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Fast alle deutschen Großstädte versorgen ihre Einwohner nur noch mit dem digitalen Antennenfernsehen DVB-T. Aber wie empfangen Linux-Nutzer den Videostream und wie bearbeiten sie die Videodaten weiter? Für freie Software zum Zappen und zum Editieren der Videodaten ist gesorgt.

Digitales Fernsehen ist beim Endanwender angekommen [1]. Die meisten Ballungsräume in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind inzwischen terrestrisch versorgt. Wer einen Empfänger besitzt, sieht meist schon mit einer Zimmerantenne Fernsehsender. DVB-T (Digital Video Broadcast Terrestrial) hat das analoge Antennenfernsehen fast vollständig abgelöst. Über Kabel und Satellit (DVB-C und DVB-S) gibt es digitales Fernsehen schon länger.

Abbildung 1: Das DVB-Modul des Videoplayers Kaffeine unterstützt als einziges grafisches Programm einen Sendersuchlauf durch alle Frequenzen.

Abbildung 1: Das DVB-Modul des Videoplayers Kaffeine unterstützt als einziges grafisches Programm einen Sendersuchlauf durch alle Frequenzen.

Zurück zum Empfänger

Dass Digitalfernsehen vor allem beim Empfang über Antenne die analoge Konkurrenz verdrängt hat, liegt an der beachtlichen Auswahl, die es bietet: Wo früher oft weniger als zehn Programme in magerer Qualität zu empfangen waren, bringt ein DVB-T-Receiver in vielen Empfangsgebieten zwischen 20 und 30 Sender auf den Bildschirm.

Das gilt natürlich auch für DVB-T auf dem PC. Hier landen die Videodaten wie beim Internet-Streaming bei Bedarf als Mpeg2-Dateien auf der Festplatte. Sie lassen sich mit herkömmlicher Videosoftware abspielen und eigen sich zur weiteren Bearbeitung hervorragend. Anders als früher bei analogem Videomaterial verursacht der Schnitt keinen Qualitätsverlust.

Etwas mehr Probleme als das von der DVD bekannte Mpeg2-Format bereiten die Treiber für die DVB-Empfänger. Auf der Grundlage des DVB-Subsystems des Kernels hat der Anwender jedoch eine gute Chance, ein Linux-taugliches Gerät zu finden, ohne sich die Füße wund laufen zu müssen. Eine Recherche, ob Linux das Gerät unterstützt, ist trotzdem zu empfehlen, [2] bietet eine Übersicht über geeignete Hardware.

Pflicht - leicht

Zum Abspielen von DVB-Fernsehen bedarf es eigentlich nur des Kommandozeilenwerkzeugs Zap aus dem Paket DVB-Utils [3] und eines normalen Videoplayers. Zur Sendersuche liefert DVB-Utils das ebenfalls Kommandozeilen-basierte Programm Scan mit. Es findet aber die ausgestrahlten Sender erst, wenn es die Trägerfrequenzen im Übertragungsgebiet kennt. Wer hierfür keine Konfigurationsdatei zur Verfügung hat, verwendet daher zur Sendersuche besser W_Scan, das ohne Starthilfe einen vollständigen Suchlauf ausführt [4].

Nach dem Sendersuchlauf stellt Zap den Receiver auf die gewünschte Frequenz ein: »tzap zdf -r«. Der Stream lässt sich nun an »cat /dev/dvb/adapter0/dvr0« abgreifen und in bester Unix-Tradition in eine Datei oder per Pipe an den Player umleiten. Die Kommandozeilen-Hardliner können sich wohl kaum etwas Schöneres vorstellen.

Dass aber längst nicht alle Linux-Benutzer den Senderwechsel gerne per Zap auf der Kommandozeile vollziehen, beweist die Vielzahl bestehender DVB-Anwendungen: Erweiterungen für Xine [5] und Mplayer [6] vereinfachen das Fernsehen. Ist es vorher gelungen, mit Scan oder W_Scan eine für das Sendegebiet passende »channels.conf« zu erzeugen, dann genügt beim erweiterten Xine der Aufruf »xine dvb://ZDF«, damit das Player-Fenster das Zweite Deutsche Fernsehen anzeigt.

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