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32 | Kernel-Olymp
Anfang September traf sich die Linux-Elite in Cambridge - ein Bericht.
36 | Kernel inside
Ein Mammutprojekt wie die Kernelentwicklung kann nur mit Freude und straffer Organisation funktionieren.
40 | Kernel outside
Interview mit dem Arzt und wahrscheinlich prominentesten Linux-Aussteiger Con Kolivas.
44 | Kernel verstehen
Kern-Technik, Folge 36: In den Kernel 2.6.23 zieht ein Userspace-Treibermodell ein. Der Nutzen ist umstritten.
50 | Kernel-Flash
Ein neues Dateisystem für Flashspeicher umgeht den schwer überschaubaren Flash Translation Layer im Kernel.
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Was braucht man, um den Wiener Opernball nach Linux zu migrieren? Primär eine repräsentative Location in einer Stadt mit Geschichte. Das University Arms Hotel in Cambridge wäre geeignet. Dann zuverlässige Veranstalter wie die UKUUG und Usenix, einen Termin, Anfang September - die Debütanten und Gäste können kommen. Halt: Internationale A-Prominenz ist zwingend, am besten Linus T. als Ballkönig.
Schon wieder das Getanze
Mit dazu gehört, dass die Promis ihr Hiersein herunterspielen, fast als gesellschaftlich notwenige Pflichtübung begreifen. Aber fehlen möchte letztlich doch niemand. Wo sonst kann ein Kernel-Kernentwickler sich so schön in Szene setzen wie auf dem roten Teppich der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse seiner Art?
"Nach mehreren Jahren in Ottawa wollten wir einmal etwas Neues sehen", sagt Jens Axboe, Mitglied des Programmkomitees des Kernel-Summit, dem jährlichen Gipfeltreffen der Kernelentwickler. Da etliche Entwickler für Europa votiert hatten, ergriff Ted T\'so die Initiative und schlug gemeinsam mit Usenix, UKUUG und GUUG, also den vereinigten Unix-Usergroups Amerikas, Großbritanniens und Deutschlands, Cambridge als Austragungsort vor. Die beiden europäischen Usergroups steuerten dazu jeweils ihre technischen Linux-Kongresse bei, sodass der Wiener Kernel-Summit-Walzer nun erstmals für die Linuxconf Europe erklang.
Sozialstation
Die Damenwahl schien gelungen, doch hinter den Kulissen rumorte es: Würde genug Prominenz kommen? Zu der Anreise über den Teich kommt das Schaulaufen vor den Fans - viele wollen, wenn überhaupt, nur technische Details klären. Anderen ist der Rahmen im University Arms Hotel zu protzig - pro Übernachtung 206 Euro. Wieder andere fordern ihren Mindeststandard und beklagen sich, nur nach langwierigen Interventionen ein Upgrade ihre Fluges bekommen zu haben, von der Business in die First Class versteht sich.
Sponsoren wollen möglichst viele eigene Debütanten mitbringen, Entwickler bevorzugen das Tuscheln in Separees. Zu allem Überfluss konnten sich einige der Veranstalter nur mit Mühe auf eine Sprachregelung darüber einigen, ob der seit 1994 tagende Linux-Kongress in diesem Jahr nun mit in Cambridge stattfindet oder ob die Traditionsveranstaltung eine schöne Leiche auf dem Zentralfriedhof abgeben möge.
Wenn das Orchester dann mal spielt, wird die Stimmung ausgelassener. Der Ton im Saal ist rau, aber herzlich. Protagonisten und Gäste kennen das von der Kernel-Mailingliste. Nur für manchen Industriellen gestaltet sich das kommunikative Flair zunächst ungewohnt. Wer den Mörtel gibt (Baulöwe Richard Lugner) und mit großen Summen und viel Tamtam ein selbst entwickeltes Subsystem oder einen Treiber auf die Tanzfläche schiebt, erreicht das Gegenteil. Insofern ist die Teilnahme an einer Linux-Konferenz eine gute erste Übung in Community-empathischer Demut.
Zum Abschluss der Opernball-Migration ging es statt an die Champagnerbar ersatzweise zum Ale in einen der vielen Cambridger Pubs. Und nach einer Stunde dann haben sich alle garantiert (wieder) lieb. jk