Selbst Hardcore-Linuxer, die ihr System selbst aus den Quellen aufbauen (Linux from Scratch, Gentoo), müssen zugeben, dass sie ohne detaillierte Anleitung und Skriptunterstützung kaum ein lauffähiges System zustande brächten, jedenfalls nicht in vertretbarer Zeit. Zu unübersichtlich sind die Abhängigkeiten zwischen den in häufig wechselnden Versionen verfügbaren Paketen. Bei Eclipse sieht das auf den ersten Blick ganz ähnlich aus: Es gibt mehrere hundert Plugins mit noch mehr Features.
Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich aber Unterschiede. Mit einem Linux-Kernel allein ist man noch meilenweit entfernt von einem lauffähigen System, während das Eclipse-Basispaket, das Interessenten in unterschiedlichen Formaten von der Eclipse-Homepage [1] herunterladen können, schon mehr Funktionen enthält, als mancher Otto-Normalprogrammierer je nutzen wird.
Was also kann eine Eclipse-Distribution an Mehrwert bieten? Die Antwort ist mehr als die Wahl einer Linux-Distribution von den Bedürfnissen der Nutzer abhängig. Im Folgenden sollen das Konzept und die Realisierung aus dem Blickwinkel eines einfachen Open-Source-Entwicklers sowie aus dem einer Firma, die mit einem größeren Team Software-Entwicklung betreibt, betrachtet werden.
Das Prinzip Yoxos
Yoxos ist ein Service der deutschen Firma Innoopract aus Karlsruhe. Yoxos bietet auf [2] drei Services an:
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Yoxos on Demand: Dieser Dienst stellt eine
maßgeschneiderte Eclipse-Distribution zusammen und bietet sie
als einzelnes Archiv zum Download an. Dieser Service ist
kostenlos.
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Yoxos Subscription: Mit diesem kostenpflichtigen Service
erhält der Nutzer während der Subskriptionszeit
automatisch Updates. Yoxos verspricht die Bereitstellung von
qualitätsgesicherten Plugins mit automatischer
Berücksichtigung von Abhängigkeiten. Pro Jahr und Rechner
kostet der Service zurzeit 99 Dollar.
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Yoxos Enterprise: Das Angebot richtet sich an Firmen, die ihre
Java-Entwicklungsumgebung standardisieren wollen. Mit Yoxos
Enterprise können sie eine eigene In-House-Distribution
definieren, pflegen und verteilen.
Damit deckt Yoxos die komplette Bandbreite vom Einzelentwickler bis zur Unterstützung großer Entwicklerteams ab. Die folgenden Abschnitte beschreiben die praktischen Erfahrungen mit Yoxos on Demand sowie dem Update-Mechanismus von Yoxos Subscription.
Yoxos on Demand
Der Service ist kostenlos und ohne Registrierung nutzbar. Die Auswahl der Komponenten, die der Kunde herunterladen will, erfolgt über eine intuitiv bedienbare, gut reagierende Weboberfläche (siehe Abbildungen 1 und 2). Bei der Auswahl kann sich der Anwender seine Komponenten sowohl über den Reiter »Scenarios« als auch über »Plugin List« zusammenstellen. Der erste Weg bietet sich an, um die Basis zu legen, der zweite ergänzt diese Komponenten durch ausgewählte Plugins.
Das vom Autor gewählte Anwendungsbeispiel sieht wie folgt aus: Entwicklung von Java- und C-/C++-Anwendungen mit Unterstützung durch einen visuellen Editor und UML-Modellierungswerkzeugen. Wie Abbildung 1 zeigt, hat Yoxos über den Browser (Konqueror) das Betriebssystem erkannt und die Komponenten entsprechend vorgewählt. Die Downloadgröße aktualisiert die Website nach jeder Auswahl.
Natürlich kann sich der Anwender auch mit einem Linux-Browser ein Paket für andere Plattformen zusammenstellen (Win32, Mac, Linux GTK sowie Linux GTK x86_64). Die Plattformauswahl sollte er aber am besten vor der Wahl der Plugins vornehmen, denn bei ihr geht die Zusammenstellung bisher ausgewählter Pakete verloren und er kann wieder von vorne anfangen. Davor warnt die Webplattform aber nicht.
Die Auswahl aus der Plugin-Liste ist ebenfalls sehr komfortabel gelöst. Per Suche bekommt der Anwender eine Liste mit entsprechenden Plugins angezeigt (siehe Abbildung 2), es fehlt aber eine Bewertung einzelner Plugins. Das wäre sicherlich ein nützliches Feature. Alternativ wäre zumindest die Anzahl der Downloads interessant.
Der Download des Pakets geht flott vonstatten, zumindest war beim Test die 1-MBit-DSL-Leitung des Autors voll ausgelastet. Wer nicht breitbandig angeschlossen ist, hat natürlich ein Problem. Ein CD/DVD-Versandservice der kompletten Distribution mehrmals im Jahr könnte eine Lösung sein.