Virtualisierungs-Hype 2.0: Es kommt Bewegung in den Virtualisierungsmarkt. Die Vorteile sind wohl überwältigend ([1], [2]). Doch im Dickicht der unterschiedlichen Angebote - einen Überblick bietet Tabelle 1 - eignet sich nicht jede Technik für jeden Anwendungsfall. Vier verschiedene Szenarien beleuchten passende, am Markt verfügbaren Lösungen.
Konsolidierte Datacenter
Vieles spricht für Virtualisierung in Rechenzentren, IT-Abteilungen und in Serverumgebungen: Die mögliche Konsolidierung nutzt Ressourcen von Mensch und Maschine besser. Anwendungen problemlos auf einen neuen Server umzuziehen bedeutet Flexibilität, Hardware gemeinsam verwenden spart Kosten und hilft nicht zuletzt dabei, die Umwelt zu entlasten. Gartner erklärte Green-IT gerade zum Trend des Jahres 2008 [3].
Sind komplexe Anwendungen zu virtualisieren und ist eine maximale Flexibilität der einzelnen Gäste gefordert, kommen zumeist virtuelle Maschinen (VMware) und Hardware- oder Paravirtualisierung (Xen, je nach Eigenschaften der Hardware) zum Einsatz, vermitteln sie dem Gast doch eine Umgebung, die sich kaum von der tatsächlichen Hardware unterscheidet. In diesem Segment sind VMware und Xen die wichtigsten Player. Beide Produkte werden kommerziell angeboten, von Xen gibt es auch Varianten als freie Software.
Allrounder Xen
Xensource, die Ausgründung der Xen-Entwicklergruppe der University of Cambridge, bietet mit Xenserver ein Paket mit umfangreichen Werkzeugen an. Die Enterprise-Distributionen SLES und RHEL veredeln Xen ebenfalls durch eine Reihe von Zugaben: So gibt es nun auch paravirtuelle IO-Treiber, die durch engere Kooperation mit dem Hypervisor mehr Leistung herauskitzeln (siehe Kasten "Was läuft wo?"). Dies Angebot ist aber nicht kostenlos, da die Lizenzen der Windows-Treiberbibliotheken eine Veröffentlichung blockieren.
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Einsteiger in das Thema beschäftigt häufig die Frage, welche Anforderungen die Hardware - insbesondere der Prozessor - und das Betriebssystem erfüllen müssen, damit sich das System als Gastgeber qualifiziert. Ebenso ist die Frage wichtig, welche Betriebssysteme als Gäste problemlos laufen.
Als praktisch bewährte Faustregel gilt, dass Flexibilität entweder mit Performance oder mit Spezialhardware bezahlt sein will. Bei der Hardware-Virtualisierung arbeitet die tatsächliche CPU weitgehend die Befehle der Gäste selbst ab; ein Hypervisor greift nur dann ein, wenn Konflikte zu vermeiden sind. Kann die Hardware diese Konflikte nicht unmittelbar selbst erkennen, übernimmt die Paravirtualisierung die Rolle des Verwalters. Was den Hauptprozessor angeht, ist die Technik hier schon weit entwickelt. In den Kinderschuhen steckt hingegen noch die Virtualisierung von IO-Komponenten. Emulationen bilden praktisch alle Situationen und Architekturen ab, sind aber vergleichsweise langsam, da sie alles in Software abarbeiten.
Alle hier vorgestellten Virtualisierungslösungen können Linux als Gast beherbergen, einige setzen jedoch Veränderungen am Gastkernel voraus, darunter Xen, OpenVZ, Virtuozzo oder Vserver. Dies kann bei einigen Anwendungen Probleme beim Support bereiten, wenn der Dienstleister eine spezielle Kernelversion voraussetzt. VMware und Virtualbox laufen prinzipiell auf hinreichend neuen, ungepatchten Kerneln, die Emulatoren sowieso.
Bei den Gästen kann es entweder bei der Performance oder bei der Unterstützung verschiedener Versionen allerdings zu Einschränkungen kommen. Mit den aktuellen Windows-Abkömmlingen XP und Vista kommen alle Server-Virtualisierungen klar, nur die Betriebssystem-Virtualisierungen wie OpenVZ oder Vserver können dies prinzipbedingt nicht.
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Überhaupt bleiben Suse und Fedora lieber unter sich: Gäste anderer Betriebssysteme nehmen sie nur mit Murren auf. Ihre Tools, darunter der Virtmanager (bei SLES als Teil von Yast) warten dafür wie auch Xenserver mit besserem Support für HVM und GUIs auf.
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