Open Source im professionellen Einsatz

© xsc.hu, Inka Johnson

Streaming-Server und -Codecs im Überblick

Ein langer, ruhiger Fluss

Firmen und Privatkunden, die mit Linux Video übers Internet streamen wollen, verirren sich schnell im Dschungel der Codec-Alphabete. Auch die Softwarelandschaft ist unübersichtlich.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, Videos übers Internet zu verteilen: die Datei komplett herunterladen, dann ansehen. Oder Streaming, bei dem die Zuschauer praktisch sofort etwas zu sehen bekommen, sobald die ersten Pakete eingetroffen sind. Vom Streaming gibt es wieder zwei Varianten, die sich darin unterscheiden, ob der gesendete Stream auf Anfrage eines Clients neu startet (On Demand) oder ob er zu einer bestimmten Zeit abläuft, egal wann Zuschauer einsteigen (Live-Stream).

Codec-Suche

In beiden Fällen muss der Anbieter des Stream mehrere technische Entscheidungen treffen. An erster Stelle steht das verwendete Video- und Audio-Format. Je nach Kontext kann es unterschiedliche Dinge beschreiben, die meist in einem Topf landen, zum Beispiel die eigentlichen Video- und Audio-Codecs, aber häufig auch das so genannte Container-Format. Apples Quicktime ist zum Beispiel ein Container-Format, das unterschiedliche Codecs wie Sorensen enthalten kann. Es gibt auch über die Technologien hinweg keine einheitliche Terminologie, so steht "Mpeg" tatsächlich für Codec und Container.

Die Auswahl des Codec sollte nach Meinung des Autors am Anfang der Überlegungen stehen. Mehrere Aspekte sind dabei wichtig, auch das primäre Zielpublikum des Streaming. Handelt es sich zum Beispiel in erster Linie um technikaffine Linux-User, die wohl kaum Schwierigkeiten mit der Installation von Mplayer & Co. haben, bietet sich ein ziemlich weites Feld an verfügbaren Codecs. Gehören Windows- und Mac-Benutzer dazu, stehen zwar schon einige Codecs von Haus aus zur Verfügung (bei Windows WMV, auf dem Mac Quicktime), andere müssen die User allerdings von Hand nachinstallieren.

Je nach Einsatzzweck sind zweitens auch lizenzrechtliche und juristische Aspekte wichtig. Wer nur für Freunde und Familie einen Webcam-Stream aus dem Hobbykeller überträgt, wird sich kaum um eventuell verletzte Lizenzen kümmern. Anders sieht es beim kommerziellen Einsatz aus. Auch wenn Encoder für alle möglichen Codecs unter Linux frei zur Verfügung stehen, nähert man sich bei ihrem Einsatz einer rechtlichen Grauzone. Sämtliche Mpeg-Technologien sind beispielsweise in irgendeiner Weise patentiert.

Je nach Format müssen Hersteller ihre Encoder oder Decoder beim Mpeg-Konsortium [1] lizenzieren, schon weil die Lizenzgebühr sich normalerweise nach der verkauften Stückzahl richtet - kein Weg für die Programmierer freier Software. Ähnliches gilt für praktisch alle brauchbaren Codecs. Wer sich kommerzielle Encoder-Software besorgt, zum Beispiel von Mainconcept [2], ist zumindest hier aus dem Schneider.

Real-Server

Am längsten im Streaming-Geschäft ist die Firma Real Networks [3], die nicht nur Encoder-, Player- und Streaming-Software verkauft, sondern sogar eigene Codecs entwickelt hat. Entsprechend ihrer mittlerweile gut zehn Jahre dauernden Entwicklung liefern die Real-Codecs sehr gute Video- und Audioqualität im Verhältnis zur verbrauchten Bandbreite. Auch die Server- und Encoder-Tools sind ausgereift und recht stabil.

Nur handelt es sich durchgehend um proprietäre Technologie, die auf Client-Seite die Installation von Realplayer voraussetzt. Zwar hat Real im Zuge der allgemeinen Open-Source-Mode vor einigen Jahren auch Teile ihrer Software unter eine freie Lizenz gestellt. Die proprietären Codecs ließen sie aber aus.

Für Rich-Media-Präsentationen interessant: Real implementiert auch den SMIL-Standard, der Streams mit verschiedenen Medien vorsieht, zum Beispiel als Text (und nicht etwa als Video) kodierte Schrift. Der Real-Encoder (Produktname ist Producer) liest einige Videoformate und erzeugt daraus Real-Dateien, sogar für unterschiedliche Bandbreiten vorbereitet. Fürs Live-Streaming liest er analoges Video von V4L-Geräten, digitales DV über Firewire beherrscht er nicht. Wer die Real-Produkte selbst ausprobieren möchte, findet auf der Website jeweils Free-Varianten, die in unterschiedlicher Weise beschränkt sind, zum Beispiel lässt der freie Helix-Server nur 20 gleichzeitige Streams zu.

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