Open Source im professionellen Einsatz

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Zeitmessungs-Software

Die Zeit im Griff

Am PC arbeiten und die Arbeitszeit nebenbei auf einem Zettel protokollieren - wer möchte das schon. Eine Time-Tracking-Software übernimmt diese Aufgabe für Freiberufler und für alle, die den Überblick über die in einzelne Aufgaben investierte Zeit behalten möchten.

Beim konzentrierten Arbeiten geht bald das Gefühl dafür verloren, wie viel Zeit für bestimmte Aufgaben erforderlich war. Die Anforderungen an ein Programm, das Arbeitszeiten stoppt, scheint auf den ersten Blick zwar nicht allzu groß. Doch wie immer steckt der Teufel im Detail: Ein gegen Bedienungsfehler resistentes Softwaredesign ist besonders wichtig. Zu leicht kommt es sonst im Alltag zu Fehlbedienungen, die die ganze Zeitmessung wertlos machen.

Zeigt die Software außer der Gesamtsumme noch einen Überblick über die Verteilung der Arbeitszeit, hilft sie die Ressourcen effizienter einzuteilen. Nützlich für Freiberufler ist eine Exportfunktion, die das Verrechnen der Arbeitszeit in einer Tabellenkalkulation erlaubt.

Diese Bitparade prüft die Anfang März mit Version 1.1 erstmals unter Linux lauffähige kommerzielle Anwendung Timeedition (39 Euro brutto), die freie KDE-Komponente Karm und die GPL-Webanwendung Kimai auf ihre Praxistauglichkeit (Tabelle 1).

Tabelle 1: Features
im Überblick

 

Feature

Timeedition

Kimai

Karm

Optische Gestaltung

++

+

-

Fehlersichere Bedienung

++

++

-

Zeitanzeige nach Zeitraum filtern

ja

ja

nein

Zeitanzeige nach Projekt filtern

ja

ja

nein

Autostopp bei Inaktivität

ja

nein

ja

Inaktive Zeit nachträglich als Arbeitszeit werten

nein

nein

ja

Zeitmessung nachträglich korrigieren

ja

ja

ja

Exportfunktion, Formate

Icalendar, Excel, CSV, XML

-

CSV, Zwischenablage (Text)

Export der gemessenen Einzelzeiten

ja

nein

Zwischenablage (Text)

Export der Gesamtzeiten

nein

nein

ja

Export bestimmter Messzeiträume

ja

nein

ja

Kostenberechnung

ja

nein

nein

Backup-Funktion

ja

nein

nein

Client-Server-Anwendung

nein

ja

nein

Lizenz

kommerziell, 39 Euro

GPL

GPL

Timeedition

Timeedition steht unter [1] als Binärarchiv zur Verfügung. Ohne Registrierung läuft das Programm nach dem Auspacken des Archivs 14 Tage lang als uneingeschränkte Testversion. Seit der Anfang März erschienenen Release 1.1 existiert erstmals auch eine Linux-Version. Der Hersteller spricht von einer "Optimierung" für Suse. Tatsächlich lässt sich das Binary unter Ubuntu 6.10 und Mandriva 2007 nicht starten, läuft jedoch unter Suse 10.2 bis 10.0 und Gentoo 2006 ohne Probleme.

Positiv fällt die optisch ansprechende und intuitiv gestaltete Benutzeroberfläche auf (Abbildung 1). Unter der Stoppuhr sind alle wichtigen Bedienelemente ohne Rückgriff auf das Menü zu finden, und zwar in jener Reihenfolge, in der sie der Anwender benötigt: Er wählt zuerst den Kunden (oberes Listenfeld), dann das Projekt (mittleres Feld) und die Aufgabe innerhalb des Projekts. Die Farbe des oberen Fensterdrittels wechselt mit dem Kunden.

Abbildung 1: Auf einen Blick informiert: Die ausgefeilte Benutzeroberfläche des kommerziellen Time Trackers Timeedition zeigt optisch prägnant, ob und für welches Projekt die Stoppuhr gerade läuft. Die Farbe des oberen Fensterdrittels ändert sich je nach dem aktivierten Kunden.

Abbildung 1: Auf einen Blick informiert: Die ausgefeilte Benutzeroberfläche des kommerziellen Time Trackers Timeedition zeigt optisch prägnant, ob und für welches Projekt die Stoppuhr gerade läuft. Die Farbe des oberen Fensterdrittels ändert sich je nach dem aktivierten Kunden.

Der Startbutton unter den drei Listenfeldern schaltet die Stoppuhr ein. Die Kennzeichnung dieses Buttons verändert sich dann zum Pause-Symbol und der Doppelpunkt in der Zeitanzeige blinkt. Die drei Kategorienfelder bleiben sichtbar, sodass bereits auf den ersten Blick erkennbar ist, ob und für welches Projekt Timeedition die Zeit stoppt.

Zwischenstand

Timeedition bietet dem Anwender einen guten Überblick, wie viel Zeit bereits in ein Projekt geflossen ist. Die Stoppuhr zeigt wahlweise die Zeit für eine Aufgabe innerhalb eines Projekts, die Gesamtzeit für das Projekt oder die Summe aus allen Projekten für einen Kunden an. Je nach Einstellung summiert die Uhr die Gesamtzeit, die Zeit für den Tag oder die seit dem letzten Einschalten.

Die Autostopp-Funktion hält die Stoppuhr an, wenn der Benutzer Tastatur und Maus eine bestimmte Zeit lang nicht mehr benutzt. Um zu verhindern, dass der Timer ungewollt stehen bleibt, blendet Timeedition vor dem Abschalten eine Warnung ein. Hat der Benutzer einmal das Ein- oder Ausschalten der Uhr vergessen, lässt sich der Fehler nachträglich korrigieren: Die »Records«-Ansicht (Abbildung 2) zeigt alle gestoppten Zeitabschnitte und passt Start- und Endzeit oder Kunde, Projekt und Aufgabe an. Hier lassen sich auch gestoppte Zeitabschnitte löschen oder neue anlegen. Filter nach Kunde, Projekt, Aufgabe oder einem bestimmten Zeitabschnitt sorgen für Übersicht.

Abbildung 2: Die Records-Funktion in Timeedition gibt Auskunft über jeden gestoppten Zeitabschnitt. Filter blenden nicht benötigte Einträge aus. Bei Bedarf lassen sich die Einträge editieren.

Abbildung 2: Die Records-Funktion in Timeedition gibt Auskunft über jeden gestoppten Zeitabschnitt. Filter blenden nicht benötigte Einträge aus. Bei Bedarf lassen sich die Einträge editieren.

Eine Druckfunktion gibt die Aufstellung als Tabelle aus. Der Reiter »Overview« im selben Fenster summiert die Zeit für die einzelnen Aufgaben und errechnet die Kosten aus dem festgelegten Stundensatz. Leider schneidet die Druckfunktion die Spalte »Revenu« (Kosten) ab. Die Kosten lassen sich außerdem nur an die Kategorie Aufgabe koppeln. Projekbezogene Stundensätze gibt es in Timeedition nicht.

Außer der einfachen Overview-Ansicht, die Kosten und Arbeitszeit auf Aufgabenebene summiert, enthält das Programm keine Statistik- oder Visualisierungsfunktion, die eine Analyse oder eine komplexere Abrechnung erlaubt. Das Programm bringt jedoch Exportfunktionen mit, sodass sich die gemessenen Zeiten in anderen Anwendungen weiterverarbeiten lassen: Timeedition schreibt nach Kunde, Projekt, Aufgabe oder Zeitintervall gefilterte Werte in eine Icalendar-, Excel-, CSV oder XML-Datei oder trägt sie in einen Google-Calendar-Account ein. Das Programm übernimmt auch Werte im CSV-Format von anderen Anwendungen. Die Trennzeichen, die Zuordnung der Spalten in der CSV-Datei und der Timeedition-Datenbank sowie das Verhalten bei Überschneidungen kann der Benutzer einstellen. Die Backup-Funktion speichert die gesamte Datenbank in einem Arbeitsschritt.

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