Open Source im professionellen Einsatz

Organisation der Kernelentwicklung

An der Quelle

Die Kernelentwicklung startete als ein Rinnsal, gespeist allein von Linus Torvalds - nach seiner Meinung "nichts Großes". Der heutige Strom aus Millionen Zeilen C-Code, der die IT-Landschaft nachhaltig durchschneidet, wäre ohne eine Mischung aus straffer Organisation und uneigennütziger Mitarbeit unmöglich.

Der Linux-Kernel gilt als gut funktionierendes, komplexes und gut dokumentiertes Paradebeispiel für Open-Source-Software: Jeder hat Zugriff auf den tagesaktuellen Quelltext und kann auf der Mailingliste mitdiskutieren oder Patches vorschlagen. Dass es in einem Softwareprojekt mit mehreren Millionen Zeilen Code klar verteilte Aufgabenbereiche, Kompetenzen und Strukturen gibt, ist wenig überraschend, auch wenn dies gelegentlich abschreckend auf potenzielle Neueinsteiger wirkt.

Kopf der Truppe

Die Kernelentwicklung stand und steht unter der Leitung von Linus Torvalds (Abbildung 1). Qualitativ betrachtet ist er zwar nicht mehr der Hauptentwickler des Code, doch koordiniert er noch immer die Veröffentlichungen und die Arbeit am Kernel und beteiligt sich in den Mailinglisten auch rege an Diskussionen über neue Funktionen. Der Maintainer der aktuellen Reihe 2.6 des Kernels ist Andrew Morton (Abbildung 2).

Abbildung 1: Linus Torvalds auf dem Kernel-Summit 2007: Der geistige Vater des Linux-Kernels ist weiterhin maßgeblich an der Entwicklung beteiligt.

Abbildung 1: Linus Torvalds auf dem Kernel-Summit 2007: Der geistige Vater des Linux-Kernels ist weiterhin maßgeblich an der Entwicklung beteiligt.

Abbildung 2: Andrew Morton gilt als Nummer zwei in der Kernelentwicklung. Sein »-mm«-Zweig ist richtungweisend für neue Features des Linux-Kernels.

Abbildung 2: Andrew Morton gilt als Nummer zwei in der Kernelentwicklung. Sein »-mm«-Zweig ist richtungweisend für neue Features des Linux-Kernels.

Ein Maintainer ist der Hauptverantwortliche eines Projekts. Er entscheidet, meist in Abstimmung mit anderen Entwicklern, über die weitere Vorgehensweise. Neben der Kernelreihe 2.6 betreut Morton einzelne Unterprojekte wie die Entwicklung des Netdev-Treibers oder der Dateisysteme Ext 3 und Ext 4.

Ansprechpartner

Wie der Kernel insgesamt oder der 2.6-er Zweig für sich hat fast jeder Teilbereich des Kernels einen eigenen Maintainer. Um wen es sich genau handelt und wie er oder sie zu erreichen ist, zeigt das Dokument »MAINTAINERS« im Hauptzweig des Kernel-Quellpakets [1].

Bei der Lektüre des Dokuments fällt auf, dass an einigen Stellen keine Person benannt ist und gleichzeitig in der Spalte »s« wie Status »orphan« steht. Hier handelt es sich um Bereiche, die gegenwärtig niemand aktiv betreut. Selbstverständlich freut sich die Entwickler-Community, wenn jemand die Verantwortung für verwaiste Entwicklungsbereiche übernehmen möchte. Ein Maintainer sollte jedoch tiefgehende Fachkenntnisse mitbringen. Wer neu in der Kernelentwicklung ist, findet eher einen Einstieg, wenn er erst mal mit Bugfixes und Patches aushilft.

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Ausgabe 07/2013

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