Ein Klassiker unter den integrierten Windows-Lösungen ist die Classic Line (CL, [1]) der Firma Sage, neben der Office Line das zweite Flaggschiff des Software-Anbieters. Sie verdient ihre Beliebtheit durch den großen Funktionsumfang bei zugleich konsistenter Bedienung der einzelnen Bestandteile wie Finanzbuchhaltung, Lagerwirtschaft, Lohnbuchhaltung und anderen.
Nun wagt Sage einen ersten Schritt ins Linux-Land: In Zusammenarbeit mit der Firma Collax entstand eine Version von Collax Business Server, in der die ERP-Software (Enterprise Resource Planning) in der Classic Line 2008 genannten Version integriert ist.
Auf Collax' Schultern
Die in München und Boston (USA) ansässige Firma Collax stellt neben Appliances auch reine Softwarelösungen her. Kernprodukt ist der Collax Business Server (CBS, [2]), der eine schlanke Linux-Installation mit einer Weboberfläche für den Verwalter vereint. Gebräuchliche Dienste wie File und Drucken, Mail, Web, FTP, Namensdienst und Datenbank sind unkompliziert zu konfigurieren und auf Knopfdruck ein- und auszuschalten.
Firewall, Viren- und Spamfilter, Intrusion Detection und Intrusion Protection, PAM, Verschlüsselung, sichere Tunnel und Unified Threat Management (UTM) stehen für alle installierten Dienste bereit, lassen sich aber auch für "collaxifizierte" Anwendungssoftware nutzen.
Die Grundlage dafür liefern offene Schnittstellen und seit Kurzem ein eigenes SDK, womit auch Interessenten mit wenig Linux-Hinterland ihre Software in den CBS integrieren oder neue CBS-fähige Software entwickeln. So sind bereits Anwendungspakete für E-Learning, CMS und E-Commerce entstanden. Eine ERP-Lösung fehlte bisher, was sich mit Sage Classic Line 2008 ändert.
Der extra dafür entwickelte Datenbank-Daemon verwaltet das hauseigene Datenbankformat auf dem CBS. Die Collax-Entwickler kümmerten sich um die Integration, zwei Skripte übernehmen das Ganze. Eines installiert die Server-Binarys, bindet sie in den Init-Prozess des Systems ein und legt Benutzer- und Gruppenaccounts an. Das andere setzt die Rechte auf gemeinsam genutzte Dateien und Verzeichnisse. Ein zentrales Share, auf dem neben der Dokumentation die CL-Datenbank und die gesamte für Clientzugriffe benötigte Software liegen, übernimmt die Verwaltung. Diese Software gelangt bei Client-Installationen auf die jeweilige Arbeitsstation.
Installation im Doppelpack
Die Linux-Version von der Classic Line 2008 biete Sage auf zweierlei Weise an: In der ersten Variante erhält der Anwender eine Installations-CD mit einem kompletten Collax Business Server, in dem die Sage-Software fest integriert ist. Für Firmen, in denen bereits ein Collax-Server läuft, greift die zweite Variante. Sie installiert die Dateien der Sage-Software als CBS-Zusatzpaket und arbeitet die nötigen Skripte zur Integration ab. Das Linux-Magazin hat sich zum Test an die Komplettversion gehalten.
Sie erfordert eine dedizierte Festplatte, was bei einem Server eher selbstverständlich ist. Die angegebene minimale Plattengröße, 7 GByte, sollte man nicht unterschreiten, sonst verweigert die Installationsroutine die Arbeit. Unmittelbar nach der Installation ist der größte Teil des Platzes auf der Platte zwar frei, aber Sage denkt vermutlich vorausschauend an den Bedarf der Kundendaten.
Der Hersteller empfiehlt einen Prozessor ab 2 GHz Takt und mindestens 512 MByte RAM. Testhalber genügen auch ein langsamerer Prozessor und etwas weniger RAM; für Produktionszwecke sind die Werte jedoch eher höher anzusetzen. Nach dem Booten von der Installations-CD beantwortet der Administrator die üblichen Fragen nach der Festplatte, auf der sich die Software installiert, nach IP-Daten für das Netzwerkinterface, Hostnamen und Zeitzone.
Dann nimmt die Installation ihren Lauf. Das Administrationshandbuch von Collax auf der CD widmet dem Vorgang gerade eine halbe Seite, und mehr ist auch nicht erforderlich. Die Konsole 3 zeigt das Auspacken der Archive, Konsole 4 und nach dem Auspacken auch Konsole 5 liefern die Möglichkeit, sich während der Installation als Root einzuloggen. Derweilen blendet Konsole 1 Hinweise zur späteren Benutzung des Systems und zu seiner Leistungsfähigkeit ein.