Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2007

Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

Diese Ausgabe der Projekteküche beleuchtet den Wettkampf zwischen Mensch und (Schach-)Maschine sowie den freien Klon von Colonization. Außerdem geht es um Hilfsmittel für Linux-Benutzer, die sich in die Windows-Eingabeaufforderung verirrt haben.

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Es gab wohl selten ein so viel beachtetes Schachspiel wie das zwischen Weltmeister Wladimir Borissowitsch Kramnik und dem Computer namens Deep Fritz (Mensch : Maschine – 2:4), auf dem das Schachprogramm Fritz [1] abläuft. Bei dieser weltmeisterlichen Software handelt es sich zwar um ein kommerzielles Windows-Programm. Spieler, deren Ansprüche etwas niedriger ausfallen, finden jedoch auch in freien beziehungsweise kostenlosen Schach-Engines wie Gnuchess [2] oder Crafty [3] einen würdigen Gegner.

Mensch gegen Maschine

Anders als Puristen werden sich wenigsten Schachästheten mit der Idee anfreunden können, ihre Züge auf der Kommandozeile einzutippen. Auch das schon etwas angegraute Xboard [4] kommt kaum über pure Funktionalität hinaus. Etwas mehr fürs Auge bietet Glchess ([5], siehe Abbildung 1). Wie bei Xboard handelt es sich dabei um eine grafische Oberfläche, auf der ein Mensch gegen einen anderen oder einen Computer-Gegner spielt, die auf vorhandene Engines zurückgreift.

Abbildung 1: Glchess greift auf gängige Schach-Engines zurück, um einen Spieler auf dreidimensionalem Schachbrett gegen einen Computer antreten zu lassen.

Mit seiner optional dreidimensionalen Darstellung soll Glchess es Spielern leichter machen, sich ein reales Schachbrett vorzustellen. Wer auf solchen Augenschmaus verzichten möchte, schaltet auf den herkömmlichen 2D-Modus um (Abbildung 2). Dem Schachtraining steht also nichts im Wege und bis zur von Weltmeister Kramnik angekündigten Revanche gegen Deep Fritz in zwei bis drei Jahren bleibt noch Zeit, die menschliche Schachspielerehre zumindest gegen Gnuchess, Crafty & Co. zu verteidigen.

Abbildung 2: Wer sich von der 3D-Grafik abgelenkt fühlt, stellt Glchess auf 2D-Ansicht um, die der im Druck üblichen symbolischen Darstellung ähnelt.

Kommandos für Windows

Auch Linux-Exklusivbenutzer können es kaum leugnen: Auf Windows stößt man außerhalb der eigenen vier Wände immer mal wieder. Aber wer den Umgang mit einer Linux-Shell gewohnt ist, findet unter dem fremden System selbst einfachste Aufgabe wie das Betrachten einer Textdatei oder das Kopieren mehrer Verzeichnisse mit ähnlichen Namen äußerst umständlich. Für das Programm Less fehlt ein gleichwertiges Äquivalent ebenso wie für die meisten anderen GNU-Werkzeuge.

Wer ein komplettes Linux-System unter Windows simulieren möchte, verwendet beispielsweise Cygwin [6]. Es liefert eine Linux-Umgebung mit den wichtigsten GNU-Entwicklungswerkzeugen, mit denen sich Linux-Anwendungen kompilieren und unter Windows ausführen lassen. Sogar ein X-Server läuft unter Cygwin, sodass auf Wunsch vom darunter liegenden Microsoft-System nichts mehr zu sehen bleibt.

Wer allerdings lediglich die GNU-Werkzeuge auf der Windows-Eingabeaufforderung benötigt, kann die Cygwin-Installation umgehen: Das Projekt Gnuwin32 [7] bietet für 32-Bit-Windows-Systeme portierte Versionen der wichtigsten Tools an. Darunter fallen zum Beispiel die Coreutils, die aus den Fileutils wie »cp«, »dd«, »df« sowie »touch« und den praktischen Textutils mit »cat«, »tail«, »sort« und vielen mehr bestehen.

Darüber hinaus enthält Gnuwin32 noch Windows-Ports der unter Unix gebräuchlichen Archiv- und Kompressionstools »tar«, »bzip2« und »gzip« – und auch sonst lässt die freie Werkzeugsammlung Windows-Benutzer kaum einen der gewohnten Alltagshelfer aus der Linux-Welt vermissen.

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