Open Source im professionellen Einsatz

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Installierbar von CD: Ubuntu 7.10 Server Edition

Ein Affenzirkus

,

Ubuntu hat einen schlanken Ableger für den Produktiveinsatz auf Servern. Der verwirrt nicht mit grafischem Schnickschnack, sondern erinnert sich der Unix-Tugenden Purismus und Transparenz. Vor Kurzem hat eine neue Version das Licht der Welt erblickt - die beiliegende CD enthält sie.

Gutsy Gibbon lautet der Arbeitsname von Ubuntu 7.10: Mutiger Gibbon. Wie bei den früher nach halbjähriger Tragzeit geborenen Canonical-Viechern kamen auch diesmal gleich Zwillinge zur Welt: Die Desktop und die Server Edition. Während die Gemeinschaft der Linux-Zoobesucher die erste stets mit großer Anteilnahme empfängt, steht der Server-Spross im Schatten seines bunten Bruders. Zu Unrecht!

Denn die Distribution besinnt sich der Tugenden der unschuldigen Anfangstage, als man die wenigen laufenden Daemons noch mit Namen kannte und der Admin die Konfigurationsdateien mit einem Editor pflegte und dies nicht schwergewichtigen grafischen Frontends überlies, deren Wirken unvorhersehbar ist.

Was bin ich?

Die Distribution richtet sich in erster Linie an Anwender, die eine solide und schnörkellose Basis für diverse Serverdienste erwarten. Die Grundinstallation befördert nur die wichtigsten Programme auf die Festplatte und benötigt wenig Plattenplatz.

Tabelle 1:
Hauptapplikationen der CD

 

Paket

Version

Apache

2.2.4

Apt

0.7.6

Bind

9.4.1

DHCP

3.0.5

GCC

3.3.6, 4.1.4, 4.2.1

Gun PG

1.4.6

IPtraf

3.0.0

IPtables

1.3.6

Kernel

2.6.22

MySQL

5.0.45

Nessus

2.2.9

NFS

1.1.1

Nmap

4.20

OpenSSH

4.6p1

Paket

Version

OpenLDAP

2.1.30, 2.3.35

OpenSSL

0.9.8e

Postfix

2.4.5

PostgreSQL

8.2.5

RH Cluster Suite 2

20070823

Reiser

4

Samba

3.0.25a

Shorewall

3.4.4

Squid

2.6.14

Vsftp

2.0.5

Wireless Tools

29pre20

Zope 3

3.3.1

Ähnlich sparsam zeigt sich Ubuntu Server im Umgang mit Hauptspeicher: 256 MByte empfiehlt der Distributor als Minimum, theoretisch ginge es aber auch mit 64 MByte. Ubuntu läuft auf jedem Standard-x86-Rechner (die Version der Heft-CD). Alternativ gibt es eine 64-Bit-AMD/Intel-Variante zum Download und eine für Ultra-Sparc T1 mit PowerPC [1].

Nach dem Start von CD erscheint zunächst ein Startmenü (Abbildung 1). Anders als bei früheren Versionen erfolgt hier noch keine Vorauswahl des Umfangs. Nach dem Booten beginnt die Basisinstallation auf Platte (siehe Kasten "Tipps und Tricks zur Installation"). Unter Security-Gesichtspunkten erfreulich ist, dass danach keine Dienste von außen erreichbar sind. Das kann sich freilich ändern, wenn die Auswahl des späteren Einsatzes erfolgt ist.

Abbildung 1: Alles neu beim mutigen Affen. Denn der Menüpunkt zum Installieren eines LAMP-Servers ist vom Bootprompt verschwunden.

Abbildung 1: Alles neu beim mutigen Affen. Denn der Menüpunkt zum Installieren eines LAMP-Servers ist vom Bootprompt verschwunden.

Tipps und Tricks zur
Installation

Server-Auswahl: Anders als bei der letzten Linux-Magazin-Ubuntu-CD wählt der Admin nicht im Bootscreen (siehe Abbildung 1), ob er den Standardserver oder den Rechner für Webauftritte installieren will. Stattdessen installieren erst einmal alle Anwender den gleichen Basis-Server. Danach erscheint eine Paketgruppen-Auswahl (siehe Abbildung 3), wie man sie so ähnlich von anderen Distributionen auch kennt (aber keine Einzelpaket-Auswahl).

Hier taucht auch wieder der von früheren Versionen bekannte »LAMP server« auf, der Apache, MySQL, FTP-Server und PHP in einem Rutsch installiert und sofort in gebrauchsfertigen Zustand setzt. Außerdem hat der Installateur die Möglichkeit, »DNS server«, »Mail server«, »OpenSSH server«, »PostgreSQL database«, »Print server« und Samba File server« entsprechend des Einsatzzwecks vorzuwählen.

Installation im Expertenmodus: Ein doppelter Druck auf [F6] am Bootscreen öffnet einen Auswahldialog zwischen »normal« und »experten«. Die Installation im Expertenmodus erlaubt die detaillierte Auswahl von Treibern, Zeichensätzen und systemwichtigen Interna.

Manuelle Netzwerkkonfiguration: Bei der Installation bezieht der Server seine Netzwerkinformationen von einem DHCP-Server im Netz. Ist dieser nicht vorhanden oder möchte der Admin die Netzwerkeinstellungen manuell vornehmen, erscheint nach dem manuellen Abbruch der Suche das Netzwerk-Konfigurationsfenster.

Partitionierung: Das Dialogfenster »Partitionierung« lässt die Wahl zwischen einer automatischen Partitionierung, welche die ganze Festplatte in Anspruch nimmt, und »Partitionstabelle von Hand eingeben«. Diese Methode erlaubt es, die Platte manuell zu teilen und Zielpartition auszuwählen (Abbildung 2). Das folgende Fenster zeigt in der unteren Hälfte die erkannten Partitionen und Festplatten.

Dass die Entwickler den Server auch auf hochperformanten Maschinen sehen, zeigt sich bereits bei der Installation. Ein optionaler Mehrprozessor-Kernel unterstützt Systeme mit acht und mehr CPUs. Das Partitionierungsmodul des Installers bietet neben dem Anlegen eines Softraid-Array auch die Möglichkeit, LVM-Volumes zu erstellen.

Wer über das Minimum an Paketen hinaus noch Pakete braucht, installiert sie via »apg-get install« von Hand nach. Mit der Kommandozeile wenig Erfahrene könnten sich mit nachinstallierten grafischen Konfigurationsoberflächen wie Webmin oder Confixx behelfen - freilich remote, denn ein X11-Server ist in guter Unix-Server-Manier nicht vorgesehen.

Abbildung 2: Das Partitionierungsprogramm des Ubuntu-Servers erlaubt sowohl das Erzeugen von Softraids als auch von LVM-Volumes.

Abbildung 2: Das Partitionierungsprogramm des Ubuntu-Servers erlaubt sowohl das Erzeugen von Softraids als auch von LVM-Volumes.

Abbildung 3: Nach der Installation legt der Administrator den Einsatzzweck des Servers fest. Das entspricht der Paketgruppen-Auswahl bei anderen Linuxen.

Abbildung 3: Nach der Installation legt der Administrator den Einsatzzweck des Servers fest. Das entspricht der Paketgruppen-Auswahl bei anderen Linuxen.

Keine alten Kamellen

Anders als Debian und die Enterprise-Varianten von Suse und Red Hat setzt die Distribution eher auf aktuelle (Tabelle 1) als auf bewährte Paketen. Das erhöht zwar den Funktionsumfang und die Kompatibilität, geht eventuell aber zu Lasten der Sicherheit und Stabilität. Neu in Version 7.10 ist etwa die Software vom Linux Terminal Server Project, und zwar in der neuesten Version LTSP-5, die einfach zu installieren und zu warten ist.

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