Open Source im professionellen Einsatz

Sonderfall

Besonders hebt sich KWord durch seinen rahmenbasierten Ansatz von den anderen Textverabeitungen ab: In gewöhnlichen Programmen dieser Art stellt ein Textrahmen eine zusätzliche Möglichkeit dar, um Text außerhalb des normalen Fließtextes exakt auf der Seite zu positionieren. Bei KWord ist dagegen jeder Text an einen Rahmen gebunden. Durch einen primären Seiten-Textrahmen (Abbildung 5) legt die Software die Seitenränder fest.

Abbildung 5: Alles im Rahmen: KWord platziert jeden Text, auch den normalen Fließtext einer Seite, in einen Rahmen, der sich – wie hier – mit einer Rahmenfarbe sichtbar machen lässt.

Abbildung 5: Alles im Rahmen: KWord platziert jeden Text, auch den normalen Fließtext einer Seite, in einen Rahmen, der sich – wie hier – mit einer Rahmenfarbe sichtbar machen lässt.

Drei Textspalten entstehen durch drei miteinander verkettete Textrahmen auf jeder Seite. Die Dokumentstruktur-Ansicht zeigt die Rahmen gleichberechtigt mit eingebundenen Bildern, Tabellen oder eingebetteten Inhalten aus den anderen KOffice-Programmen. Die Haupttextrahmen mit dem normalen Seitentext enthalten Seiten und Absätze als Unterobjekte. Die daraus folgende Gliederung erleichtert das Navigieren im Text.

Der rahmenbasierte Ansatz ist aus logischer Sicht elegant und bringt durch die Seiten- und Absatzgliederung der Textrahmen auch eine praktische Funktion ein. Zu bedenken ist aber, dass dieses Konzept für Benutzer, die bisher nur mit einer Textverarbeitung, nicht aber mit einem Desktop-Publishing-Programm wie Quark Xpress oder Indesing gearbeitet haben, Neuland darstellt und die Bedienung erst einmal erschwert.

Open Office

Wer für Serienbriefe eine Textverarbeitung benötigt, deren Leistungsumfang dem kommerziellen Office-Paket von Microsoft ähnelt, kommt an dem von Sun unter der GPL veröffentlichten Büropaket Open Office (Abbildung 6) nicht vorbei. Die Office-Suite enthält ein Grafikprogramm, das sogar 3D-Fähigkeiten beinhaltet, ein Datenbankprogramm, das Eingabemasken ebenso unter einer grafischen Oberfläche erstellt wie komplizierte Abfragen, die auch Daten aus mit Wizards erzeugten Tabellen verarbeiten. Open Office Writer spielt also, auch was das Erzeugen von Serienbriefen angeht, in einer anderen Liga als die Testgegner Abiword und KWord.

Abbildung 6: All inclusive: Das Open-Office-Paket enthält eine leistungsfähige Datenbankanwendung à la Microsoft Access. Die Serienbrieffunktion der Textverarbeitung glänzt mit einer Funktion wie bedingtem Text, die zum Beispiel zwischen männlichen und weiblichen Empfängern differenziert.

Abbildung 6: All inclusive: Das Open-Office-Paket enthält eine leistungsfähige Datenbankanwendung à la Microsoft Access. Die Serienbrieffunktion der Textverarbeitung glänzt mit einer Funktion wie bedingtem Text, die zum Beispiel zwischen männlichen und weiblichen Empfängern differenziert.

Wer seine Serienbriefformulare in Writer erstellt, steht einer schier unendlichen Funktionsfülle gegenüber. So stellt die Textverarbeitung eine Skripting-Engine bereit, die außer einer speziellen Basic-Variante auch Python und Javascript versteht. Wer nicht programmieren möchte, zeichnet Befehlsfolgen über den Makrorekorder auf. Die Gliederungs- und Nummerierungsfunktion ist konfigurierbar. Funktionen für die Zusammenarbeit mehrerer Benutzer sind vorhanden.

Auch die Benutzeroberfläche lässt sich an die Bedürfnisse der Benutzer anpassen. Trotz der weitgehenden Konfigurierbarkeit wird sie jedoch nie richtig handlich. Zu groß ist der Funktionsumfang, den der Benutzer in den vollgepackten Menüs findet. Dass Open Office bei der Bedienung oft der Microsoft-Office-Suite nacheifert, erleichtert zwar den Umstieg. Da gerade die Menü-Führung in Word oft Kritik erntet, erbt Open Office auf diese Weise auch Schwächen.

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