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Evolution und Kontact gelten als Linux-Standardlösungen für Personal Information Management. Vielen sind jedoch die großen Lösungen zu unhandlich. Ein Alternative ist das leichtgewichtige Pimlico. Gdata Provider erweitert die beiden Mozilla-Kalender um eine Google-Calendar-Synchronisation.

Termine, Termine! - eine häufig gehörte Klage des vom Dauerstress geplagten modernen Menschen, vom Studenten bis zum Manager. Eine übersichtliche Darstellung des Terminplans hilft dabei, wenigstens den Überblick zu bewahren und Überschneidungen zu vermeiden. Zur Verwaltung des Tagesablaufs ersetzt entsprechende Software mittlerweile oft den klassischen Kalender: Personal Information Management (PIM) heißt das Schlagwort, das die Organisation von Terminen, Aufgaben und Kontaktdaten zusammenfasst.

Zwei Standards

Unter Linux haben sich für die großen Desktop-Umgebungen KDE und Gnome zwei Lösungen für die persönliche Organisation durchgesetzt: Für KDE gibt es das Programm Kontact [1], das die Anwendungen Kmail, Korganizer, Kaddressbook, Knotes, Knode sowie Kpilot und Ksync unter einem gemeinsamen Interface vereint. Kontact enthält damit alle wichtigen Elemente der persönlichen Informationsverwaltung: Neben der Termin- und Aufgabenplanung ermöglicht die Synchronisation mit Handhelds und Handys die Zusammenführung unterschiedlicher Datenquellen, das integrierte Mailprogramm kümmert sich um die Kommunikation mit der Außenwelt. Das Gnome-Pendant zu Kontact heißt Evolution [2]. Die Anwendung integriert ebenfalls alle zentralen Bestandteile einer PIM-Lösung.

Doch Kontact und Evolution befriedigen nicht alle Ansprüche: Kontact lässt sich zwar auch ohne den KDE-Desktop verwenden, ist aber dennoch so eindeutig darauf fokussiert, dass es bei Benutzern anderer Oberflächen kaum Anklang findet. Die Oberfläche der Gnome-Lösung wiederum empfinden viele Anwender als zu träge. Das Programm hat außerdem den Ruf, viele funktionale Fehler zu enthalten. Wer ein eigenständiges Mailprogramm wie Thunderbird [3] verwendet, möchte ohnehin eine PIM-Lösung, die sich auf die Termin- und Aufgabenverwaltung beschränkt.

Wer nicht auf Internet-Kalenderdienste ausweichen möchte, findet bisher nur schwer Desktop-Alternativen. Opened Hand [4] hat deshalb das neue Open-Source-Projekt Pimlico [5] angestoßen. Es basiert auf dem Embedded Evolution Data Server [5], einer Portierung des Evolution Data Server, der DBus statt Bonobo und Orbit verwendet und dank seines reduzierten Speicherbedarfs auch auf mobilen Geräten funktioniert. Für die grafische Oberfläche kommt GTK zum Einsatz.

Pimlico

Pimlico besteht aus vier eigenständigen Komponenten: Dates, Tasks, Contacts und Sync. Die Programme lassen sich separat installieren und nutzen. Dates (siehe Abbildung 1) stellt einen einfachen Kalender zur Verfügung, dessen Oberfläche übersichtlich bleibt, ohne zentrale Funktionen zu unterschlagen. Mehrere Zoom-Stufen führen von der Detailansicht bis zum Jahresüberblick, neue Einträge lassen sich bequem per Doppelklick anlegen und verändern. Nur eine Alarmfunktion fehlt noch.

Abbildung 1: Die Kalenderkomponente von Pimlico funktioniert bereits zuverlässig und besticht durch Übersichtlichkeit.

Abbildung 1: Die Kalenderkomponente von Pimlico funktioniert bereits zuverlässig und besticht durch Übersichtlichkeit.

Tasks und Contacts (Abbildung 2) halten das Anwendungsfenster schlicht und übersichtlich. Neue Tasks lassen sich über ein Textfeld am unteren Fensterrand einfach hinzufügen. Contacts greift auf das Adressbuch von Evolution zurück, importiert bei Bedarf aber auch Kontakte aus externen Dateien.

Abbildung 2: Alle Pimlico-Komponenten wie das Adressbuch sind unabhängig voneinander nutzbar, greifen jedoch für eine gemeinsame Datenbasis auf den Embedded-Evolution-Server zurück.

Abbildung 2: Alle Pimlico-Komponenten wie das Adressbuch sind unabhängig voneinander nutzbar, greifen jedoch für eine gemeinsame Datenbasis auf den Embedded-Evolution-Server zurück.

Zentrales Anliegen bei der Entwicklung von Pimlico ist der Einsatz auf allen Geräten mit GTK-Unterstützung. Neben dem Desktop-PC geht es vor allem um die Plattformen Maemo [6] und Openmoko [7]. Sie kommen auf dem Nokia 770 Internet Tablet [8] sowie künftigen Nachfolgemodellen und dem Neo1973 [9], das sich noch im Entwicklungsstadium befindet, zum Einsatz.

Von der vierten Pimlico-Komponente Sync gibt es leider noch keine funktionsfähige Version, weshalb die PIM-Suite für den praktischen Einsatz bislang kaum in Frage kommt. Sync basiert auf Opensync [10] und soll dafür sorgen, dass die Daten von Dates, Tasks und Contacts sowohl mit Pimlico-Software auf anderen Geräten als auch mit anderer Software austauschbar werden.

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