Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2008
Foto: Markus Feilner

Foto: Markus Feilner

IMAP-Migration mit Imapmigrate, Imapsync und Offlineimap

Weg vom alten Eisen

,

Wenn Admins angerostete Mailserver austauschen, müssen auch die Postfächer der Benutzer auf die neue Hardware gelangen. Auf Ebene des Filesystems spielen die Server häufig nicht mit, deshalb erweisen sich IMAP-Migrationstools als ideale Helfer.

607

Irgendwann muss jeder E-Mail-Administrator direkt an die IMAP-Daten ran. Der Server, den er einst so liebevoll und über Jahre hinweg konzipiert, installiert, konfiguriert, verflucht und gepatcht hat, gehört früher oder später doch zum alten Eisen.

Sollen die IMAP-Dienste auf eine neue Maschine umziehen, müssen natürlich auch die Postfächer mitwandern. Spätestens dann, wenn im Zuge solcher Umstellungen auch noch Änderungen an den Mails oder Ordnern stattfinden sollen, wird es Zeit, nach den passenden Werkzeugen Ausschau zu halten.

Problem: E-Mail-Storage

So schön der IMAP-Standard an sich auch ist, die dahinter verborgene Server-Landschaft gestaltet sich kunterbunt, gerade wenn es um die Organisation der Daten geht. Auf der Ebene der implementierten Logik geben halt Systemarchitektur, Prozessorganisation und Funktionen der Serversoftware die Form der Applikation vor.

Den Administrator interessiert das in der Regel wenig, denn diese Uneinheitlichkeit steht der Verwaltung des Servers selten im Wege und wird ja eben durchs IMAP-Protokoll für die Clients wieder aufgelöst. Problematisch wird es erst, wenn er direkt auf die gespeicherten Daten zugreift, zum Beispiel bei einer Migration. Aber auch bei Backups oder Road-Warrior-Setups für mobile Geräte - die IMAP-Synchronisation steht immer wieder auf der Liste.

Auf den einschlägigen Mailinglisten ist bei diesem Stichwort schnell die Rede von Rsync ([1] und [2]). Zu Recht, denn das Werkzeug ist nicht nur vielseitig und verlässlich, es erlaubt während des Datentransports auch die Nutzung von SSH und bringt damit ein hohes Maß an Sicherheit. Das alles hilft aber nichts, wenn die Datenorganisation nicht mitspielt. E-Mails zu synchronisieren heißt in der Regel eben nicht nur, die E-Mail-Daten, also die Nachrichten selbst von A nach B abzugleichen, sondern es bedeutet ebenfalls, die Meta-Informationen wie den Status jeder einzelnen Nachricht (neu, gelesen, beantwortet, gelöscht, ...) oder die umfangreichen ACLs zu erfassen und mitzuführen. Und genau an dieser Stelle beginnen sich Schmerzen in den Gesichtern vieler Administratoren abzuzeichnen.

IMAP-Datenabgleich mit Perl und Python

Von allen gebräuchlichen IMAP-Servern kodiert einzig der Courier-IMAP-Server den Status einer Nachricht im Dateinamen. Genau dies rechnen ihm Performance-orientierte Admins aber auch negativ an [3]. Andere, zum Beispiel Cyrus IMAP, Dovecot und Microsofts Exchange, führen eigene Indizes in Form von Datenbanken.

Das erhöht zwar die Performance, die Metadaten lassen sich in der Regel aber nicht auf File-Ebene kopieren, weil der Server sie im normalen Betrieb ja fast permanent benutzt. Den Mailserver für den nächsten Backup-Lauf mal schnell ausschalten, weil "die App dann die DB nicht mehr lockt", ist auch keine Vorgehensweise, mit der ein Admin beim nächsten Mitarbeiter-Beurteilungsgespräch punktet. Werkzeugen wie Rsync sind an dieser Stelle damit klare und nachvollziehbare Grenzen gesetzt.

Schmerzärmer und eleganter ist es - an allen Datei- und Server-spezifischen Süppchen vorbei - auf Protokollebene anzusetzen und IMAP selbst für die Synchronisation zu nutzen. Server und Client übergeben die Daten als Kopie und tauschen dazu auch die Zugriffsberechtigungen und Status-Flags aus.

Dementsprechend arbeiten die drei getesteten Tools Imapsync [4], Imapmigrate [5] und Offlineimap [6] im Wesentlichen als IMAP-Clients, wobei aber erhebliche Unterschiede im Funktionsumfang bestehen. Weil die Programme mit ganz unterschiedlichen Zielsetzungen antreten, sei das auch gestattet. Und unabhängig davon, was sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, bieten alle drei vollständige IMAP-Synchronisierung.

Imapsync und Imapmigrate basieren auf einer Perl-Library und nutzen das IMAP-Protokoll, um die Datenbestände ganzer Mailserver zu synchronisieren oder zu migrieren. Das Skript Offlineimap dagegen ist in Python implementiert und setzt sich zum Ziel, Programme ohne Offline-IMAP-Fähigkeiten mit eben solchen auszustatten. Unter den Offlineimap-Benutzern finden sich daher viele eingefleischte Mutt-User mit Laptops. Eher nebenbei bringt das Tool auch einige Funktionen mit, die Admins bei einer IMAP-Migration unterstützen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 5 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • In eigener Sache: Kostenloses Lesefutter aus dem Linux-Magazin

    Mit Erscheinen des Linux-Magazin 11/2008 sind die Artikel der Linux-Magazin-Ausgabe 01/2008 in den frei zugänglichen Bereich von Linux-Magazin Online gerückt.

  • Bitparade

    Bei IMAP liegen die Mails prinzipbedingt auf dem Server – anders könnten die Anwender ihre Post nicht von verschiedenen Standorten und Geräten aus lesen. Wer Angst vor einem Server-GAU hat oder oft offline arbeitet, braucht ein IMAP-Archivierungstool, das zu finden sich dieser Artikel zur Aufgabe macht.

  • Auf der Teststrecke

    Was leisten moderne IMAP-Server? Wo liegen ihre Grenzen, wo die Unterschiede? Welche Faktoren beeinflussen die Leistung? Das Linux-Magazin hat die vier besten in der Businessklasse getestet.

  • Mailvertreter

    Skalierbarkeit hat sich zu einer Kernfrage für Linux-Mailserver entwickelt. IMAP-Proxies wie Perdition, Imapproxy oder Cyrus Aggregator helfen die E-Mails auf mehrere IMAP-Backends zu verteilen, ohne dabei einen Cluster einrichten zu müssen.

  • SEP Sesam 4.2 sichert IMAP-Server im laufenden Betrieb

    Die SEP AG hat ihre Backupsoftware Sesam in Version 4.2 mit neuen Funktionen veröffentlicht.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.