Open Source im professionellen Einsatz

Test: E-Mail im Webbrowser

Weltweites Postnetz

Ajax-Webmailer eigen sich gut dafür, unterwegs Mails zu lesen: Im Fenster jedes einigermaßen aktuellen Browsers erscheint ein Mailprogramm mit gewohntem Funktionsumfang. Ajax lässt dabei fast vergessen, dass es sich um eine Webanwendung handelt.

Mails von überall aus lesen - dazu braucht man nur einen Browser und einen Webmailer. Damit Webmailer dem Anwender wirklich gute Dienste leisten, müssen sie jedoch einige Voraussetzungen erfüllen: Das beginnt bei der Browser-Kompatibilität, denn der Zugriff auf die Mails soll im Notfall auch von einem Windows-Rechner im Internetcafé aus funktionieren. Ebenso wichtig ist die Unterstützung des IMAP-Protokolls, bei der die Mails auf dem Server verbleiben. Beim Abholen über POP wäre es nur mit Einschränkungen möglich, die Nachrichten gleichzeitig auf einem fremden und auf dem eigenen Rechner zu lesen.

Last but not least sollte es am Komfort nicht mangeln: Wer mit einer Flut neuer Mails konfrontiert ist, braucht zumindest eine Suchfunktion. Da der Benutzer in einem Mailprogramm häufig zwischen unterschiedlichen Ansichten wechselt, ist Ajax-Funktionalität, die verhindert, dass sich die Seite im Browser jedes Mal neu aufbaut, besonders hilfreich.

Dieser Artikel vergleicht drei Webmailer mit Ajax-Funktionalität: Roundcube Webmail ist schlank und leicht zu installieren. Das gilt auch für die Webmailer-Komponente der Groupware Scalix. Eine freie und im Vergleich zu Roundcube leistungsfähigere Alternative ist der Ajax-Webmailer Dimp, dessen Installation allerdings aufwändig ist.

E Roundcube Webmailer

Wem daran liegt, mit wenig Aufwand einen Webmailer-Dienst zu installieren, für den könnte Roundcube Webmail [1] die richtige Lösung sein: Es genügt, das Programmarchiv zu entpacken, die MySQL-, PostgreSQL oder SQLite-Datenbank über das mitgelieferte SQL-Skript zu initialisieren sowie in der Konfigurationsdatei die Einstellungen für die Datenbank und den IMAP-Server einzutragen. Roundcube ist in PHP programmiert und eignet sich auch für die Installation auf einem Shared Webhost.

Der Roundcube-Webmailer ist vergleichsweise einfach gehalten (Abbildung 1), verzichtet aber dank Ajax komplett auf Seiten-Reloads. Eine Suchfunktion, die die Server-seitige IMAP-Suche nutzt, und eine Rechtschreibprüfung für elf Sprachen sowie ein Adressbuch runden den Funktionsumfang ab. Die Oberfläche ist auch deutsch lokalisierbar.

Abbildung 1: Der Webmailer Roundcube ist einfach zu installieren und bietet die nötigsten Funktion unter einer übersichtlichen Ajax-Oberfläche.

Abbildung 1: Der Webmailer Roundcube ist einfach zu installieren und bietet die nötigsten Funktion unter einer übersichtlichen Ajax-Oberfläche.

Beim Komfort gibt es Einschränkungen: Roundcube kennt keine Kontextmenüs. Neue Ordner lassen sich nur auf dem Umweg über den »Einstellungen«-Dialog erstellen. Unterordner, wie sie einigermaßen aktuelle IMAP-Server kennen, sind durch Eingabe von »Ordner_1/Ordner_2« möglich, doch das muss der Benutzer erst mal rausfinden.

Als störend dürften es viele auch empfinden, dass Roundcube nur ein Unterfenster für die Nachrichtenliste und die Nachrichtentextanzeige besitzt: Öffnet der Benutzer durch Doppelklick eine Mail zur Ansicht, verschwindet die Liste der Nachrichten. Ein Unterfenster, das den Text einer ausgewählten Mail anzeigt, gibt es ebenso wenig wie die Möglichkeit, den Inhalt einer Nachricht in einem eigenen Fenster zu öffnen.

Drum prüfe

Die Rechtschreibprüfung funktioniert auf der Basis des Google-Spellchecking-API zuverlässig, ist allerdings nicht besonders intuitiv zu bedienen: Klickt der User auf »Rechtschreibung prüfen«, verwandelt sich das Eingabefeld für den Nachrichtentext in einen nicht mehr bearbeitbaren Text. Erkannte Fehler zeigt die Anwendung rot unterstrichen. Ein Klick auf einen Rechtschreibfehler öffnet eine Liste mit Korrekturvorschlägen, unter der sich ein Eingabefeld für nicht in der Liste enthaltene Varianten befindet. Erst nach dem Abschluss der Rechtschreibprüfung kann der Benutzer die Texteingabe fortsetzen.

Zwar ist es in einer Webanwendung schwer möglich, das aus Textverarbeitungen bekannte Look&Feel mit den rot unterringelten Fehlern schon beim Tippen nachzubilden. Dass eine Webanwendung dennoch dem Komfort eines Desktop-Programms näher kommen kann, beweist Googles Online-Textverarbeitung. Klickt der Benutzer dort auf den Button »Rechtschreibprüfung«, so hinterlegt die Software erkannte Fehler gelb. Beim Klick darauf erscheint wie in Roundcube eine Dropdown-Liste. Der Text bleibt aber die ganze Zeit über bearbeitbar.

Hinter der Google-Online-Textverarbeitung stecken viele Entwickler-Ressourcen. Scalixs Lösung für die Rechtschreibhilfe ist technisch einfacher, bietet aber nahezu den gleichen Komfort. Hier markiert die Anwendung die Rechtschreibfehler per Javascript im Texteingabefeld.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 3 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook