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Neues bei Debian

Debianopolis

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Debians Paketmanager Dpkg erfährt dieser Tage ein wichtiges Update, das die Entwicklung der Distribution insgesamt verbessern soll. Einer der Dpkg-Kernentwickler, Raphael Hertzog, nahm in einer E-Mail Stellung zu den geplanten Neuerungen [1]. Es geht um die vom Dpkg automatisch generierten Abhängigkeiten in den Shlibs-Einträgen. Shlibs steht für Shared Libs, also gemeinsame Bibliotheken. Die Abhängigkeiten ermittelt Dpkg, nachdem er ein Paket automatisch erstellt hat, und trägt sie dann in die Kontrolldatei des Debian-Pakets ein.

Der alte Mechanismus krankt an einigen Stellen. Um die Abhängigkeiten zu bestimmen, verlässt sich Dpkg lediglich auf die Angaben aus den verlinkten Bibliotheken. Wenn nun eine neue Version einer Bibliothek veröffentlicht wird und danach ein Paket, das diese Bibliothek benutzt, trägt der alte Dpkg-Shlibs-Mechanismus automatisch die neue Version jener Bibliothek in das Abhängigkeitsfeld ein. Aber die neue Version des Programms verwendet die hinzugekommenen Funktionen der Bibliothek vielleicht gar nicht - die Abhängigkeit von der alten Version würde ausreichen.

Schneller entwickeln

Der neue Dpkg schaut selbst nach, welche Bibliotheken eines Programms er braucht, und erstellt anhand dieser Information die Shlibs-Einträge. Das soll vermeiden, dass Pakete unnötig von neuen Bibliotheksversionen abhängen. Damit wird der Übergang von Paketen aus dem Unstable- in den Testing-Zweig fließender, weil so manches Paket nicht mehr auf die gleichzeitige Freigabe neuer Bibliotheken angewiesen ist. Das beschleunigt die Entwicklung, denn zurzeit blockieren fehlende, weil noch fehlerhafte Bibliotheksversionen etliche Pakete. Die neuen Dpkg-Pakete sind mittlerweile in der Experimental-Suite von Debian gelandet und werden bald nach Unstable wandern.

Abbildung 1: Bis 7. Oktober waren die Entwickler dazu aufgerufen, über die Änderung des DPL-Wahlprozedere in Artikel 5.2 abzustimmen. Seit 1998 hat das Debian-Projekt eine eigene Verfassung.

Abbildung 1: Bis 7. Oktober waren die Entwickler dazu aufgerufen, über die Änderung des DPL-Wahlprozedere in Artikel 5.2 abzustimmen. Seit 1998 hat das Debian-Projekt eine eigene Verfassung.

Schneller wählen

Die Wahl eines neuen Projektleiters bei Debian ist jährlich eine Mammutaktion, insgesamt neun Wochen zieht sich der Prozess hin. Erst nominieren sich die Projektleiter-Anwärter offiziell. Dann betreiben sie drei Wochen lang Wahlwerbung für ihre Positionen. Schließlich beginnt die vierwöchige Wahlzeit, in der die Debian-Entwickler ihren künftigen Projektleiter bestimmen.

Zu lange, findet Anthony Towns und schlug im Juli [2] vor, jene Teile der Debian-Verfassung entsprechend abzuändern: Statt drei Wochen sollen die Kandidaten nur eine Woche Zeit haben, sich zu nominieren. In Sachen Wahlwerbung dürften sich die Entwickler weiterhin drei Wochen lang austoben. Die folgende Wahlzeit würde um die Hälfte auf zwei Wochen gekürzt. Der gesamte Prozess ließe sich also auf sechs Wochen reduzieren und sollte auch erst sechs Wochen vor Ende der offiziellen DPL-Wahlperiode anfangen.

Das Projektsekretariat rief zur Abstimmung auf, ob die Debian-Entwickler Artikel 5.2 der Debian-Verfassung entsprechend ändern wollen. Towns Vorschlag fand innerhalb kurzer Zeit die Zustimmung von mehr als 20 Entwicklern. MJ Ray schlug noch einen "Plan B" [3] vor: Man solle für den Beginn der Wahl bei neun Wochen vor Ende des DPL-Terms bleiben. Die dreiwöchige Pufferzeit sei nützlich für die Koordination der Übernahme. MJ Rays Vorschlag konnte jedoch nicht so viele Befürworter sammeln.

Die Abstimmung endete am 7. Oktober 2007, das Ergebnis war bei Redaktionsschluss noch nicht ausgezählt. Die verkürzte Wahl kommt vermutlich nächstes Jahr das erste Mal zum Einsatz. (ake)

Infos

[1] Mail von Raphael Hertzog:[http://lists.debian.org/debian-devel-announce/2007/09/msg00004.html]

[2] Vorschlag von Anthony Towns: [http://lists.debian.org/debian-vote/2007/07/msg00178.html]

[3] Vorschlag von MJ Ray:[http://lists.debian.org/debian-vote/2007/07/msg00178.html]

Der Autor

Martin Loschwitz ist Debian-GNU/Linux-Entwickler und studiert zurzeit in Wien.

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