Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2007

Das Linux-basierte ASV Roboat gewinnt die Microtransat 2007

Siegreicher Tux, ahoi!

Bei der Microtransat starten autonome, unbemannte Mini-Segelboote, die bei Wind und Wetter selbstständig Kurs halten müssen. In der rauen See vor der Küste von Wales fand die letzte Generalprobe vor der im nächsten Jahr anstehenden Atlantiküberquerung statt.

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Windstärken zwischen fünf und sechs und hohe Wellen empfingen die Teilnehmer vor der Küste von Aberystwyth in Wales (Abbildung 2) zur ersten Prüfung, einer kurzen Regatta. Die schwierigste Aufgabe der Microtransat 2007 aber war die 24-Stunden-Wettfahrt nach vorgegebenem Kurs auf offener See.

Abbildung 1: Da geht's hin! Bei der Microtransat galt es, in einem 24-Stunden-Rennen ein Ziel anzusteuern.

Prüfung bestanden

Das mit einem Linux-System ausgestattete ASV Roboat der Österreichischen Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften (Innoc) hat im Jahr 2007 bei der Microtransat [1] den Sieg errungen. Schon 2006 belegte die Innoc beim Wettbewerb Platz eins, damals noch mit einem kleineren Boot. Sukzessive hat sich bei der Microtransat (Abbildung 1) die Schwierigkeit gesteigert. Im nächsten Jahr schickt der Wettbewerb die Boote allein über den Atlantik. Das Innoc-Team hat sich darauf vorbereitet.

Das Roboat [2], das sie 2007 ins Rennen schickten, entspricht der Bootsklasse Laerling, ist 3,75 Meter lang und 1,35 breit, hat einen Tiefgang von 0,55 Metern, 140 Kilogramm Verdrängung und kann bis zu 3 Quadratmeter Segelfläche aufziehen (Abbildung 3). 60 Kilo Bleiballast sorgen für Stabilität und richten das Boot wieder auf, sollte es kentern. 400 Liter Schaumauftrieb machen es unsinkbar. Eine automatische Lenzpumpe hilft zusätzlich den Kahn wieder flott zu machen. Die beim kleineren Vorjahresboot verwendeten Algorithmen zur Steuerung erwiesen sich als problemlos skalierbar.

Abbildung 2: Das Roboat auf Kurs vor der walisischen Küste.

Abbildung 3: Stapellauf nach der Ankunft im Hafen von Aberystwyth.

Tag und Nacht auf See

Mit am Start waren die University of Wales in Aberystwyth [3], die französische Ecole Nationale Supérieure d\'Ingénieurs de Constructions Aéronautiques aus Toulouse [2] und die Queens University, Ontario [4]. "Die Konkurrenz war um einiges stärker als bei der Microtransat 2006 in Frankreich", sagte Roland Stelzer, Präsident der Innoc und Projektleiter Roboat. Aber technische Probleme gab es auch 2007: Das Iboat-Team der Ingenieursschule Ensica aus Frankreich hatte mit dem GPS-Signal Schwierigkeiten, die Universität Wales musste nach 18 Stunden Fahrt aufgeben, die Kanadier waren mit dem Vorjahresboot angereist, das sich als zu klein erwies und zudem Stromversorgungsprobleme hatte.

Das einzige Boot, das die 24 Stunden schaffte, war das aus Österreich. Ein Eingreifen des Teams, das den Kurs von Land (Abbildung 4) und anfangs von einem Segelboot aus beobachtete, war nicht nötig. Dem Roboat kam nur der irgendwann abflauende Wind in die Quere. Es sei schwierig gewesen, gegen die Gezeitenströmung anzusteuern, erzählt Teammitglied Karim Jafarmadar.

Abbildung 4: Segelcrew an Land: Das Roboat-Team kontrolliert die Fahrt des Mini-Seglers am Laptop und mit dem Feldstecher.

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