Die freie Linux-Distribution für den Desktop - Open Suse 10.1 [1] - bildet die Codebasis für Novells Enterprise-Linux SLES 10 [2]. Während bei Open Suse Bugfixes für die zweijährige Supportperiode frei erhältlich sind, berechtigt bei Suse Enterprise Linux erst eine jährliche Lizenzgebühr von 290 Euro fünf bis sieben Jahre lang zum Zugriff auf Updates und Bugfixes. Es stellt sich die Frage, wer von der kommerziellen Variante profitiert, die nur etwa alle zwei Jahre in einer neuen Version erscheint? Welche Leistungen bietet Novell für die kostenpflichtige Lizenz? Wie unterscheiden sich die freie Community-Version und das Enterprise-Linux technisch?
Die Technik hinter SLES
Gleich zu Beginn stehen die Gemeinsamkeiten im Vordergrund: Die Installationen der freien Version und der kommerziellen Server-Variante gleichen sich bis auf wenige Ausnahmen. Die Hardware-Erkennung und das automatische Setup der Komponenten unterscheiden sich in den beiden Versionen nicht (Abbildung 1). Erfahrungen mit Open Suse lassen sich also auf das Server-Produkt übertragen.
Abbildung 1: Die freie Open-Suse-Distribution und der Enterprise-Server teilen sich viele der zugrunde liegenden Technologien, zum Beispiel die Hardware-Erkennung.
Mag es für die meisten Desktop-Anwender genügen, den Partitionierungsvorschlag des Setup-Tools unverändert zu übernehmen, so stört beim Aufsetzen eines Servers, dass das Suse-Werkzeug zum manuellen Aufteilen der Platte wenig intuitiv und übersichtlich gestaltet ist. Der Leistungsumfang des Partitionierers ist allerdings groß: Bereits bei der Installation lassen sich LVM- und Raid-Systeme konfigurieren und, anders als in der freien Version, auch EVMS (Enterprise Volume Management).
Übersichtlich und Zeit sparend ist hingegen die Paketauswahl: SLES 10 gruppiert die Softwarepakete übersichtlich nach Servertypen und Funktionen. Wenige Mausklicks genügen oft für eine passende Paketauswahl. Wie bei Open Suse konfiguriert der Installer nach dem Einspielen der Pakete das Netzwerk. Bei SLES startet das Setup-Programm einen Webbrowser, der zur Eingabe der Registrierungsschüssel auffordert (Abbildung 2). Die Registrierung ist Voraussetzung für den Zugriff auf Bugfixes, nicht für die Lauffähigkeit des Systems. Daher lässt sich dieser Schritt auch nach Abschluss der Installation nachholen.
Abbildung 2: Bei der kommerziellen Suse-Variante berechtigt erst eine Registrierung zum Zugriff auf Bugfixes und Aktualisierungen. Die Lauffähigkeit des Systems ist nicht davon abhängig.
Wie bei der freien Suse-Variante kann die Autoyast-Funktion alle beim Setup gewählten Einstellungen klonen. Weitere Installationen kommen dann mit einer einzigen Interaktion aus, der Auswahl der vorher erzeugten XML-Datei auf einem Wechselmedium oder einem HTTP-, FTP-, NFS- oder Samba-Server. Autoyast kann auch mit einem PXE-Server zusammenarbeiten und so die Installation komplett automatisieren.
Bei der Arbeit
Neben einigen optischen Unterschieden und dem übersichtlicher gestalteten Startmenü des SLES, das sich auch in Open Suse 10.2 Beta findet, fallen gegenüber Open Suse 10.1 einige zusätzliche Yast-Module auf (Abbildung 3): Das Modul »Hohe Verfügbarkeit« unterstützt den Systemadministrator bei der Einrichtung eines Hearbeat-Monitoring-Cluster. Unter »Netzwerkdienste« lassen sich I-SCSI, Wakeup-on-LAN sowie ein Novell-Slp-Server grafisch konfigurieren.
Abbildung 3: Yast bietet in alter Suse-Tradition eine grafische Oberfläche zu Konfiguration vieler Linux-Komponenten. In SLES kommen im Vergleich zu Open Suse noch einige Server-relevante Yast-Module hinzu.
Die Kategorie »Andere« bietet Module für eine automatische Installation und die Möglichkeit, eine angepasste Installations-CD, die nur die erforderlichen Pakete enthält, zu erstellen, sowie einen Installations-Server im Netzwerk aufzusetzen. Unter Open Suse fehlen oft nicht nur die zugehörigen Pakete dafür, sondern auch die grafische Oberfläche zur Konfiguration.