Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2007

PDF-Formular-Werkzeug Cabaret Stage im Test

Ausfüllen und archivieren

Seit Ende November liegt eine Linux-Version des PDF-Tools Cabaret Stage vor, das Formulare inklusive eingegebener Texte speichert und PDFs anpasst. Dieser Test prüft, wie brauchbar die Vorabversion ist.

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PDFs, die vom Anwender ausfüllbare Felder enthalten, sind praktisch und beliebt. Mit der PDF-Software Cabaret Stage [1] lassen sich die Formulare am Rechner ausfüllen und, anders als beim kostenlosen Adobe Reader, inklusive des eingegebenen Textes speichern. Für den privaten Gebrauch ist die Software kostenlos, ein kommerzieller Einsatz setzt eine Lizenz für 49 Euro pro Anwender voraus. Die Software benötigt das Java Runtime Environment 1.5, die Libcairo und Freetype. Die seit Ende November erhältliche Version bezeichnet der Hersteller als Prototyp.

Praxistest

Im Test zeigte sich der Betastatus der Anwendung deutlich: Das Programm arbeitet so zäh, dass das Ausfüllen längerer Formulare zur Qual gerät. Selbst das Verändern der Cursorform über den Eingabefeldern dauert einige Sekundenbruchteile, die Maus hängt einen Moment. Nach Auskunft des Herstellers unterstützt Cabaret Stage nur PDFs bis Version 1.5 (entspricht Acrobat Reader 6) vollständig. Acrobat 1.6 (Reader 7, verfügbar seit März 2005) führte mit den so gennannten XFA-Formularen einen neuen Typ bearbeitbarer PDFs ein. Gegenwärtig hat Cabaret Stage mit solchen PDFs Probleme (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gute Ansätze, doch deutliche Schwächen in der Praxis: Cabaret Stage kommt mit den seit beinahe zwei Jahren bekannten XFA-Formularen der PDF-Version 1.6 nicht zurecht.

Die will der Schweizer Hersteller zwar bald beheben. Zuzeit lässt sich die Software aber zum Bearbeiten dieser bereits relativ verbreiteten Formulare nicht einsetzen: Im Test zeigte das Programm nicht nur den Dokumenthintergrund verstümmelt an, auch die Schrift in den Eingabefeldern war während der Eingabe unlesbar.

Potenzial für die Zukunft?

Sollten die beschriebenen Probleme dem frühen Entwicklungsstadium anzulasten sein und bis zur endgültigen Version verschwinden, hat Cabaret Stage das Potenzial für eine komfortable Lösung zur PDF-Bearbeitung. Es enthält viele Funktionen, die das praktische Arbeiten erleichtern: Die Software hat eine Suchfunktion, die Treffer durch eine hellrote Markierung mit dünnem roten Rand hervorhebt. Sie ist wesentlich besser sichtbar, als die XOR-Invertierung der Farbe im Adobe Reader.

Bei mehreren geöffneten Dokumenten sorgen Karteikartenreiter für Übersicht. Das Programm kann eine Liste aller Formularelemente anzeigen und diese im Dokument farblich hervorheben. Besonders bei schwarz-weißen Formularen verbessert dies die Übersicht.

Wer selbst PDF-Formulare erstellen will, kann mit Cabaret Stage einzelne Seiten eines PDF löschen, exportieren oder austauschen. Weitere Möglichkeiten, PDFs zu bearbeiten, integriert die Anwendung über Plugins. Unter Linux stehen zurzeit vier Erweiterungen zur Verfügung: Das Drawit-Plugin zeichnet farbige Kreise, Rechtecke und Linien in das PDF und hebt so bestimmte Elemente hervor oder streicht sie durch. Das Composit-Plugin fügt neue Eingabefelder hinzu.

Das Inspectit-Plugin zeigt eine Übersicht über die interne Struktur des Dokuments, die sich bei entsprechender Sachkenntnis auch verändern lässt. Mit dem Signit-Plugin lassen sich PDFs digital signieren. Bei nicht freigeschalteten Versionen bleiben die Erweiterungen jedoch entweder in ihrem Funktionsumfang eingeschränkt oder fügen dem Dokument ein Wasserzeichen hinzu.

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