noch im Einsatz ist. Nach welcher Gottheit nannte sich das damalige Projekt, das auch einen wichtigen Beitrag zur Computersicherheit geleistet hat?

ATHENE - Das Project Athena, an dem neben dem MIT auch IBM und DEC beteiligt waren, sollte einen einheitlichen Zugang für Studenten zu den Rechnern der Universität schaffen. Das X-Window-System und Kerberos sind zwei wichtige Ergebnisse aus dem Projekt.

14. Ein Mathematiker, der unter anderem in einer berühmten Reihe ein Buch über das Suchen und Sortieren schrieb, hat sich auch auf einem anderen Gebiet umgetan. Wem nähert sich sein bekanntestes Projekt kontinuierlich an?

PI - Donald E. Knuth ist emeritierter Professor der Stanford University und schreibt immer noch an seiner Buchserie "The Art of Computer Programming", deren dritter Band sich mit "Sorting and Searching" beschäftigt. Dazu ist er auch Schöpfer des Textsatzsystems Tex. Jede neue Version des Programms nähert sich um eine weitere Dezimalstelle der irrationalen Kreiszahl Pi an, aktuell ist dies 3,141592.

15. Wie lautet der Name der "grafischen" Erweiterung eines populären Unix-Editors in der Comic-Serie "User Friendly", in der auch ein Büroutensil eine Rolle spielte?

VIGOR - In der Ausgabe vom 8. Januar 2000 (Abbildung 2) erfindet Admin Pitr Dubovich eine Erweiterung für den Editor »vi« in Form einer Büroklammer, die er Vigor nennt.

Abbildung 2: Im User-Friendly-Comic aus dem Januar 2000 erweitert Pitr einen Editor um „Vigor“.
    (Bild: © 2000 Iliad, userfriendly.org)

Abbildung 2: Im User-Friendly-Comic aus dem Januar 2000 erweitert Pitr einen Editor um „Vigor“. (Bild: © 2000 Iliad, userfriendly.org)

16. Unter welchem Pseudonym firmiert der Chefentwickler eines Netzwerktools, das auch eine Rolle in der "Matrix"-Trilogie spielte?

FYODOR - Der Nmap-Projektleiter tritt stets unter dem Namen Fyodor auf.

17. Der Schöpfer des Begriffs Web 2.0 ist gleichzeitig Verleger einer Buchreihe. Ein Buchcover seines Verlages zeigt einen Gegenstand, den man in einer Wüste erwarten würde. Welche Programmiersprache behandelt das Buch?

PERL - Tim O\'Reilly hat den Begriff Web 2.0 geprägt. Die Umschläge der Bücher seines Verlages zieren oft Tiere; das Buch "Programming Perl" wird oft auch als "Camel-Book" bezeichnet.

18. Der Autor hat neben einem Werkzeug zum Abholen von E-Mail auch einen sehr bekannten Aufsatz über Software-Entwicklungsmodelle geschrieben. Zudem ist er ein glühender Verfechter einer der Zusätze zur amerikanischen Verfassung. Wie wird ein Filedescriptor auch bezeichnet, der die gleiche Nummer dieses Zusatzes hat?

STDERR - Eric S. Raymond hat das Tool Fetchmail mitentwickelt, worüber er in seinem Text "The Cathedral and the Bazaar" berichtet. Es gilt als ein zentrales Dokument der Open-Source-Bewegung. Raymond verweist oft auf den zweiten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der das Tragen von Waffen erlaubt. Jeder Unix-Prozess hat normalerweise drei Dateideskriptoren zugewiesen bekommen. Über den Deskriptor 2 werden typischerweise Fehlermeldungen ausgegeben; er heißt »stderr«.

19. Der Autor einer Linux-Distribution, der sich auch als Komponist zeitgenössischer Musik versucht, beschäftigte sich zuletzt mit Accessibility-Funktionen für Blinde. Aus welchem Land stammt er?

ÖSTERREICH - Klaus Knopper hat neben Knoppix auch eine Reihe von kurzen Musikstücken veröffentlicht. Obwohl er in einem einsamen Dorf in der Pfalz wohnt, ist er Österreicher.

20. Den Heiratsantrag an seine spätere Frau stellte der Betreiber eines Blog-ähnlichen Newsportals bereits Jahre vor der Erfindung von Blogs in seinem Forum. Sein Pseudonym enthält eine Referenz auf ein mexikanisches Gericht. Wie lautet sein bürgerlicher Nachname?

MALDA - Als Cmdr Taco ist Rob Malda bei der von ihm mitinitiierten Website Slashdot bekannt.

21. Ein amerikanischer Unternehmer kam als Mitbegründer eines Unternehmens, das heute Marktführer ist, zu Geld und darf exklusiv auf seiner eigenen Landebahn einschweben. Wie heißt der Algorithmus, der wichtiger Teil der Geschäftsgrundlage seines Unternehmens ist?

PAGERANK - Die Google-Gründer Page und Brin dürfen nach einer Meldung mit ihrem Firmenjet auf dem direkt neben dem Googleplex liegenden "Moffett Federal Air Field" starten und landen. Nach Page ist der Page-Rank-Algorithmus benannt, der Websites bewertet.

22. Ein populäres Telefonie-Projekt trägt einen Namen, der als Symbol auch im "American Standard Code for Information Interchange" auftaucht. Die dezimale Darstellung dieses Zeichens war zufällig auch das Ergebnis einer umfänglichen Berechnung welches Computers?

DEEPTHOUGHT - Der Telefonserver Asterisk ist nach dem Sternchen benannt, das sich auf vielen Telefontastaturen findet. Der Stern heißt im Ascii-Zeichensatz offiziell ebenfalls Asterisk und hat die dezimale Nummer 42. Zu diesem Ergebnis kam auch der Computer Deep Thought im Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams nach 7,5 Millionen Jahren Rechenzeit. Streng genommen setzt sich die Antwort aus zwei Wörtern zusammen - sorry für die kleine Stolperfalle.

23. Ein kleiner Affe war das Wappentier einer Softwareschmiede, die maßgeblich an der Entwicklung eines Groupware-Clients beteiligt war. Welchem Desktop-Lager werden ihre Programmierer gemeinhin zugerechnet?

GNOME - Bevor Nat Friedmann und Miguel de Icaza ihre Firma Ximian an Novell verkauften, entwickelte das Unternehmen neben Evolution oder Mono maßgeblich am Gnome-Desktop mit.

24. Aus den Wirren der ausklingenden Dotcom-Blase ging eine Stiftung hervor, die sich frei nach einer Riesenechse benannte. Das erfolgreichste Projekt der Stiftung trägt jedoch den Namen eines Säugetiers. Welchen?

FIREFOX - Der Firefox-Browser der Mozilla Foundation gilt heute als eines der verbreitetsten Open-Source-Projekte. Die Stiftung wurde 2003 mit Startmitteln von AOL ins Leben gerufen. Das Unternehmen hatte einst Netscape gekauft.

Die Bestplatzierten und der Eee-PC-Gewinner

Da es zwar viele Einsendungen gab, aber kein Teilnehmer alle Fragen korrekt beantworten konnte, hier die Hitliste der besten Teilnehmer:

5. Platz: Nur vier falsche Antworten von 24 gab Alfons Lenz und landet auf dem fünften Platz.

4. Platz: Auch Jochen Lutz machte vier Fehler, drei davon waren aber fast richtig.

2. Platz: Den teilen sich Urs Fleisch und Reiner Herrmann, beide konnten drei Fragen nicht beantworten.

1. Platz: Der Beste im Feld scheiterte einzig an Frage 19, der Nationalität von Klaus Knopper. Kleiner Trost: Keiner der fünf Platzierten vermochte Knopper, der oft als Referent auf Messen auftritt, ins schöne Österreich zu verorten. Heiko Besemann heißt der Gewinner des Winterrätsels. Herzlichen Glückwunsch!

Zwar hätte sich in der Linux-Magazin-Redaktion schon der eine oder andere Interessent für den ausgelobten Eee-PC von Asus im Wert von 300 Euro gefunden (Abbildung 3). Doch Halt! Ruhm und Subnotebook - sobald lieferbar - gebühren Heiko Besemann! Er hat sich schließlich am erfolgreichsten den Kopf zerbrochen. Für alle anderen gilt: Der nächste Winter kommt bestimmt und mit ihm das nächste Rätsel. (jk)

Abbildung 3: Kunststoff, aus dem die Träume sind: Zu gewinnen gab es Asus' schmucken Eee-PC.

Abbildung 3: Kunststoff, aus dem die Träume sind: Zu gewinnen gab es Asus' schmucken Eee-PC.

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