Ursprünglich wollten die Debian-Entwickler schon Ende vorigen Jahres so weit sein. Die mehrfache Verschiebung des Termins hat jedoch fast schon Tradition, mussten die Anwender auf die letzte Release Sarge gleich einige Jahre warten. Da liegt die Debian-Community mit der aktuellen Version 4.0rev0 sogar gut in der Zeit [1].
Das Warten hat sich jedenfalls gelohnt. Eines der Highlights sieht der User gleich bei der Installation, nämlich den lange erwarteten grafischen Installer. Er startet jedoch nicht automatisch, sondern will mit der Bootoption »installgui« aktiviert sein (siehe den folgenden Workshop). Zusätzlich verschlüsselt das Programm auf Wunsch Partitionen schon bei der Installation.
Itanium, X.org und Compiz
Mit seinen insgesamt elf Hardware-Architekturen präsentiert sich das neue Debian endlich auch als 64-Bit-Itanium-fähig. (Beim Vorgänger Sarge gab einen inoffiziellen Port.) So führt es die entsprechenden Bibliotheken in den vom LSB-Standard 3.1 vorgesehenen Verzeichnissen, was die Installation von Third-Party-Software vereinfachen dürfte. Der in Debian Etch eingesetzte Kernel trägt die Versionsnummer 2.6.18. Über 6500 neue Pakete fanden den Weg in die neue Debian-Version und zirka 10700 Softwarepakete aktualisierten die Entwickler. Im Hintergrund werkeln Glibc 2.3.6 und GCC 4.1.1.
Auch auf dem Desktop ändert sich einiges - so hat das Debian-Team den Umstieg von XFree86 auf X.org in Version 7.1 vollzogen. Neben verbesserter Hardware-Unterstützung und -Erkennung bringt der X-Server auch einen 3D-Desktop mit dem Windowmanager Compiz mit, der allerdings erst nachträglich über die Paketverwaltung einzuspielen ist. Gnome 2.14, KDE 3.5.5, Xfce 4.4 sowie diverse aktuelle Anwendungssoftware runden das Bild ab.
Für etwas Verwirrung könnte die Umbenennung einiger Pakete sorgen, die das Debian-Team aus politischen Gründen vorgenommen hat: Der Webbrowser Firefox heißt in der Debian-Welt jetzt Iceweasel, sein Mail-Cousin Thunderbird hört auf den Namen Icedove (siehe Debianopolis-Artikel in dieser Ausgabe). Um nicht unnötig Pakete installieren zu müssen, haben die Entwickler die Open-Office-Pakete in mehrere Teile gesplittet.
Im Bereich der Serveranwendungen sind vor allem die Integration des Linux-Terminalserver-Projekts [2] und die Aufnahme spezieller Kernel für Xen- und Vserver-Virtualisierung interessant. Der SIP Express Router [3] und OpenSER [4] erleichtern den Aufbau einer Voice-over-IP-Infrastruktur. Für Programmierer nimmt Debian Etch nun Eclipse [5] , Mono 1.2.2.1, Tomcat und Suns Java mit an Bord. Das alte Device-Dateisystem Dev-FS hat jetzt endgültig ausgespielt, Default ist der neue Standard Udev.
Schnelles Booten
Bei mehreren Testinstallationen des Release-Kandidaten traten auf Systemen von Intel- über AMD- bis zu virtuellen VMware-Systemen keine Probleme auf. Beeindruckt hat unter anderem die Beschleunigung der Bootzeit: Debian Etch braucht vom Bootprompt bis zum Gnome-Login nur 30 Sekunden, während Fedora Core 6 auf demselben System eine gute Minute verstreichen lässt. Der Paketmanager sorgt unter dem Namen Secure-Apt nun für mehr Sicherheit, indem er kryptographisch signierte Pakete unterstützt. Einige Verbesserungen der Benutzerfreundlichkeit, etwa die automatische Benachrichtigung über Updates, machen dieses Debian selbst für verwöhnte Anwender anderer Distributionen interessant. (jk)