Von rund 100 Veranstaltungen war der Track "Hacking" mit 35 Vorträgen zwar führend, dem Track "Society" aber nur um zehn Vortrags-Nasenlängen voraus (Abbildung 1). Die immer dringender benötigte Schnittstelle zwischen Technik und Gesellschaft sprach der langhaarige Roger Dingledine an, als er die aktuellen Entwicklungen seines Tor-Projekts vorstellte [1]: "Wir brauchen mehr Rechtsanwälte, die sich mit Datenschutz befassen."
Abbildung 1. Links: Der CCC-Kongress gastiert seit 2003 in Berlin am Alexanderplatz. Mitte: Sinnbild des Kongresses: Laptopnutzer im vollen Vortragssaal, hier „Steampowered Telegraphy“ zu Beginn des ersten Tages. Rechts: Bastler gab es viele. Das Bild zeigt eine Flight-Control-Platine aus der Mikrokopter-Area.
(Bild: © Boris Niehaus)
Technik sucht Gesellschaft
Der Kongress setzte seinen Weg zu mehr politischen und gesellschaftlichen Themen also fort. Aber es gab nach wie vor eine Reihe interessanter technischer Demonstrationen. Der quirlige Amerikaner Mitch Altman zum Beispiel, der Erfinder der Open-Source-Fernbedienung TV-B-Gone, übertrug seine Begeisterung ("It\'s all free!") auf seine Vortrags- und Workshop-Teilnehmer beim Mikrocontroller-Hacking [2]. Und mehrere Beiträge zeigten, dass technische Maßnahmen wie das Sperren von Spielekonsolen für alternative Betriebssysteme erst recht den Ehrgeiz der Entwickler wecken.
Hack mal wieder ...
So knackte Felix Domke das Sicherheitsdesign der Xbox 360, an der sich der Entwickler im vergangenen Jahr noch die Zähne ausgebissen hatte. Das Sicherheitskonzept sei durchdacht, gab der Konsolenenthusiast zu: Beispielsweise werde nur von Microsoft signierter Code ausgeführt. Doch er fand eine Lücke in Form eines Vergleichsbefehls im Maschinencode, der nur 32 Bits einer 64-Bit-Zahl verwendet. Als Exploit schleuste er über ein Konsolenspiel mit Hilfe eines modifizierten Shaders für die Grafikdarstellung Code ein und bootete unter Applaus des Publikums ein Linux.
Ergänzend untersuchte der angestellte Kernelentwickler Michael Steil den Zusammenhang zwischen geschlossener Konsolen-Hardware und vorhandenen Raubkopien für Spiele. Die einzige Plattform, für die keine Raubkopien im Umlauf sind, sei die Playstation 3: Für die bietet der Hersteller Sony ein SDK zum Programmieren des eingebauten Cell-Prozessors an.
Andere Technik, gleiches Szenario: Auch Apple versucht zu verhindern, dass das Mac OS X auf anderer als der eigenen Hardware läuft. Referent Alexander Graf erweiterte mehrere Patches für die beiden Linux-Virtualisierungen Qemu und KVM und war so in der Lage, auf seinem Apple-Rechner mehrere Instanzen von Mac OS X unter einem Linux-Gastgeber zu virtualisieren. "Auf Apple-Hardware ist das legal", interpretierte er die Lizenz.
Wer weitere Vortragsportraits lesen will, wird auf "Linux-Magazin Online" fündig: einfach das Stichwort »24c3« ins Suchfeld eingeben [3].