Warum soll sich jemand die Mühe machen, eine Telefonanlage selbst zu programmieren? Es gibt doch genügend fertig zu kaufen. Die Antwort liegt in der fehlerhaften Fragestellung. Denn man kann eben nicht alles fertig kaufen. Ist doch etwas Passendes am Markt, dann ist es für kleine Unternehmen oft zu teuer. Mit Asterisk [1] hingegen kann sich jeder Linux-Erfahrene die Funktionalitäten einer 100000-Euro-Anlage selbst konfigurieren und dabei frei an eigene Bedürfnisse anpassen. Als VoIP-Anlage mit entsprechenden Telefonen ausgerüstet spart Asterisk nicht nur Gesprächsgebühren bei ausgehenden Anrufen, es braucht auch keine zweite Telefonverkabelung.
Trend zu Voice over IP
Lag 2006 der Anteil der Unternehmen, die Voice over IP nutzten (vollständig, parallel oder in Testumgebungen), noch bei 9 Prozent, so wird der Nutzungsgrad bis Ende 2007 knapp 16 Prozent erreichen. Das hat die Beratungsfirma Techconsult aus Kassel errechnet. Sie sieht VoIP als treibenden Motor für Umbrüche im Netzwerk-Management. Denn der zusätzliche, zeitkritische Sprachverkehr im LAN will geregelt sein, Stichwort: VPNs. Zudem stellen sich Fragen zur Abhörsicherheit und wie mit Spam über IP-Telefonie (Spit) umzugehen ist.
In Mitteleuropa gibt es drei Standardszenarien für den Einsatz von Asterisk:
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Asterisk als ISDN-Telefonanlage: Sie ersetzen Ihre alte
Telefonanlage durch einen PC mit ISDN-Karten und telefonieren
intern mit VoIP-Telefonen (Abbildung 1).
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Asterisk als reine VoIP-Telefonanlage: Intern und extern
telefonieren alle nur noch über VoIP, es existiert kein
ISDN-Anschluss mehr. Sie brauchen allerdings dazu eine stehende
Internetverbindung (Abbildung 2).
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Asterisk als Proxy: Sie schalten Asterisk als Proxy oder
Gateway zwischen Ihre traditionelle Anlage und das ISDN-Netz
(Abbildung 3). Dabei routet Asterisk einzelne Gespräche per
VoIP an andere Standorte transparent. Die Gespräche laufen
damit verschlüsselt und kostengünstig übers Netz.
Diese Variante ist auch praktisch für den schrittweisen
Umstieg auf Asterisk, weil Abteilungen einzeln auf VoIP umsteigen
können und der Rest der Firma weiterhin mit der alten Anlage
telefoniert.
Asterisk ist für die VoIP-Gemeinde das Gleiche wie Apache für Webmaster. Es beendet die Zeit, als eine Telefonanlage eine undurchschaubare Black Box war. Jeder Open-Source-Fan darf selbst Hand anlegen und die Anlage nach Gusto optimieren. Und: Asterisk vereint ISDN-, Analog- und VoIP-Telefonie. Die Schattenseite: Der Einstieg in Asterisk ist nicht einfach. Diese Workshop-Serie tritt dem entgegen und erklärt die wichtigen Funktionen Schritt für Schritt und beleuchtet Asterisks Vor- und Nachteile.
Abbildung 1: In diesem Szenario ersetzt ein Asterisk-PC mit ISDN-Karten die alte Telefonanlage. Intern arbeiten VoIP-Telefone.
Abbildung 2: Asterisk als reine VoIP-Telefonanlage, in- und extern telefonieren alle nur noch über IP.
Abbildung 3: Asterisk arbeitet als Proxy oder Gateway zwischen einer traditionellen Anlage und dem ISDN-Netz draußen. Der neue Server routet externe Gespräche einfach weiter.
Hallo Welt, hallo Asterisk
Da für die Wählplanlogik die Art der Telefonie (analog, ISDN, VoIP) egal ist, zeigt der Artikel zuerst, wie Sie eine reine VoIP-Anlage realisieren. In Abwandlung des klassischen "Hello World" für Programmiersprachen werden Sie eine Asterisk-Anlage installieren, in Betrieb nehmen und erst ein, dann zwei VoIP-SIP-Telefone (Session Initiation Protocol) anschließen. Sobald ein Telefon die Nummer 1234 anruft, wird Asterisk selbstständig abheben und eine Sounddatei mit dem Inhalt "Hello World" abspielen.
Der zweite Artikel beschreibt intelligente Programmiertechniken im Dialplan und der dritte wird sich mit ISDN (Mehrgeräte-, Anlagen- und Multiplex-Anschluss) beschäftigen, mit analoger Telefonie (in- wie extern) und den Besonderheiten in Deutschland. Die Reihenfolge ist so gewählt, dass Sie ein Gefühl für Asterisk bekommen, ohne unbedingt teure Spezialhardware kaufen zu müssen. Zum Experimentieren reichen sogar ein normaler PC und ein SIP-Telefon.
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