Open Source im professionellen Einsatz

Linux-Desktop geht gestärkt in die nächste Runde

KDE 4.0

Wer den Meistergürtel behalten will, muss fit bleiben. Die Schlagkraft von KDE 3 jedoch lässt in letzter Zeit zu wünschen übrig. Ein Grund: Der Sparringspartner QT ist zu schnell für den Schwergewichtler - der technische K.o. droht. Für Dezember kündigt KDE sein Comeback 4.0 im Fightclub an. Wir berichten.

Inhalt

36 | DE 4.0

Im Dezember soll der Desktop kommen - mit cooler Optik und
neuen Tools.

40 | Frameworks

Ein ebenso bunter wie umfänglicher Reigen neuer
Technologien.

44 | Groupware-API

Das auf KDE 4 abgestimmte Akonadi will den PIM-Wildwuchs
beschneiden.

50 | Drinnen waltet QT 4

KDE profitiert von der Symbiose mit Trolltechs neuem Framework.

Die Desktop-Umgebung KDE und das Toolkit QT leben seit User-Gedenken symbiotisch. Als aber vor gut zwei Jahren QT seine Version 4 vorlegte, offenbarte sich das unterschiedliche Entwicklungstempo beider Projekte. Die vielen Design-Teams des KDE-Projekts mussten feststellen, dass ihre Software einfach anpassen keine ernsthafte Option war, und zogen sich zunächst einmal in Klausur zurück. Über ein Jahr dauerte die Designphase, seither arbeiten sie mit Hochdruck an KDE 4. "Für Entwickler ist dieser Prozess eine undankbare Aufgabe", verriet Aaron J. Seigo, Präsident des KDE e.V., dem Linux-Magazin am Rande der QT-Entwicklertage [1], "denn es fehlt das Feedback der Benutzer."

Viele Subsysteme haben die Programmierer komplett erneuert, vieles von Grund auf überarbeitet. Der selbst gewählte Anspruch an den Desktop ist entsprechend hoch: "Wir wollen, dass ein Benutzer, der vor drei Computern mit Vista, OS X und KDE 4 steht, danach nur noch mit KDE arbeiten möchte", postuliert Seigo und führt eine lange Reihe an Neuheiten auf: Oxygen katapultiert den Desktop um einige Jahre nach vorn, Solid soll sich sorgsam um die angeschlossene Hardware kümmern, Phonon eine einheitliche Schnittstelle für Multimedia bilden.

KDE 4 integriert Arbeitsabläufe in den Desktop, die früher extra Applikationen erforderten. Der Name Decibel fasst die Themen Messaging und Presence zusammen: Vom Instant Messanger bis zu VoIP sollen die Kommunikationsformen zusammenwachsen und Adressbücher gemeinsam verwalten. Musste früher der Benutzer eine Suche auf dem Computer gesondert anstoßen, soll nun die Technik des semantischen Desktops automatisiert sinnvolle Vorschläge unterbreiten, wo sich die Suchergebnisse in Mails, Dateien oder Präsentationen verstecken. Die Teilprojekte Strigi und Nepomuk sorgen dafür.

Klein, aber mein

Die Idee von Mini-Anwendungen auf dem Desktop ist nicht neu. Mit Plasma etabliert KDE 4.0 aber eine Umgebung, in der auch ein Benutzer solche Plasmoids genannten Helferapplikationen selbst schreiben kann, der sich gemeinhin nicht als QT- und C++-Entwickler bezeichnen möchte. Denn Plasmoids dürfen auch in Javascript, Ruby oder Python verfasst sein.

Von einigen Neuerungen werden die Benutzer in der für Dezember angekündigten Version 4.0 in der ersten Look&Feel-Euphorie nichts bemerken - teils auch, weil es noch keine passende Applikation im Produktivstadium gibt. Das Speichersystem Akonadi für Mails und Kontakte etwa ist für Otto Normal-Linuxer unsichtbar und wird seine Stärken erst ausspielen, wenn KMail oder KAddressbook sie tatsächlich nutzen - wohl nicht vor Version 4.1.

So profitieren vielleicht die Entwickler von KDE 4.0 noch mehr als die User: KDEs Infrastruktur präsentiert sich aufgeräumt, mit D-Bus steht für Anwendungen ein Desktop-übergreifender Nachrichten-Mechanismus bereit. Grafische Elemente und Icons liegen im Dateisystem als skalierbare Vektorformate wie SVG. Die Techbase ist ein Anlaufpunkt für Entwickler, wenn es um Architekturdokumente, API-Spezifikationen oder Programmier-Tutorien geht.

Die Basis für das neue KDE scheint solide. Es ist anzunehmen und zu hoffen, dass die vielen Teilprojekte zügig mit in den Ring steigen. (jk)

Infos

[1] Trolltech Developer Days: [http://trolltech.de/company/newsroom/events/allevents/devdays2007/agenda]

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