Open Source im professionellen Einsatz

Tooltipps

Chandler und Cosmo

Kalender-Client und -Server

Quelle: [http://chandler.osafoundation.org] und [http://cosmo.osafoundation.org]

Lizenz: Apache Licence 2.0

Alternativen: Opengroupware, Zimbra, Citadel

Gute PIM-Lösungen sind auf dem Linux-Desktop nach wie vor Mangelware. Die Open Source Applications Foundation (OSAF) arbeitet seit 2003 an der Personal Information Management Suite Chandler, die inzwischen als stabile Release 0.6 und als 0.7alpha4 vorliegt. Chandler bietet gegenwärtig eine intuitive Terminverwaltung und einen einfachen Mailclient. Die Entwickler stufen ihre Software noch als experimentell ein.

Chandler ist ein auf Linux, Mac OS X und Windows lauffähiger eigenständiger PIM-Client, der Kalenderdaten unter anderem über das vor kurzem zum RFC (4791) erhobene Caldav-Protokoll synchronisiert. Eine Stand-alone-Nutzung, bei der die Daten lokal auf dem Client verbleiben, ist auch möglich.

Chandlers Zeitplaner sorgt für Klarheit: Mehrere Kalender, die in der Übersicht in verschiedenen Farben erscheinen, trennen zum Beispiel Geschäftliches und Privates. Neue Termine erstellt der Benutzer intuitiv durch Auswahl eines Zeitblocks in der Übersicht und anschließenden Doppelklick. Ein kleiner Balken in der Monatsübersicht zeigt für jeden Tag, wie viel Prozent der Zeit bereits verplant ist. Für die Kalenderansicht existiert ein Tages- und Wochenüberblick. Außerdem enthält Chandler eine Taskübersicht.

Caldav gilt als Protokoll der Zukunft für den Austausch von Kalenderdaten im Netzwerk. Die geschickte Kombination aus Webdav und Icaldender-Dateien erlaubt es, Termindaten sicher über das Internet zu veröffentlichen. Nur-Lese-Zugriff ist ebenso möglich wie die Festlegung sich regelmäßig wiederholender Termine. Mac OS X 10.5 (Leopard) wird sowohl eine Clientanwendung als auch eine Serverkomponente für dieses Datenaustauschformat enthalten.

Zusätzlich zu der systemübergreifenden Nutzbarkeit Chandlers, die sich aus seiner Python/Wxwidgets-Basis ergibt, arbeitet die Software auch mit anderen Zeitplanungsanwendungen zusammen: Über die »Address this item«-Funktion weist der Benutzer einem Event eine E-Mail-Adresse zu. Die Anwendung verschickt dann eine Mail, die die Termindaten in Textform und als Ical-Datei enthält. Umgekehrt lassen sich jeder empfangenen Mail Datum und Uhrzeit für den Kalender zuweisen.

Cosmo, das Server-Gegenstück zu Chandler, enthält einen Synchronisationsserver und einen Web-basierten Ajax-Kalender, der die von Chandler veröffentlichten Terminplaner darstellt und bearbeitet. Er lässt sich auch als von Chandler unabhängiger Terminplaner nutzen und zeichnet sich durch eine ansprechende Optik und eine intuitive Bedienung aus. Die Webanwendung setzt viele Funktion des Chandler-Kalenders eins zu eins im Browser um. Sie läuft in Firefox 1.5 und 2.0, Internet Explorer 6 und 7 sowie Safari 2.0.

***-- Mit Chandler und Cosmo entwickelt die OSAF einen systemübergreifend lauffähigen Terminplaner und einen Synchronisationsserver, der auf einem als RFC veröffentlichten Protokoll basiert. Die Software zeigt bereits viele gute Ansätze, ist jedoch für geschäftskritische Kalenderdaten noch nicht ausreichend getestet. (Peter Kreußel)

Retroshare

Verschlüsselndes Filesharing-Tool

Quelle: [http://retroshare.sourceforge.net]

Lizenz: LGPL

Alternativen: Gnunet

Nicht jeden in die eigenen Karten schauen lassen ist ein legitimes Bedürfnis. Im Internet wird dem nur die verschlüsselte Datenübertragung gerecht. Das Chat- und Filesharing-Tool Retroshare sichert sie mit einem 2048-Bit-RSA-Key. Retroshare lässt eine Verbindung zu Partnern erst nach dem Tausch von Schlüsseldateien zu, die die Software auf Knopfdruck erstellt.

Den Schlüsseltausch selbst überlässt Retroshare dem Anwender. Um eine Partnerschaft einzuleiten, laden beide Partner die am besten auf einer Diskette übermittelte Schlüsseldatei des jeweils anderen Benutzers und schalten sie mit der automatisch erzeugten Passphrase frei. Retroshare ist also nicht als Massen-Filsharing-Tool konzipiert.

Die Anwendung stellt eine einfache Chatfunktion zur Verfügung, die Nachrichten aller Chatter erscheinen in einem einzigen Fenster. Für die Absprache beim Übertragen von Dateien reicht dies aus. Da das Programm auch in einer Windows-Version vorliegt, ist ein Kontakt über die Systemgrenzen hinaus möglich. Die noch nicht als Binary verfügbare Version 0.3.0 bietet eine erweiterte Chatfunktion.

***-- Retroshare nimmt dem Benutzer die Erstellung der Keys ab und eignet sich daher auch für unerfahrene Anwender. (Peter Kreußel)

Helios Mkisofs

Erweiterte Mkisofs-Version

Quelle: [http://www.helios.de/news/news07/mkisofs.phtml#download]

Lizenz: Freeware

Alternativen: Growisofs

Mkisofs erzeugt unter der Haube von K3b das Dateisystem für viele CDs und DVDs. Auf der Silberscheibe sind die Daten gegen unerwünschte Schreibzugriffe geschützt. Das gilt auch für mit der Option »-o loop« gemountete Iso-Images, die selbst in einem beschreibbaren Dateisystem liegen. Besonders bei der systemübergreifenden Kompatibilität von Images, die Systemdateien enthalten, hapert es allerding: So sind Iso-Dateien, die die Unix-Dateirechte über Rock-Ridge-Extensions realisieren, unter Windows nicht lesbar.

Helios fügte daher dem UDF-Dateiformat, das neben Linux auch Windows und Mac OS X kennen, mehrere Erweiterungen hinzu. Das modifizierte Mkisofs erzeugt UDF-Images, die Windows-Attribute ebenso bewahren wie Unix-Dateirechte. Sie können auch symbolische Links enthalten. Wie bei vielen Unix-Dateisystemen dürfen die Dateien in den Images größer als 4 GByte sein. Auch Beschränkungen für die Rekursionstiefe der Pfade fallen weg. Mountbar bleiben die Images auf allen Systemen ohne die Hilfe zusätzlicher Software. Wenn sie Links enthalten, treten aber unter Windows Fehlermeldungen auf.

Die von Helios hinzugefügte Option »-ignore-changed-files« sorgt dafür, dass Mkisofs, wenn sich Dateien währen des Erstellens verändern, eine Fehlermeldungen ausgibt, die Erzeugung des Image aber fortsetzt.

***-- Das erweiterte Mkisofs von Helios baut einige Neuerungen in den Public-Domain-Klassiker von Jörg Schilling ein, die sich bei der Datensicherung in heterogenen Systemumgebungen als nützlich erweisen. (Peter Kreußel)

Antiword 0.37

Konverter für MS-Word-Dokumente

Quelle: [http://www.winfield.demon.nl]

Lizenz: GPL 2

Alternativen: Catdog, »wv«

Viele Windows-Anwender gehen davon aus, dass jedem Computernutzer Microsoft Word zur Verfügung steht, und haben es sich daher angewöhnt, E-Mail-Anhänge im proprietären Doc-Format zu versenden. Dank der Fremdsprachenkenntnis freier Office-Suiten wie Open Office oder Kword muss dies einen Linux-Benutzer eigentlich nicht aus der Ruhe bringen. Doch es ist lästig, eine schwergewichtige Büroanwendung zu starten, nur um zu prüfen, worum es in dem angehängten Dokument geht.

Abhilfe schafft das Kommandozeilen-Tool Antiword: »antiword Dokument« zeigt den Text des Word-Dokuments auf der Konsole. Der Schalter »-f« sorgt dafür, dass Antiword fetten, kursiven und unterstrichenen Text durch die Zeichen »*«, »/«, »_« symbolisiert. Auch Tabellen stellt Antiword auf der Konsole gut lesbar dar (siehe Screenshot).

Neben der Textausgabe auf der Konsole erstellt Antiword auch Postscript- und PDF-Dateien, die das Layout der Ausgangsdatei wiedergeben: »antiword -p a4 Dokument > PS-Datei.ps « erstellt ein Postscript-File im DIN-A4-Format, »antiword -a a4 -i3 Dokument > PDF-Dokument.pdf« ein PDF.

Ein Kommandozeilen-Tool wie Antiword ist praktisch, wenn viele Dateien zu konvertieren sind: »for i in *.doc; do antiword $i > `basename $i .doc`.txt; done« wandelt in Stapelverarbeitung alle Word-Dokumente in einem Verzeichnis in Textdateien um.

****- Ein kleines, vielseitiges Tool, das den Linux-Benutzer die verbreitete Unsitte, Word-Dokumente ungefragt als Anhang zu versenden, leichter ertragen lässt. (Stefan Sellmeier-Schmidl)

Bcwipe

Daten-Shredder

Quelle: [http://www.jetico.com]

Lizenz: Freeware

Alternativen: Shred, Wipe

Sollen Daten unwiderruflich zerstört werden, reicht es nicht, sie aus dem Dateisystem zu löschen: Wer die Daten unter »/dev/Partitionsdevice« lowlevel analysiert, findet den Datei-Inhalt mit etwas Glück sogar noch nach dem Formatieren des Datenträgers.

Ein Shredder-Programm wie Bcwipe erschwert hingegen das Wiederherstellen der mit ihm entfernten Dateien mit Hilfe der so genannten Gutmann-Methode. Dabei überschreibt die Software die zu löschende Datei 35-mal mit einem wechselnden Muster. Dass ein mehrmaliges Überschreiben sicherer ist, liegt daran, dass beim einmaligen Überschreiben eines Sektors Reste der ursprünglichen Magnetisierung übrigbleiben.

Um Zeit zu sparen, beherrscht Bcwipe auch einfache Löschalgorithmen: »bcwipe -b /dev/hda1« entsorgt alle Daten auf der angegebenen Partition.

Moderne Filesysteme wie Ext 3, Reiser-FS oder XFS haben ein
Journal, das auch nach dem Einsatz von Bcwipe noch Datenreste
enthalten kann, wenn das Dateisystem gemountet war. Kritisch ist
auch, dass das mehrmalige Überschreiben bei einzelnen Dateien
unter Umständen nur im (Festplatten-)Cache statt physisch auf
der Platte stattfindet. Bcwipe versucht dem durch die Option
»-n Sekunden« entgegenzuwirken. Das Tool wartet dann
zwischen den Überschreibvorgängen die angegebene
Sekundenzahl. Di

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