Neues bei Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Die Infrastruktur für den so genannten Debian-Maintainer-Keyring ist fertig. Das gab Joey Hess am 17. November auf der Debian-Entwicklermailingliste bekannt. Damit setzen die Debian-Entwickler jetzt in die Tat um, was sie mit großer Mehrheit im Sommer beschlossen hatten ("Debianopolis" berichtete). Das Prinzip der Debian-Maintainer soll mehr Entwicklern Uploads ins offizielle Debian-Archiv ermöglichen.
Diesen neuen Weg können alle beschreiten, die nicht den offiziellen, aber langwierigen Prozess für neue Debian-Entwickler durchlaufen wollen. Debian-Maintainer dürfen auch jene werden, die sich bereits in diesem offiziellen Prozess befinden, ihn aber auf absehbare Zeit noch nicht beenden.
Dazu hat die Maintainer-Arbeitsgruppe neben dem offiziellen Debian- einen zweiten GPG-Keyring eingerichtet: Besitzer eines hier abgelegten Keys können Pakete in das Archiv hochladen, ohne den bisher nötigen Umweg über einen Sponsor zu nehmen. Der Zugriff auf Debian-eigene Hardware ist aber auch weiterhin ausschließlich offiziellen Debian-Entwicklern vorbehalten. Joey Hess ruft in seiner E-Mail öffentlich zur Teilnahme am Betatest für den Keyring auf.
Voraussetzung für die Aufnahme in diesen Debian-Maintainer-Schlüsselbund ist eine Empfehlung von mindestens einem Debian-Entwickler. Außerdem muss der eigene GPG-Schlüssel von mindestens einem Debian-Entwickler signiert sein - auf diese Weise wird die Identität des Bewerbers geprüft. Wer die genannten Voraussetzungen erfüllt und sich als Debian-Maintainer bewerben möchte, findet in der E-Mail von Joey Hess [1] alle erforderlichen Informationen.
Schon jetzt steht fest, dass es den Debian-Maintainer-Organisatoren an Bewerbern auch in dieser frühen Phase des Projekts nicht fehlen wird. Seit Wochen gehen auf der Debian-Newmaint-Liste Bewerbungen und Empfehlungsschreiben von Entwicklern ein, die um den Status des Debian-Maintainers nachsuchen. Auch die ersten Diskussionen hat es bereits gegeben.
Eine offene Frage ist zum Beispiel, ob das Projekt auch solche Entwickler in den Maintainer-Keyring aufnimmt, die den Prozess für neue Maintainer erfolgreich durchlaufen haben, deren Account aber noch nicht freigeschaltet ist. Durch die Doppelbewerbung erhoffen sie sich eine schnellere Freischaltung.
Der derzeitige Debian Project Leader Sam Hocevar hat übrigens abermals bewiesen, dass ihm das Debian-Maintainer-Projekt am Herzen liegt. Offiziell nominierte er als Mitglied für die Maintainer-Arbeitsgruppe Anibal Monsalve Salazar, um Joey Hess und Anthony Towns zu entlasten. So kann die Gruppe die Änderungen schneller umsetzen.
Nur den wenigsten Benutzern dürfte die Debian-Curiosa-Liste überhaupt bekannt sein. Das ist schade, schließlich landet hier praktisch alles aus der Debian-Welt, was Entwicklern und Benutzern gleichermaßen absurd erscheint. Neben nicht ganz ernst gemeinten Themen wie der Browser-Gretchenfrage und der immer wiederkehrenden Desktop-Diskussion finden sie hier Postings, die auf absurde Lizenzen hinweisen. Zum Beispiel stellt eine Lizenz göttliche Verdammung in Aussicht, falls jemand deren Bestimmungen missachtet (Abbildung 1). Das Ganze krönte die trockene Bemerkung eines Debian-Entwicklers, dass das betreffende Programm eigentlich in die Non-free-Abteilung von Debian gehöre, weil durch den zitierten Passus die Benutzung in unzulässiger Weise eingeschränkt sei [2].
Wer in der Mittagspause statt über die üblichen Verdächtigen wie Dilbert und User friendly über etwas Subtileres lachen will, für den ist Debian-Curiosa eine gute Anlaufstelle. (ake)
| Infos |
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| [1] Mail von Joey Hess:[http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2007/11/msg00004.html] [2] Mail auf der Debian-Curiosa-Mailingliste:[http://lists.debian.org/debian-curiosa/2007/10/msg00040.html] |
| Der Autor |
|---|
| Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien. |
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