Open Source im professionellen Einsatz

Neues bei Debian

Debianopolis

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Alle Jahre wieder sucht Debian einen neuen Projektleiter. Eine gute Gelegenheit also, sich die Kandidaten für das Amt des Debian Project Leader (DPL) einmal genauer anzuschauen [1].

Kandidatenreigen

Acht Kandidaten stehen zur Wahl - damit ist der Rekord aus dem Vorjahr eingestellt, damals waren sieben Entwickler angetreten (siehe Linux-Magazin 05/06). Unter den Kandidaten sind der Belgier Wouter Verhelst, der neben seiner Entwicklerarbeit Debian auch bei der diesjährigen Fosdem vertrat, Sam Hocevar, seit dem Jahr 2000 beim Projekt, Steve McIntyre, unter anderem im CD-Team aktiv, sowie Raphael Hertzog, der schon 2002 kandidierte und den Entwicklerdienst Alioth administriert.

Aigars Mahinovs bezeichnet sich als eher im sozialen Bereich des Projekts tätig. Gustavo Franco hat das Debian- Python-Modul-Team gegründet. Simon Richter hängt seinem Informatik- derzeit ein Elektroingenieur-Studium an. Auch Titelverteidiger Anthony Towns tritt an. Für Aufsehen sorgte Sven Luthers Ankündigung, sich als DPL zu bewerben. Im letzten Jahr hatte es verschiedene Versuche gegeben, Skandalnudel Luther aus dem Projekt zu verbannen, was aber unterblieb (siehe Linux-Magazin 07/06). Auf der endgültigen Kandidatenliste fehlt Luther jedoch.

Programmatik

Die Wahlperiode dauert bis zum 8. April, der neue DPL nimmt seine Arbeit am 17. April auf. Die Wahlprogramme der Kandidaten versprechen diverse Neuerungen. Wouter Verhelst kritisiert organisatorische Missstände und kündigt an, als Debian Project Leader alles zu tun, um diese Probleme zu lösen. Aigars Mahinovs hat sich des Debian-Release-Prozesses angenommen: Er möchte statt regelmäßiger Releases eine Art Kerndistribution in funktionstüchtigem Zustand vorhalten. Probleme mit veralteter Software seien so vermeidbar, lässt er das Wahlvolk wissen. Gustavo Franco will Debian auf dem Desktop als Steckenpferd adoptieren.

Sam Hocevar wirbt mit dem Slogan "Debian wieder sexy". Die Attraktivität sei durch größere Arbeitsgruppen für die Kernbereiche sowie mehr Offenheit nach außen zu steigern. Raphael Hertzog, mittlerweile ein alter Hase im DPL-Wahlkampf, spricht sich für ein DPL-Board aus, in dem Entwickler sitzen, die er reif für den Posten des Leiters hält. In seiner Liste finden sich Wouter Verhelst, Sam Hocevar und Steve McIntyre wieder.

Simon Richter sieht sich der Aufgabe verpflichtet, das seiner Meinung nach gespaltene Projekt wieder auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, und fasst sich ansonsten kurz. Steve McIntyre, der im vergangenen Jahr ebenfalls angetreten war und zusammen mit Anthony Towns als "Second Person in Charge" die Geschicke des Projekts leitete, wirbt mit seiner Erfahrung. Mehr Transparenz nach außen und eine Überarbeitung des Maintainer-Prozesses zählen zu seinen Forderungen. Bei Letzterem sei mehr Arbeit im Team erforderlich.

Abbildung 1: Raphael Hertzog bewirbt sich als einer von acht Debianern um das Amt.

Abbildung 1: Raphael Hertzog bewirbt sich als einer von acht Debianern um das Amt.

Anthony Towns hat seiner Plattform eine Übersicht seiner Arbeit in der laufenden Amtsperiode vorangestellt. Er gesteht, dass Versuche, Debian-Entwickler aus den verschiedenen Bereichen von seinen Ideen zu überzeugen, wenig Effekt zeigten. Grund genug, so Towns, sich in einer zweiten Amtsperiode stärker um Probleme zu kümmern.

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