Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2007
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Bugzilla

Bugzilla [6] ist der bekannteste und am weitesten verbreitete Open-Source-Bugtracker (Abbildung 3). Er ist in Perl programmiert. Die Installation von Version 2.22.1 verlief schnell und problemlos: Ein Skript prüft, ob alle nötigen Perl-Module vorhanden sind, installiert sie aber nicht automatisch. Da dies »cpan Kategorie::Modul« jedoch komfortabel erledigt, entsteht kein großer Nachteil.

Abbildung 3: Bugzilla ist die verbreitetste und leistungsstärkste Bugtracking-Software. Bei kleineren Projekten erweist sich der Featurereichtum jedoch leicht als Effizienzbremse.

Die Bugzilla-Oberfläche wirkt leicht angestaubt, ist jedoch übersichtlich gestaltet und integriert alle administrativen Funktionen. Bei kleinen Projekten erweist sich allerdings die Zahl der eingebauten Funktionen und Bedienelemente eher als störend, auch wenn die umfassende Dokumentation beim Verständnis hilft: Besonders praktisch ist, dass viele Bedienelemente einen direkten Link zum entsprechenden Kapitel im Handbuch enthalten. Der Bugzilla Guide auf der Homepage bietet viele weiterführende Informationen.

Bugzilla erlaubt es, Projekte (Produkte) hierarchisch in Komponenten zu untergliedern. Die Produkte lassen sich ihrerseits über Klassifizierungen genauer gruppieren. Die Anwendung ordnet die Tickets innerhalb der Produkte außerdem nach Plattform und Betriebssystem sowie nach Priorität und Dringlichkeit. Innerhalb von Produkten sorgen Meilensteine und Produktversionen für eine bessere Übersicht. Zusätzlich können die Benutzer über die Wichtigkeit abstimmen. Innerhalb eines Produkts lässt sich eine Schwelle für die Stimmenanzahl festlegen, ab der Tickets automatisch als bestätigt gelten.

Der Bugtracker erlaubt vielfältige Beziehungen zwischen den Tickets: Ein Bug lässt sich als Duplikat eines anderen kennzeichnen und wird damit automatisch geschlossen. Der Administrator kann außerdem festlegen, dass erst ein bestimmter Bug korrigiert werden muss, bevor sich ein davon abhängiger schließen lässt. Ein Abhängigkeitsbaum stellt die Relationen grafisch dar.

Besonders für Open-Source-Projekte nützlich ist das so genannte Whining (Jammern): Die Entwickler arbeiten hier meist über weite Distanzen verstreut und oft nur sporadisch an einem Projekt. Die Funktion hilft zu verhindern, dass Probleme in Vergessenheit geraten, indem es in regelmäßigen Abständen Erinnerungsmails verschickt.

Zwei weitere Features runden das umfangreiche Leistungsspektrum ab: Der Patch Viewer vergleicht vorhandene Patches und hebt Änderungen farblich hervor. Eine vollständig über die Webschnittstelle zu bedienende Reportfunktion zeigt einen grafischen oder tabellarischen Überblick über den Entwicklungsstand der Produkte. Ausgangsbasis für Reports ist eine Suche mit der recht leistungsstarken Suchfunktion. Die so entstandenen Kriterien-Sets lassen sich dauerhaft speichern.

Mantis

Das Bugtracking-System Mantis [7] basiert auf PHP. Die Installation des ausgereiften Systems ist einfach: Nach dem Entpacken des Archivs in das Webserver-Verzeichnis erfolgt bereits das Setup der Datenbank über die Weboberfläche. Die ist wegen ihrer grellen Farben etwas gewöhnungsbedürftig (Abbildung 4), aber übersichtlich und intuitiv zu bedienen. Die Sprache lässt sich ohne weitere Installation zur Laufzeit wählen.

Abbildung 4: Das PHP-basierte Mantis ist schnell installiert. Die oft recht oberflächliche Dokumentation erschwert es jedoch, das System den eingenen Vorstellungen anzupassen.

Mantis kennt nur zwei Objektklassen, nämlich Tickets (hier Probleme genannt) und Projekte. Ein Projekt kann andere Projekte enthalten, sodass sich eine Hierarchie aufbauen lässt. Die Mantis-Übersichtsseite enthält einen Überblick über die wichtigsten Probleme: Hier zeigt die Software Tickets unter den Rubriken »Nicht zugewiesen«, »Von mir bearbeitet« und »Vor kurzem bearbeitet« an. Die Rubriken und Nummern der einzelnen Tickets stellt Mantis als Links dar, die zur Detailansicht führen.

Mantis bietet zwei Einzelansichten für Tickets mit unterschiedlicher Ausführlichkeit. Bei der erweiterten Ansicht passen selbst bei einem 21-Zoll-Bildschirm nicht alle Daten auf eine Bildschirmseite. Allerdings lassen sich die einzelnen Abschnitte bei Bedarf zuklappen.

Das Handbuch von Mantis bietet oft nicht genügend Informationen: In vielen Fällen beschränkt es sich darauf, einzelne Komponenten kurz zu beschreiben oder nur aufzulisten, erläutert aber deren Bedienung nicht. Die Dokumentation auf der Homepage ist als Forum aufgebaut, in dem Benutzer Informationen hinzufügen können. Leider erschweren doppelte Einträge und unbeantwortete Fragen die Übersicht.

Mantis integriert die Benutzerverwaltung in die Weboberfläche, enthält aber keine vollwertige Gruppenfunktion: Es gibt zwar Rollen, aber diese definieren nur allgemein Zugriffsrechte wie zum Beispiel die Berechtigung, Projekte zu erstellen oder Benutzer zu verwalten. Sie regeln nicht den Zugriff auf einzelne Projekte. Um den Zugang der Benutzer auf bestimmte Projekte zu beschränken, lassen sich diese als privat kennzeichnen. Der Zugriff ist dann nur für zugeordnete Benutzter erlaubt. Die Zuordnung muss der Admin jedoch für jeden Benutzer einzeln herstellen.

Mantis versendet bei jeder Statusänderung E-Mails an alle Beteiligten (den Einsender, den Zuständigen sowie alle, die Beschreibungen eingetragen haben). Der E-Mail-Versand lässt sich über den Access-Level, den die Benutzer für das Projekt haben, einschränken. User können auch Bugs gezielt überwachen.

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