Open Source im professionellen Einsatz

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Webcalendar

Wahre Termingeschäfte

Wer wie ich ein zu selektives Termingedächtnis hat, kann sich die Lücken vom Notebook, Mobiltelefon und einem souveränen Webkalender stopfen lassen. Wie die meiste wirksame Medizin verursacht die Gedächtniskrücke aber seltsame Nebenwirkungen.

Inhalt

78 | LPI-Kompendium - Teil 16

Fast alle Internetzugänge setzen auf eine PPP-Verbindung. Es
ist wichtig, die Grundlagen des Protokolls und die Einstellungen
zum PPP-Daemon zu kennen.

82 | Lustre

Wo sehr große Files vorkommen und hohe Performance gefragt
ist, müssen herkömmliche Dateisysteme passen. Den Ausweg
bietet ein verteiltes Filesystem für Hochleistungsrechner.

90 | IMAP-Proxy

Es muss nicht immer gleich ein Cluster sein, um die steigende
Mail-Flut zu bewältigen. IMAP-Proxies helfen die Mails auf
mehrere Backends zu verteilen.

Mein Gedächtnis setzt merkwürdige Prioritäten, wenn es darum geht, Wissen länger als ein paar Minuten einzulagern. Ich zitiere seitenweise aus Büchern, die ich vor 20 Jahren gelesen habe - nützlich, wenn man auf Partys jemanden beeindrucken will -, dafür vergesse ich jede Telefonnummer binnen fünf Sekunden, einschließlich meiner eigenen.

IP-Adressen wiederum bereiten keine Probleme, aber Arzttermine oder Geburtstage rauschen wie verdünntes Wasser sofort durch mein Oberstübchen-Sieb. Wenn ich zwei Wochen nicht beim Karatetraining war, muss ich auf der Vereinswebseite die Öffnungszeiten des Dojos nachlesen. Mündlich vereinbarte Friseurtermine mögen anderen Leuten zu einem Schnitt verhelfen, mir nicht.

Papier kommt nicht in Frage

Natürlich könnte ich Termine in den Kalender meines Handys speichern, aber solange es keine genormte Telepathie-Schnittstelle für T9-Kurzschrift gibt, bin ich dafür zu faul. Würde aber das Mobiltelefon an wichtige Termine erinnern, das wäre allerdings toll für einen Zerstreuling wie mich.

Deshalb bin ich auf folgende Lösung verfallen: Meine Familie und ich tragen unsere Termine in einen Multiuser-fähigen Kalender auf meinem Webserver ein. Der synchronisiert sich mit der Kalendersoftware auf meinem Notebook, das wiederum die Daten per Bluetooth und SyncML [1] ins Handy pumpt. Als kleinsten gemeinsamen Nenner für den Datenaustausch habe ich das Ical-Format gewählt, weil es jede Kalendersoftware für mobile und stationäre Geräten versteht.

Auf dem Webserver durfte Webcalendar [2] einziehen. Die Software ist in PHP geschrieben und benötigt Zugriff auf eine Datenbank. Webcalendar beherrscht alles, was ich brauche: Im- und Export des Ical-Formats und Mehrbenutzerfähigkeit. Das Programm spricht 30 Sprachen und errät die richtige anhand der Browser-Einstellungen des Nutzers. Daneben exportiert Webcalendar Termine als RSS oder verschickt Mails über fällige und geänderte Termine.

Sowohl aus auch

Das Abgleichen funktioniert in beiden Richtungen: Mit dem Notebook unterwegs informiert mich Thunderbird, in dem das Kalender-Plugin Lightning [3] werkelt, an Termine, ich kann auch welche eingeben. Beim nächsten Netzkontakt übermittelt das Plugin die Termine an Webcalendar - und schon sieht meine Gattin, dass ich uns gerade das Wochenende kaputt geplant habe (Abbildung 1).

Bleiben die erwähnten Nebenwirkungen: Wer der Familie Schreibrechte auf seinen Kalender gibt, muss sich vom Handy an solche Termine erinnern lassen - piep!:

17:30 Uhr
Ort: Supermarkt
- 2 Liter Milch
- Toastbrot
- Zucker
- Viele Ü-Eier

Abbildung 1: Ein in Webcalendar eingetragender Termin verteilt sich automatisch auf Notebooks, wenn dort ein aufgebohrter Thunderbird läuft. Von dort gehen die Daten aufs Mobiltelefon.

Abbildung 1: Ein in Webcalendar eingetragender Termin verteilt sich automatisch auf Notebooks, wenn dort ein aufgebohrter Thunderbird läuft. Von dort gehen die Daten aufs Mobiltelefon.

Die verwöhnte Bande nutzt gnadenlos jede Technik-Innovaion, sofort! (jk)

Infos

[1] SyncML: [http://www.syncml.org]

[2] Webcalendar: [http://www.k5n.us/webcalendar.php]

[3] Lightning: [http://www.mozilla.org/projects/calendar/lightning/]

Der Autor


Charly Kühnast administriert Unix-Betriebssysteme im Rechenzentrum Niederrhein in Moers. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ (demilitarisierte Zone). In seiner Freizeit lernt er Japanisch, um endlich die Bedienungsanleitung seiner Mikrowelle lesen zu können.

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