Open Source im professionellen Einsatz

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Powertop

Strom abwärts

Power off! Große Displays und schnelle Prozessoren konterkarieren jeden Fortschritt in der Akkutechnologie. Um Notebooks zu längerem Mobilbetrieb zu zwingen, hilft der treffsichere Stromfresser-Jäger Powertop.

Inhalt

70 | IMAP-Migration

Tools, die IMAP-Mailboxen zwischen Servern automatisiert
umsetzen.

76 | Wege zu UTF-8

Wer alte und neue Distributionen mischt, kriegt Ärger mit der
Zeichenkodierung.

80 | LPI-Zertifizierung - Teil 18

In dieser Folge dreht sich alles um den Domain Name Service.

84 | Asterisk-Workshop, Teil 1

Grundlegendes Setup einer selbst gebauten Linux-Telefonanlage
für KMUs.

94 | Test: Collax Security Gateway

Ausgewogen und maßgeschneidert für KMUs, so das Urteil
der Tester.

Seit Kernel 2.6.21 respektive 2.6.23 bei 64-Bittern kommt Linux ohne festen 250-Hertz-Timer aus. Theoretisch verlängert "tickless" die Akkulaufzeiten von Notebooks, weil die CPU länger in Strom sparenden Modi verweilt. In der Praxis kommt es aber nicht nur auf den Kernel an, denn Treiber, Daemons und Applikationen spucken in die Sparsuppe.

Da eilt eine Grande Dame aus dem Silicon Valley zu Hilfe, deren Engagement für Open Source sowieso Lob verdient: Intel beglückt Linuxer nämlich nicht nur mit offenen Grafiktreibern, sondern auch mit Tools wie Powertop ([1], [2]). Aus dem Stand funktioniert es nur mit brandaktuellen Distributionen, andere Benutzer müssen einen neuen Kernel extra konfigurieren und übersetzen.

Die Ausgabe von Powertop in Abbildung 1 zeigt links oben die C-Status an. Je höher die Modusnummer, desto geringer der Konsum. Gleich daneben residieren die P-Status: Bei CPUs, die ihre Taktung dynamisch mit der Last verändern, verrät der Wert die Abstufungen. Aus der wichtigen Zeile darunter lese ich, wie oft das System pro Sekunde die CPU aus ihrem Schlummer (günstiger C-Status) herausreißt. Intel behauptet, es sei mit moderatem Aufwand möglich, die Zahl unter 20 zu drücken.

Abbildung 1: Powertop überwacht den Stromverbrauch von Kernel und Applikationen, versucht sich aber auch als grüner Tippgeber.

Abbildung 1: Powertop überwacht den Stromverbrauch von Kernel und Applikationen, versucht sich aber auch als grüner Tippgeber.

Eine Zeile tiefer spielt Powertop Wattmeter und schätzt zudem, wie lange der Akku durchhält. Danach stellt es in einer Rangliste die Module und Prozesse an den Pranger, die mit ihrer übermäßigen Aktivität auffallen. Als besonderen Clou gibt Powertop am Ende Praxistipps, an welcher Stellschraube das Drehen besonders lohnt. In der Regel ragen die wirksamsten Schräubchen aus dem Kernel. So empfiehlt Powertop »CONFIG_USB_SUSPEND« zu aktivieren, einen USB-Sparmodus, der etwa 1 Watt Energie einspart. Eine erkleckliche Zahl weiterer Tipps und Hinweise gibt es unter [3].

An den Pranger!

X.org führt auf vielen System die Stromverschwender-Liste an, ist aber meist unschuldig - in Wahrheit treiben Applikationen wie Firefox oder Gaim den X-Server zur hitzigen Arbeit. Also setze ich hier den Hebel an und kompiliere die Anwendungen selbst. Zuvor patche ich sie so, dass sie die CPU seltener aufwecken. Unter [4] liegen funktionierende Modifikationen für Firefox, Gaim, Evolution und andere Umweltschweine.

Trotz konsequenter Befolgung der Tipps und Patches schwingt sich die Akkulaufzeit nach meinen Erfahrungen nicht in schwindelnde Höhen. Gegen ein hell leuchtendes 17-Zoll-Display helfen keine Software-Flicken. Andererseits kann die um vielleicht eine Stunde verlängerte Laufzeit den Unterschied ausmachen zwischen "Ein bisschen auf dem Bahnsteig rumsitzen macht mir nix" und "Ich hau\' dem streikenden Lokführer mein leeres Notebook auf die Mütze". (jk)

Infos

[1] Powertop: [http://www.lesswatts.org/projects/powertop/]

[2] Kristian Kißling, "Staying Alive": LinuxUser 08/07, S. 76.

[3] Tipps und Hinweise: [http://www.lesswatts.org/tips/]

[4] Stromspar-Patches: [http://www.lesswatts.org/projects/powertop/known.php]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook