Open Source im professionellen Einsatz

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Systemmonitore im Test

System-Multimeter

Wer den Istzustand eines Systems abfragen möchte, startet einen Systemmonitor. Obwohl das spartanische Top seinen Zweck nach wie vor erfüllt, erleichtern neuere Alternativen dem Systemadministrator die Arbeit mit besserer Bedienung und einem erweiterten Leistungsspektrum.

Abbildung 1: Ziemlich angegraut: Obwohl das viele Jahre alte Programm Top noch immer zuverlässig darüber Auskunft gibt, welches Programm den Rechner aufhält, könnte es wohl ein Facelifting gebrauchen.

Abbildung 1: Ziemlich angegraut: Obwohl das viele Jahre alte Programm Top noch immer zuverlässig darüber Auskunft gibt, welches Programm den Rechner aufhält, könnte es wohl ein Facelifting gebrauchen.

Für das Überwachen eines Servers gibt es ausgefeilte Monitoring-Lösungen, die den Systemstatus laufend analysieren und das Ergebnis mitschreiben. Wer jedoch herausfinden möchten, warum die Festplatten-LED des Desktop-PC gerade hektische Aktivität signalisiert, benötigt einen schnellen Überblick über den Istzustand des Systems. Dieser zeigt, welche Anwendungen verschwenderisch mit dem Speicherplatz umgehen oder welche Prozesse - eventuell mit erhöhter Priorität - Exklusivrechte für den Prozessor beanspruchen.

Die beiden großen Desktopumgebungen bringen eine Bordlösung für diese Aufgabe mit: [Strg]+[Esc] startet unter KDE die Systemüberwachung Ksysguard. Gnome enthält zum selben Zweck den Gnome-Systemmonitor. Besonders die KDE-Anwendung beansprucht beim Start allerdings selbst viele Systemressourcen. Da der Anwender sie häufig in Situationen braucht, in denen der Rechner bereits überlastet ist, schränkt dies deren Nutzwert ein.

Wer in Lastsituationen dagagen auf eine Textkonsole wechselt und »top« startet, muss nicht lange warten. Der Klassiker unter den Systemmonitoren glänzt allerdings nicht durch Bedienungskomfort: Die Prozessliste in Top zeigt immer nur so viele Einträge, wie es der Platz auf der Konsole erlaubt. Dass dies auch bei einem Konsolenprogramm nicht so sein muss, demonstriert Htop, das sich selbst als "besseres Top" versteht: Hier scrollt die Prozessliste wie bei einer grafischen Anwendung. Dennoch lässt sich das Kommandozeilenprogramm Htop auch über eine langsame Netzwerkverbindung remote einsetzten. Atop, ebenfalls ein Konsolenprogramm, erweitert hingegen den Leistungsumfang von Top.

Top

Bereits seit 1982 starten Linux-Systemadministratoren Top (Abbildung 1, [1]), um einen schnellen Überblick über den aktuellen Systemstatus zu gewinnen. Die Bedienung des Urgroßvaters der Systemmonitore ist jedoch nicht besonders durchdacht. Viele Admins hat es schon Nerven gekostet, wenn Top eine Sekunde lang eine Fehlermeldung anzeigt, falls sie versehentlich eine nicht mit einem Befehl belegte Taste gedrückt haben. Wer sich nicht alle Tastaturshortcuts merken kann, benötigt außerdem den Umweg über die Hilfeseite.

Großvaters Erbe

Wenn Top trotzdem immer noch häufig benutzt wird, dann deswegen, weil es auf praktisch jedem Linux-System installiert ist und weil es den Lastzustand eines Rechners umfassend analysiert. Die Software unterteilt die Prozesslast in die von Userspace-Programmen und die vom Kernel selbst beanspruchten Anteile. Rechenzeit, die auf das Konto von Programmen mit verminderter Priorität geht, weisen neuere Top-Versionen ebenso aus, wie jene, die beim Warten auf das I/O-Subsystem (»wa«) oder durch Hard- und Software-Interrupts (»hi« und »si«) entsteht. Top überwacht auch mehrere Prozessoren.

Auf Prozessebene zeigt Top neben offensichtlich benötigten Werten wie dem Rechenzeit- und Speicherbedarf auch technisch tiefer gehende Informationen wie den Pagefault-Zähler oder den Anteil des Stack-Speichers, den viele Anwendungen nicht mehr freigeben, wenn der User Dokumente oder Unterfenster schließt. Störend ist allerdings, dass in Top die Spalte »command« nicht den vollständigen Befehlsaufruf enthält.

Die Anzeige in Top muss nicht so spröde aussehen wie in der Standardeinstellung. Für eine bessere Übersicht beherrscht die Software auch eine farbige Darstellung und kann die Prozessliste in vier nach unterschiedlichen Werten sortierten Bereiche unterteilen (Abbildung 2). Ein Druck auf [W] schreibt eine Konfigurationsdatei in das Homeverzeichnis, die Einstellungen nach einem Neustart erhält. Der Wert, nach dem Top die Prozessliste in Zeilen sortiert, lässt sich ebenso anpassen wie die Reihenfolge der Spalten. Der Anwender kann außerdem bestimmen, welche Werte Top für die einzelnen Prozesse anzeigt.

Abbildung 2: Die alternative Anzeige von Top sorgt zusammen mit der farbigen Darstellung, die der Veteran nach Aktivierung mit der [A]-Taste anzeigt, für etwas mehr Übersicht.

Abbildung 2: Die alternative Anzeige von Top sorgt zusammen mit der farbigen Darstellung, die der Veteran nach Aktivierung mit der [A]-Taste anzeigt, für etwas mehr Übersicht.

Nichts liegt näher, als hängen gebliebene Prozesse direkt aus der Systemmonitor-Anwendungen heraus zu beenden oder die Priorität von rechenzeithungrigen Anwendungen herabzusetzen. Schon Top implementiert diese Funktionen. Der Benutzer wählt den gewünschten Prozess jedoch nicht direkt aus der Liste aus, sondern muss überflüssigerweise die Prozess-ID eintippen.

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