Open Source im professionellen Einsatz

NX, LTSP, Wine & Co. läuten das Ende der „Turmschuh“-Administration ein

Simplify your Systems

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Hinter Server-based Computing verbirgt sich ein Paradigmenwechsel: Die Nutzapplikationen laufen nicht auf teuren und aufwändig zu wartenden Clientrechnern, sondern auf einem oder mehreren Terminalservern. Das vereinfacht die Softwarewartung und verbessert die Verfügbarkeit des Systems.

Inhalt

34 | Nomachine NX und Free NX

Hoffnungsträger: Pfeilschnelles Remote Computing dank sehr
intelligenter Kompressionsalgorithmen.

40 | Linux Terminal Server Project

Einfach einzurichtendes Server-based Computing mit Edubutu und dem
neuen LTSP 5.

49 | Wine-Projekte für den Server

Windows ade!: Vier Tools für Wine und Crossover lösen
Windows-Terminalserver ab.

52 | Rdesktop

Die Linux-Lösung zum Remote Management oder Remote Desktop von
Windows-Servern und -Clients.

56 | Au-FS-Workshop

Das transluzente Dateisystem für Thin Clients einrichten.

Wer Direktor eines inhomogenen und auch örtlich verstreuten Client-Zoos ist, hat Grund, öfter sein Schicksal zu verfluchen. Entweder befehligt er eine Horde mobiler PC-Pfleger, die täglich Turnschuh-Administration betreibt. Oder er muss ein Konglomerat von Inventarisierungs-, Patchmanagement- und Remote-Software einsetzen, die nicht nur das Budget belastet, sondern auch selbst viel Pflege braucht.

Deutlich höher als die Anschaffung eines professionellen PC-Arbeitsplatzes liegen laut Untersuchungen, etwa der Gartner Group, die jährlichen Folgekosten von 4000 bis 7000 Euro für Administration, Wartung, Support und die informelle Unterstützung von Anwendern.

Die Lösung kann ein Paradigmenwechsel hin zum so genannten Server-based Computing und Terminalservices bringen. Dabei laufen die Applikationen nicht auf den Clients, sondern auf einem oder mehreren großzügig dimensionierten Servern (Terminalserver). Die Vorteile: Konfigurationen und Patchmanagement finden zentral statt und lassen sich sehr gut ausrollen. Außerdem sinken die Anforderungen an die Clients, was deren Nutzungszeitraum verlängert und Ausstattungsunterschiede egalisiert. In der Reinform kann man sich für dedizierte Thin Clients entscheiden, das sind plattenlose, Strom sparende, für den Terminalbetrieb optimierte (Linux-)Rechner (siehe Kasten "Thin Clients").

Thin Clients

Thin Client bezeichnet einen Terminal als Endgerät im Netzwerk, also einen Mini-PC mit geringer Hardware-Ausstattung und abgespecktem Betriebssystem, das auf einem Flashspeicher Platz findet. Der "dünne" Client besitzt daher keine Festplatte und oft auch keinen Lüfter, was gut für die Ausfallsicherheit ist und ihn auch für Industrieumgebungen tauglicher macht. Thin Clients sind etwa doppelt so lange im Einsatz wie Standard-PCs.

Das lokal nach dem Einschalten des Clients gebootete Betriebssystem stellt die Verbindung zum Terminalserver über Protokolle wie RDP, ICA, X11 und so weiter her. Die Verbindung startet mit einer Anmeldung am Server, auf dem ist ein Profil für jeden Benutzer eingerichtet. Der Benutzer des Thin Client arbeitet mit einem Desktop, den ihm der Server bereitstellt. Somit ist es nicht so wichtig, ob der Thin Client lokal mit Linux oder Windows läuft.

Die Daten speichert auch der Server zentral, was das Backup und Virenscans stark vereinfacht. Zugleich stehen die Daten auch jedem anderen Client-Arbeitsplatz zur Verfügung - fällt ein Thin Client mal aus, kann der Anwender auf einem unbenutzen Arbeitsplatz sofort weiterarbeiten. Der Austausch des defekten Geräts ist zudem schnell erledigt.

Es folgt eine Auswahl wichtiger Thin-Client-Hersteller:

Affirmative: [http://www.affirmative.de]

Axel: [http://www.axel.com/de2/]

Fujitsu Siemens: [http://www.fujitsu-siemens.de/products/deskbound/thin_clients/futro_c.html]

Hewlett-Packard: [http://h20202.www2.hp.com/hpsub/cache/41207-0-0-82-150.html]

Igel: [http://www.igel.de/igel/live.php,navigation_id,1641,_psmand,1], (siehe Abbildung 2)

Levigo: [http://www.levigo.de/de/thinclients/]

Linware: [http://www.linware.de]

Liscon: [http://www.liscon.com]

N Computing: [http://www.ncomputing.com]

Neoware: [http://www.neoware.com/de/]

Rangee: [http://www.rangee.com]

Sun: [http://www.sun.com/sunray]

Thin CCo: [http://www.thincco.com/de/]

Thinner: [http://www.thinner.de]

Transtec: [http://www.transtec.de]

VXL: [http://www.vxl.net/clients/clients.html]

Wyse: [http://de.wyse.com]

Applikationen und User profitieren von zentral einfacher implementierbarer Hochverfügbarkeit. Bis zu 80 Prozent der Betriebskosten sollen sich durch zentrale Administration einsparen lassen, andere Quellen sprechen von bis zu 56 Prozent (IDC) oder 41 Prozent (Gartner) niedrigeren TCO im Vergleich zur Client-Server-Architektur. Eingerechnet haben die Marktforscher die Einsparungen über den Arbeitsplatzrechner-Lebenszyklus, der bei Thin Clients länger ist.

Die Kostenvorteile haben dazu beigetragen, dass das Konzept des Server-based Computing in nahezu allen Großunternehmen, aber auch vielen kleineren Firmen und Bildungseinrichtung Eingang gefunden hat. Wer nun ebenfalls überlegt, entweder komplett umzusteigen oder erstmal einzelne Applikation zu zentralisieren, sollte sich nach der passenden Steuersoftware umsehen - die folgenden Artikel beschreiben praxiserprobte Lösungen.

Ressourcen gemeinsam auf dem Server

Eine zentrale Maschine simultan auf mehrere Benutzer aufzuteilen mag auf den ersten Blick kontraproduktiv erscheinen. Aber es gibt mehrere Faktoren, die den Mehrbenutzerbetrieb begünstigen. Bei typischen Büroapplikationen verbringt ein PC den Großteil seiner Zeit im Leerlauf. Lediglich Benutzerinteraktionen wie das Ändern der Schrift in einer Textverarbeitung bewirken kurze Lastspitzen, die mit zunehmender Prozessorleistung sogar schmaler werden.

Schnelles Antwortverhalten der Applikationen ist durchaus erwünscht, denn niemand wartet gern, bis sich eine Aktion wie die im Beispiel genannte Schriftartänderung auswirkt. Allerdings bleiben im Einzelbenutzerbetrieb auf PCs Ressourcen so zwangsläufig ungenutzt, während sich bei mehreren Benutzern eine wesentlich effektivere Auslastung ergibt (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Zeiträume, in denen ein typischer Office-Rechner nichts tut, sind viel größer als jene Zeiten, in denen er unter Last steht. Mehrere Benutzer sorgen statistisch gesehen für eine bessere Auslastung, ohne dass sie sich dabei gegenseitig ausbremsen.

Abbildung 1: Die Zeiträume, in denen ein typischer Office-Rechner nichts tut, sind viel größer als jene Zeiten, in denen er unter Last steht. Mehrere Benutzer sorgen statistisch gesehen für eine bessere Auslastung, ohne dass sie sich dabei gegenseitig ausbremsen.

Terminalserver profitieren zusätzlich davon, dass Linux den Code von Anwendungen und Bibliotheken nur ein einziges Mal in den Speicher lädt, unabhängig davon, wie viele User sie aufrufen. Es bilden sich so Schnittmengen der von den Benutzern beanspruchten Speicherbereiche. Die Menge des zur Laufzeit angeforderten Speichers gestaltet sich zwar weiterhin individuell für jede aufgerufene Instanz. Gleichwohl kommunizieren die Anbieter von Terminalsoftware praxiserprobte Richtwerte, die sich meist zwischen 64 und 256 KByte pro eingeloggtem Anwender bewegen.

Zentrales Management

Der größte Brocken der Kosteneinsparung durch Server-based Computing entsteht durch das zentralisierte Management. Denn die Sicherheit und Verfügbarkeit der Applikationen liegt in kompetenten Händen, nämlich bei Administratoren. So kümmern sich nicht die Anwender, sondern Profis um das Betriebssystem- und Programm-Patchmanagement. Die brauchen sich dazu nicht von ihren Arbeitsplätzen wegzubewegen. Gleiches gilt bei Software-Rollouts, die in großen Firmen statt innerhalb vieler Wochen, auf dem zentralen Server meist in wenigen Stunden erledigt sind.

Unterm Strich erreicht Server-basierte IT eine höhere Verfügbarkeit und bessere Mitarbeiterproduktivität. Ein vielfach willkommender Nebeneffekt ist, dass der Fernzugriff externer Mitarbeiter über Mobilgeräte oder aus einem Internetcafé einfacher realiserbar ist. Die Praxis zeigt auch, dass in größeren Organisationen bei zentralisierten Applikationen die Neigung zunimmt, die Versionsstände zu konsolidieren - mit allen damit verbundenen Vereinfachungseffekten.

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