Open Source im professionellen Einsatz

SaaS und Webapplikationen

Sofortware

Nur anmelden und los geht's! Was auf lokalen PCs als große Ausnahme gilt, ist bei Webdiensten die Regel. Gerade selten benötigte Software macht auf einem Webserver die bessere Figur. Kommen die Programmierer beim Auslagern unter die Räder? Ganz im Gegenteil.

Inhalt

34 | Software as a Service

Chancen und Risiken bei Administration, Integration und
Einsatz.

40 | PHP-Framework Prado

Moderne Webentwicklung kann nur mit modernen Frameworks
funktionieren.

46 | Open Suse Buildservice

Nürnberger Service backt für jedermann Linux-Pakete jeder
Art.

52 | Wie SaaS die GPL aushebelt

Bei SaaS besitzt der Anwender keinen Binärcode - und
auch keine Quellen.

Andrei Tarkowskis Film "Stalker" anschauen müsste für Open-Source-Entwickler als Initiationsritual vorgeschrieben sein. Dort gibt es die "Zone", ein evakuiertes, postapokalyptisches Gebiet, in dem sich die Dinge der normalen Erkenntnissuche entziehen. Ähnlich unwirklich sollte Programmierern die Welt außerhalb ihres Arbeitsraums vorkommen, denn was mit ihrem Code draußen passiert, ahnen sie nicht.

Die Rede ist vom Plattformen-Zoo: Die User haben hunderte Distributionen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Patch-Stände am Laufen, jeder natürlich mit einer anderen Paketausstattung. Wer kann da nur ahnen, geschweige denn garantieren, ob dort die eigene Software das gewünschte Verhalten an den Tag legt. Es hilft auch nicht, den Quellcode zu verteilen, denn auch der muss sich beim Linken mit Bibliotheken und APIs unklarer Herkunft auseinandersetzen. Als Resultat schlägt sich der Programmierer - statt neue Features zu implementieren - mit Userreports herum, die er mangels Zielplattform nicht selbst nachvollziehen kann.

Dieses Linux-Magazin möchte dazu anregen, als eine Lösung Webapplikationen und die so genannte "Software as a Service" in Betracht zu ziehen. Technisch sind sie Verwandte, nur die Mandantenfähigkeit macht den Unterschied. Gegenüber lokalen Rechnern sind Webserver das genügsamere Biotop zur Aufzucht von Anwendungen. Was hier anzutreffen ist (LAMP, Skriptsprachen, Java und so weiter), überrascht weit weniger als die inhomogene Gemeinschaft der Desktoprechner.

Programmierer, die ihre Brötchen mit Software verdienen, stehen sich mit SaaS-Mietmodellen oft besser: Entweder betreiben sie selbst einen Webserver und verleihen ihre Applikationen. Oder sie einigen sich mit einem markt- und marketingmächtigen Anbieter, beispielsweise einem Webhoster, und integrieren den eigenen Code in dessen Plattform.

Vorteile beiderseits

Auch der Benutzer profitiert von SaaS-Lösungen: Er braucht selber keine extra Serverinfrastruktur vorhalten, die er administrieren, updaten und (hoch-)verfügbar halten müsste. Und er kommt automatisch in den Genuss von Funktionsupgrades seines Anbieters. Das Ganze lohnt sich umso mehr, je seltener er die Software benutzt.

Beispiel [http://docs.google.com]: Klar, wer jeden Tag Office-Dokumente verfasst, braucht "Google Text & Tabellen" nicht. Wer aber nur drei Briefe im Monat schreibt, müsste ins Grübeln kommen, ob er sich ein lokales Office antut - allein wenn man die Größe und Frequenz der Updates von Open Office gegenrechnet. Die bei der Webapplikation über die Leitung laufende Datenmenge nimmt sich dagegen gering aus. Nebenbei verhilft SaaS dem eigenen Büro zu Mobilität. Für kleinere Firmen wäre die Gehaltsabrechnung einmal pro Monat sachlich ähnlich.

Daher wundert es, dass die Marktdurchdringung von SaaS noch am Anfang steht. Der folgende Artikel analysiert die Gründe. Der sich anschließende Beitrag beschreibt ein mächtiges Webframework, das - noch nicht ganz ausgereift - sich als Unterlage für ernst zu nehmende Applikationen eignet.

Eine echte SaaS-Erfolgsstory liefert Suses Buildservice. Jeder Entwickler, der dem Dienst seinen Quellcode übergibt, bekommt fertig geschnürte Binärpakte zurück. Und das nicht nur für Novells, sondern auch für andere Linuxe. Der Schwerpunkt schließt heikel: Wer es darauf anlegt, vermag mit seinen SaaS-Angeboten die GPL formal auszuhebeln, nachzulesen in der Recht-Kolumne ab Seite 52. PS: Wer mag, kann auch den Handy-Syncen-Artikel weiter hinten im Heft als "Sofortware" ansehen, denn die Intelligenz der dort getesteten Software lokalisiert sich im Web.

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Ausgabe 07/2013

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