Open Source im professionellen Einsatz

© Sergey Ilin, Fotolia

Drei freie Vektorgrafikprogramme im Test

Klare Linien

Zeichnungen mit klar erkennbaren Linien, die sich in jeder Zoomstufe scharf darstellen lassen, sind die Domäne der vektorbasierten Zeichenprogramme. Diese Bitparade untersucht drei unter Linux verbreitete Anwendungen auf ihre Leistungsfähigkeit und ihr Zusammenspiel mit DTP-Programmen.

Der Neue ist da - der Senior-Systemadministrator möchte einem neuen Mitarbeiter die Struktur des Firmennetzes erläutern. Nichts eignet sich besser dafür als eine Skizze. Da keine fertige Vorlage die firmenspezifischen Strukturen wiedergibt, heißt es, mit einem Zeichenprogramm selbst Hand anlegen. Bitmap-Editoren wie Gimp scheiden für diese Aufgabe von vornherein aus, da Bitmaps sich nur schlecht für Linien und Schrift eigenen. Vektorgrafikprogramme hingegen erzeugen Dokumente, die sich beliebig skalieren lassen, ohne dass ein störender Treppeneffekt auftritt.

Bunt statt sachlich

Solche Zeichenprogramme sind jedoch nicht nur die richtige Wahl für Schaubilder und Konstruktionszeichnungen. Da sie leistungsfähige Zeichenwerkzeuge zum Erstellen komplexer Formen enthalten, eigen sie sich auch besser für Cliparts als Bitmap-Editoren.

Bei Print-Publikationen passen sich Vektorgrafiken zudem reibungsloser in den Workflow ein: EPS-Dateien lassen sich in Adobe Illustrator, dem Vektorgrafikprogramm der meisten Grafiker, öffnen. Damit passt der Layouter zum Beispiel auch problemlos nachträglich die Schriftart in der Legende an, denn EPS-Dateien können außer Bitmaps auch Vektorelemente und Schrift enthalten.

Allgemein profitiert die Druckqualität davon, wenn Zeichnungen bis zum letzten Arbeitsschritt, dem Drucksatz oder dem Ausdruck auf einem Laserdrucker, als Vektorgrafik erhalten bleiben. Beim Layouten eines Dokuments ist es meist erforderlich, Zeichnungen nachträglich zu skalieren. Am schärfsten erscheinen Zeichnungen, wenn erst das Ausgabegerät die Vektorgrafiken in der endgültigen Auflösung, also der des Satzgeräts beim Druck oder des Laserdruckers, in Pixel umwandelt.

Diese Bitparade macht sich auf die Suche nach Zeichenprogrammen, die gut zu bedienen sind, und überprüft ihre Eignung für den Workflow einer professionellen Publikation. Tabelle 1 zeigt das Ergebnis im Überblick.

Tabelle 1: Features
im Überblick

 
 

Inkscape

Xara Extreme

Open Office Draw

Version

0.45.1

0.7

2.2.0

EPS mit bearbeitbarem Text

eingeschränkt

eingeschränkt

ja

Werkzeuge für Grundformen

ja

ja

ja

Werkzeuge für freie Formen

ja

ja

ja

Skizzenwerkzeug

ja

ja

nein

Boolesche Operationen für Formen

ja

ja

ja

Form-Templates

nein

nein

nein

Gestaltungsfreiheit bei Farbverläufen

viel

sehr viel

wenig

Hilfslinien

ja

ja

ja

Magnetische Objekte

ja

ja

ja

Objekte ausrichten

ja

ja

ja

In gleichmäßigem Abstand anordnen

ja

nein

nein

An einem Kurvenverlauf ausrichten

ja

nein

nein

Inkscape

Inkscape [1], das Ende 2003 als Fork zu Sodipodi [2] entstand, gilt seit langem als die verbreitetste und bliebteste Anwendung. Ihr Dateiformat, auf das der Anwender über einen eingebauten XML-Editor lowlevel zugreifen kann, basiert auf dem offenen SVG-Standard [3].

Inkscape enthält das Inventar an Zeichenwerkzeugen, das aus kommerziellen Programmen bekannt ist. Es gibt Werkzeuge für Rechtecke und Quadrate, Ellipsen und Kreise, für Vielecke oder sternförmige Objekte und für Spiralen. Das Standardtool zum Erstellen freier Kurvenformen, das Bézier-Werkzeug, funktioniert ebenso gut, wie in der Profianwendung Adobe Illustrator.

Für Situationen, bei denen es mehr um Geschwindigkeit als um eine exakte Form geht, steht ein Skizzenwerkzeug bereit, das Kurven direkt mit der Maus zeichnet. Da die Maus die Bewegungen der Hand nur ungenau überträgt, glättet das Skizzenwerkzeug die Linien. Bei Inkscape ist der Glättungsfaktor so voreingestellt, dass sich ein angenehmes Zeichengefühl ergibt.

Ganz besonders punktet Inkscape mit seinen Funktionen zum Anordnen der Objekte. Sie richten gezeichnete Formen an einer Seite bündig aus oder zentrieren sie horizontal oder vertikal. Das »Abstände angleichen«-Werkzeug sorgt für eine gleichmäßige horizontale und/oder vertikale Verteilung der Objekte (Abbildung 1). Praktisch ist auch die Funktion »Überlappung entfernen«: Sie platziert Objekte so, dass sich deren Ränder exakt berühren oder um einen bestimmten Betrag überlappen.

Abbildung 1: Nachdem Version 0.44 erstmals magnetische, aneinander einrastende Objekte einführte, unterstützt Inkscape den Benutzer beim Positionieren von Objekten besser als selbst die teure Profianwendung von Adobe.

Abbildung 1: Nachdem Version 0.44 erstmals magnetische, aneinander einrastende Objekte einführte, unterstützt Inkscape den Benutzer beim Positionieren von Objekten besser als selbst die teure Profianwendung von Adobe.

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