Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 04/2007

Tooltipps

1320

Midnight Commander
4.6.1

Dateimanager für die Kommandozeile

Quelle: [http://www.ibiblio.org/mc/]

Lizenz: GPL

Alternativen: Vfu, Vshnu, Unixtree

Auf der Kommandozeile schnell zwischen Verzeichnissen wechseln, Dateien bearbeiten und vieles mehr: Für den Midnight Commander - kurz MC - ist das alles kein Problem. Der Klon des Norton Commander stellt Dateien und Verzeichnisse in einer zweispaltigen Ansicht dar, zwischen denen der Anwender mit [Tab] wechselt.

Auch unter der Haube überzeugt Midnight Commander: Die Funktionstasten erlauben den Zugriff auf häufig gebrauchte Befehle. In ein Verzeichnis wechselt man einfach mit [Enter], [Einfg] markiert Dateien. [F3] startet die Schnellansicht, [F4] öffnet die Datei in einem Bearbeitungsmodus, der Syntax Highlighting für gängige Sprachen erlaubt. HTML- oder PDF-Dateien bringt das Tool in ein lesbares Textformat.

Archive verwaltet der Kommandeur ebenfalls: [Enter] offenbart den Inhalt eines RAR-, TGZ- oder anderen Archivs, [F5] entpackt es ins aktuelle Verzeichnis der gegenüberliegenden Spalte. Zudem bringt der MC Netzwerkfunktionalität mit: Er beherrscht SCP und FTP. Nicht zuletzt lässt er sich gut für die Wartung entfernter Server via SSH einsetzen.

****- Obwohl schon äußerst betagt, wirkt der Kommandeur noch recht frisch und kennt auf der Kommandozeile in puncto Funktionsvielfalt keine Konkurrenz. (Stefan Sellmeier-Schmidl)

K3DSurf 0.6.1

Malen mit Zahlen

Quelle: [http://k3dsurf.sourceforge.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Fyre, KPolynome

K3DSurf dient zur Visualisierung von mathematischen Gleichungen und Funktionen. Das kleine Werkzeug unterstützt drei bis sechs Dimensionen und zudem Parameterdarstellung und Isoflächen. K3DSurf bringt bereits über 100 eindrucksvolle Beispielfunktionen mit. Aktiviert man sie über die entsprechende Liste neben »Examples«, erscheint im rechten Teil des Fensters umgehend die zugehörige grafische Darstellung.

Per Mausbewegung lässt der Zeichner die Ansicht bei gedrückter linker Maustaste beliebig rotieren, während die rechte Taste die Distanz regelt. Das umreißt etwa den Aktionsradius für mathematisch Unbedarfte: Nur wer sich mit Funktionen und Parametern auskennt, profitiert von den zahlreichen Eingabefeldern. Auf Wunsch exportiert der Macher sein Werk als Szene für den 3D-Raytracer Povray. K3DSurf beherrscht auch Postscript, VRML2 und OBJ und mutiert so zu einer Modellierungs-Software für dreidimensionale Körper und Oberflächen - wenn sie sich durch mathematische Gleichungen beschreiben lassen.

***-- Mathematisch Interessierte erhalten mit K3DSurf ein Analysewerkzeug, das komplexe Gleichungen anschaulich präsentiert. Künstler und 3D-Grafiker erfreuen sich an neuen, interessanten Formen. (Tim Schürmann)

Vice 1.20

C64-Emulator

Quelle: [http://www.viceteam.org]

Lizenz: GPL

Alternativen: Mess, Frodo

Anfang der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts beherrschte der Commodore 64 den Computermarkt. Die freie Software Vice reanimiert unter Linux die für ihn bestimmten Anwendungen. Nach dem Start präsentiert Vice den typischen blauen Begrüßungsschirm. Über die linke und rechte Maustaste erreicht der Retro-Fan viele Menüs mit ebenso vielen weiteren Einträgen. Ohne Wissen über die alte Hardware verirrt er sich aber schnell im Einstellungsdschungel.

Hier helfen die Lektüre der Dokumentation oder eine kurze Recherche im Netz.Weitere Probleme macht die alte Software: Sie ist nicht mehr offiziell erhältlich oder illegal, weil das Urheberrecht noch greift. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kauft eine der zahlreichen Emulator-CDs, greift auf explizit als frei gekennzeichnete Software zurück oder überträgt vorhandene Software mit einem Datenkabel auf den PC.

****- Vice reanimiert die guten alten Zeiten: Es gibt kaum ein altes C64-Programm, das nicht in der simulierten Umgebung läuft. Vor die nostalgischen Gefühle haben die Entwickler jedoch die Hürde der extrem umständlichen Benutzeroberfläche gelegt. Neben dem Commodore 64 kennt Vice auch dessen nahe Verwandtschaft: Commodore 128, VC20, Plus/4 und PET. (Tim Schürmann)

Apparix 06-314

Konsolen-Bookmarks

Quelle: [http://micans.org/apparix]

Lizenz: GPL

Alternativen: Cdargs, Konsole

Spätestens auf Unterebene 5 wird's haarig: Wer häufig auf der Konsole zwischen mehreren Verzeichnissen hin und her springt, wünscht sich irgendwann eine Bookmark-Funktion. Grafische Dateimanager bieten sie schon lange, auf der Kommandozeile hilft Apparix weiter. Konsolen-Hacker legen mit einem kurzen Kommando (»bm«) Bookmarks an und springen mit einem anderen Shortcut (»to«) an die markierte Stelle. Die Software optimiert einige Funktionen von Cdargs, bleibt bei der Funktionsvielfalt aber hinter dem Vorbild zurück.

Der Anwender kompiliert Apparix auf gewohnte Weise, muss aber noch die praktischen Aliase ergänzen. Der Befehl »apparix --shell-examples« zaubert ein Template auf die Konsole, mit dem er bequem die Dateien ».bashrc«, ».tcshrc« und ».cshrc« füttert. Nach dem Neustart der Shell lauten die drei wichtigsten Aliase: »bm«, »to« und »portal«. Um das aktuelle Verzeichnis in ein Lesezeichen zu verwandeln, gibt man einfach »bm« ein, wobei der Name des Verzeichnisses auch zum Namen des Lesezeichens wird.

Kürzer wird's, wenn der Konsolero als zweites Argument einen Namen übergibt, zum Beispiel »hier«. Über »to hier« kehrt er später an den Ort des Geschehens zurück. Das Alias »portal« memoriert ein Verzeichnis und legt für dessen Unterverzeichnisse eigene Bookmarks an. Für Menschen mit löchrigem Gedächtnis erstellt der Befehl »apparix« eine Übersicht sämtlicher Bookmarks, Portale und Expansionen.

***-- Apparix versorgt Konsolenjunkies mit einem Bookmark-System. Das hilft all jenen, die sich nur ungern per Tab-Completion auf die 30. Unterebene hangeln. (Kristian Kißling)

Mimms 2.0.1

MMS-Downloader

Quelle: [http://www.nongnu.org/mimms]

Lizenz: GPL

Alternativen: Mmsclient, Mplayer, Gmms

Die Webseite kommt gleich zum Punkt: Bei MMS handelt es sich nicht um einen multimedialen Handyservice, sondern um das Microsoft-Media-Server-Protokoll, über das passionierte Radiohörer den Übertragungen ihrer Lieblingssender lauschen - so es denn klappt.

Wie der Name schon ahnen lässt, braucht der Lauscher proprietäre Codecs. Über TCP oder UDP überträgt MMS dann Audio- und Videodaten im ASF-Format, das meist als Container für WMA- oder WMV-Dateien dient. Will der Radiohörer den Stream aufzeichnen, betritt Mimms die Bühne - allerdings nicht als Alleinunterhalter. Auch andere Tools widmen sich dieser Mission. Die Software selbst dient laut Aussage der Entwickler als Substitut für die Software Mmsclient, die niemand mehr aktiv betreut.

Ein kurzes »mimms mms://Adresse_zum _Stream_des_Senders aufnahme -t 1« schreibt den Stream eines Senders aus dem Internet in die Datei »aufnahme« und bricht nach einer Minuten ab. Die Timer-Funktion arbeitet in der Version 2.0.1 korrekt, in der im Ubuntu-Repository angebotenen Version 2.0.0 tut sie es nicht, weshalb es Sinn ergibt, Mimms selbst zu kompilieren.

Blockiert eine Firewall ein- oder ausgehende UDP-Streams, umgeht der Benutzer das Problem, indem er statt »mms« einfach »mmst« eingibt und den Stream über TCP abholt und mitschneidet. Alternativ empfängt er die MMS-Daten über UDP (»mmsu«) oder HTTP (»mmsh«). Gibt der Aufnahmeleiter als Zieldatei »--« an, schreibt Mimms den Datenstrom des Senders nach Stdout.

***-- Mimms wäre sicherlich auch für Linux-Einsteiger interessant - hätte es denn ein komfortables GUI. So erreicht es nur den begrenzten Kreis von Leuten, die gern alles auf der Kommandozeile erledigen. (Kristian Kißling)

Speedometer 2.4

Bandbreitenmesser

Quelle: [http://excess.org/speedometer]

Lizenz: GPL

Alternativen: Bmon, Wget, Bing

Wie schnell ein Rechner Daten auf die Festplatte schreibt oder mit anderen Rechnern im LAN austauscht, berechnet Speedometer. Die Python-Software bringt dazu ein auf Urwid basierendes Interface mit, das die Datenrate grafisch aufbereitet. Kennt es den Umfang der Datei, kalkuliert es auch die anzunehmende Download- oder Kopierzeit.

Erhält Speedometer über die Option »-f« mehrere Dateien oder Netzwerk-Devices zur Beobachtung, stellt es die Kurven übereinander dar, »-c« präsentiert die Ergebnisse hingegen im Spaltenlayout. Um den Datenverkehr auf der Ethernet-Karte in einer Konsole abzubilden, gibt der Admin »speedometer -rx eth0 -f -tx eth0« ein. Die Intervalle für die Darstellung reguliert er über die Option »-i«. Interessieren könnte den Anwender auch die Bandbreite des Uploads bei seinem DSL-Provider. Ein »speedometer -tx ppp0« verrät diesen Wert.

Mitunter werden auch langsame Festplatte zum Engpass. Um deren
Schreibgeschwindigkeit zu messen, leitet der Anwender mit
»dd« 1 GByte Daten von »/dev/zero« in eine
Datei, deren Namen Speedometer als Argument erhält.
Ähnlich lässt sich der Datendurchsatz zwischen zwei
Rechnern im LAN ermitteln. Die Entwickler schlagen vor, in diesem
Fall Netcat als Server respektive Client zu starten und mit
Speedometer einen aus »

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