Open Source im professionellen Einsatz

Fachkonferenz "Sustainable-IT" 2007 in Berlin

Nachhaltige Debatte

Die Konferenz hat sich in ihrer ersten Ausgabe in Berlin mit Problemen einer umweltverträglichen IT und der dauerhaften Datenspeicherung mit offenen Standards befasst und nebenbei die Frage beantwortet, wie viel Kohlendioxid eine Suchanfrage bei Google ausstößt.

Abbildung 1: Die Kalkscheune im Bezirk Berlin-Mitte, sonst Treffpunkt für Nachtschwärmer, beherbergte zwei Tage lang die Nachhaltigkeitskonferenz.

Abbildung 1: Die Kalkscheune im Bezirk Berlin-Mitte, sonst Treffpunkt für Nachtschwärmer, beherbergte zwei Tage lang die Nachhaltigkeitskonferenz.

Der Begriff Nachhaltigkeit taucht bereits 1713 bei Hans Carl von Carlowitz in seiner Schrift "Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht" auf und definiert als nachhaltig, nur so viel Holz zu schlagen, wie nachwachsen kann. Inzwischen hat die Nachhaltigkeitsdebatte auch die Politik und nicht zuletzt die Informationstechnologie erreicht. Bei der "Sustainable-IT" Mitte Oktober konferierten IT-Experten über Umweltschutz, gerechte Ressourcenverteilung und innovative Geschäftsmodelle für die IT-Landschaft.

Stromfresser WWW

Wie gravierend sich die Entwicklung des World Wide Web auf den weltweiten CO2-Ausstoß auswirkt, veranschaulichte Rolf Kersten von Sun Microsystems [1] anhand von Zahlen in seinem Beitrag zur CO2-Bilanz des Internets: Der weltweite Strombedarf von Servern habe im Jahr 2005 bei 180 Terawattstunden gelegen, was der Leistung von 18 Atomkraftwerken entspreche. Seither habe sich die Serverzahl fast verdoppelt. Um nicht auch eine Verdoppelung der verbrauchten Energie zu erreichen, sei eine effiziente Nutzung der Serversysteme das Gebot der Stunde. Nur wenige Geräte seien annähernd an ihren Leistungsgrenzen.

Als positives Beispiel nennt Kersten den Suchmaschinenbetreiber Google. Der erreiche durch intelligent verknüpfte Linux-Cluster und den Einsatz ressourcenschonender Hardware eine Auslastung seiner Serversysteme von 93 Prozent. Eine Google-Suchanfrage erzeuge rund 3 Gramm CO2, sagte Kersten. Dies entspreche einem Verbrauch von etwa 4 Watt.

Ein Negativbeispiel sei das Onlinespiel "Second Life". Ein Avatar verbrauche dort etwa 195 Kilowattstunden pro Jahr, was einem CO2-Ausstoß von 120 Kilogramm entspreche. Die künstlichen Figuren produzieren damit ein Viertel der Menge an CO2, die ein leibhaftiger Mensch im gleichen Zeitraum ausatmet. Eine bessere Auslastung der Server mit Hilfe von Virtualisierung, Strom sparende Hardware und den Einsatz effizienterer Software sieht Kersten als Lösungsansatz.

Was bleibt übrig?

Martin Richartz, Technology Manager bei Vodafone, näherte sich dem Thema Nachhaltigkeit aus Sicht der Datenspeicherung und des digitalen Transfers von Wissen an kommende Generationen. Sein Ausblick ist düster. Richartz beschreibt die heutige Situation als digitales Mittelalter. Proprietäre Lösungen, überzogener Schutz geistigen Eigentums, fehlende Standards und unzureichende Speicherlösungen gefährden seiner Ansicht nach die Überlieferung von Wissen.

"Wer garantiert, dass wir in gerade einmal fünf bis zehn Jahren noch die eigenen Daten öffnen können?", fragte er in die Runde und gab die Antwort gleich selbst: niemand. Ohne den Einsatz offener Dokumentenstandards und dauerhafter Speicherlösungen gehe das Wissen der letzten Jahrzehnte unwiederbringlich verloren, orakelte Richartz. Als einzige praktikable Lösung des Problems nannte er die Definition und Nutzung offener Standards und Schnittstellen.

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