Open Source im professionellen Einsatz

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Synchronisation mobiler Geräte mit Syncml und

Drahtseilakt

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Funambol, der Seiltänzer, verspricht dank Syncml die Lösung für das Problem jedes Handy- oder Smartphone-Benutzers: herstellerübergreifende Synchronisation mit (fast) beliebigen Servern, Desktop-Programmen und anderen Handys. Stürzt der Akrobat ab oder gelingt die Vorstellung?

Larry Ewing, der Erfinder des Pinguins Tux, brachte es auf dem Linuxtag 2007 auf den Punkt. Gefragt nach den wichtigsten Entwicklungen der nächsten Jahre, antwortete er: "Wir werden uns von einer Upload-Situation zu einer Synchronisations-Kultur bewegen. Der Benutzer wird nicht mehr herauf- und herunterladen, sondern die Software synchronisiert seine Daten für ihn."

Genau in diese Richtung stößt ein Open-Source-Projekt vor: Der Synchronisations-Server Funambol der gleichnamigen Firma (siehe Kasten "Der Seiltänzer", [1]) verspricht genau diesen Abgleich von Groupware-Daten für fast beliebige Handys, Smartphones, Software-Clients und Groupware-Server. Über WLAN, Internet, GPRS oder Bluetooth synchronisieren mobile Geräte ihre Daten mit dem freien Server.

Der Seiltänzer

Der Name Funambol ist aus zwei lateinischen Wörtern zusammengesetzt: funis (Seil) und ambulare (gehen). Er lässt sich am besten mit Seiltänzer übersetzen. Die Entwickler wählten diesen Namen, weil er sowohl die wackelige Verbindung zwischen zwei Seiten ausdrückt als auch den ständigen Balanceakt, der den Alltag einer Open-Source-Entwicklerfirma bestimmt.

Die Open-Source-Community steuert außerdem zahlreiche Plugins für die wichtigsten Groupware-Server bei. Wenn dann noch wie versprochen E-Mails im Blackberry-Stil automatisch auf den mobilen Geräten ankommen, ist auch der Benutzer freier Software wunschlos glücklich.

Synchron nur mit Windows?

Noch schaut die Realität aber meist anders aus: Im Lieferumfang moderner Handys und Smartphones ist meist nur Windows-Software enthalten, die Daten aus dem Telefon wie Termine, Kontakte und Aufgaben auf dem Rechner speichert oder mit Outlook synchronisiert. Die Programme unterstützen in der Regel nur die Geräte eines Herstellers, beim Wechsel zu einem anderen Fabrikat wird die Datenübernahme zum Problem. Zwar gibt es auch auf dem Linux-Desktop Software für die Synchronisation, aber sowohl Stabilität der Software als auch Umfang der unterstützten Geräte lassen zu wünschen übrig.

Mit den proprietären Werkzeugen der kommerziellen Anbieter gehört die regelmäßige Synchronisation für Windows-Benutzer dagegen seit Jahren zum Standard. Integration in Groupware-Server, Synchronisation mit der Desktop-Software - die Open-Source-Welt hinkt hinterher. Doch mit Funambol steht endlich ein viel versprechendes Projekt in den Startlöchern. Möglich gemacht hat dies der freie Standard für die Synchronisation beliebiger Daten Syncml [2].

OMAs Syncml

Die Open Mobile Alliance (OMA, [3]) wacht über die Synchronization Markup Language Syncml. OMA ist eine unabhängige Institution mit mehreren hundert Mitgliedern, die Spezifikationen für Datenaustausch und Gerätemanagement von mobilen Geräten veröffentlicht. In diesem Gremium sitzen überwiegend Vertreter der Hersteller und Dienstleister aus dem Mobilfunksektor, deren Ziel es ist, die Interoperabilität der digitalen Dienste zu gewährleisten.

Dafür definiert die OMA offene Standards, die meist den Weg in aktuelle Handys bereits geschafft haben. Neben Syncml stand die OMA auch bei WAP, MMS oder auch den Diensten für das Konfigurations- und Firmware-Management OTAP (Over the Air Provisioning) beziehungsweise FOTA (Firmware over the Air) Pate.

Obwohl von den Herstellern Nokia, Palmsource, IBM, Sony-Ericsson, Symbian und Lotus initiiert, ist Syncml unabhängig von Geräten oder Betriebssystemen. Syncml-Clients und -Server tauschen ihre Daten über GPRS, UMTS, WLAN, LAN oder Bluetooth aus, Software-Clients gibt es für fast jede Plattform. Bereits im Jahr 2000 definierte der Vorgänger der OMA die erste Version des Syncml-Standards, schon 2001 kamen prompt die ersten mobilen Geräte mit Syncml-Integration auf den Markt.

Heute finden sich fast nur noch Handys und Smartphones, deren Hersteller behaupten, diesen Standard zu unterstützen. Viele Geräte nutzen Syncml sogar hinter den Kulissen zum Datenaustausch mit der proprietären Synchronisations-Software auf Windows.

Das Syncml-Protokoll ist stark an XML angelehnt, es eignet sich prinzipiell zwar für den Abgleich beliebiger Daten, wird aber in der Regel nur für PIM-Daten verwendet. Listing 1 zeigt die Anfrage eines Clients, der seine Authentifizierung sendet, und die entsprechende Antwort eines Syncml-Servers (Quelle [4]).

Listing 1: Beispiel einer
Syncml-Kommunikation

01 <!-- Der Client schickt eine Anfrage mit Credentials -->
02 <SyncML>
03   <SyncHdr>
04     <VerDTD>1.0</VerDTD>
05     <VerProto>SyncML/1.0</VerProto>
06     <SessionID>1</SessionID>
07     <MsgID>2</MsgID>
08     <Target><LocURI>http://www.syncml.org/sync-server</LocURI></Target>
09     <Source><LocURI>IMEI:493005100592800</LocURI></Source>
10     <Cred>
11       <Meta><Type xmlns='syncml:metinf'>syncml:auth-basic</Type></Meta>
12       <Data>QnJ1Y2UyOk9oQmVoYXZl</Data> <!--base64 formatting of "userid:password"-->
13     </Cred>
14   </SyncHdr>
15   <SyncBody>
16     (...)
17   </SyncBody>
18 </SyncML>
19 <!-- Die Antwort des Servers lautet: OK! -->
20 <SyncML>
21   <SyncHdr>
22     <VerDTD>1.0</VerDTD>
23     <VerProto>SyncML/1.0</VerProto>
24     <SessionID>1</SessionID>
25     <MsgID>2</MsgID>
26     <Target><LocURI>IMEI:493005100592800</LocURI></Target>
27     <Source><LocURI>http://www.syncml.org/sync-server</LocURI></Source>
28   </SyncHdr>
29   <SyncBody>
30     <Status>
31       <MsgRef>1</MsgRef><CmdRef>0</CmdRef><Cmd>SyncHdr</Cmd>
32       <TargetRef>http://www.syncml.org/sync-server</TargetRef>
33       <SourceRef>IMEI:493005100592800</SourceRef>
34       <Data>212</Data> <!--Authenticated for session-->
35     </Status>
36     (...)
37   </SyncBody>
38 </SyncML>

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