Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2007
© photocase.com

© photocase.com

Intelligenter Filtermechanismus mit Qmail, Spamassassin und separaten IMAP-Ordnern

Müllsortierung

Normalerweise landen alle im Posteingang: gewünschte E-Mails, als Spam erkannter und der nicht erkannte Müll. Dieser Artikel entwickelt anhand von Qmail und Spamassassin eine Methode, die einerseits klassifizierten Spam in einen separaten Ordner schiebt und andererseits lernende Ordner einrichtet.

430

Praktisch alle Internet-Freemailer sind mit Antispam-Features ausgestattet. Die meisten Systeme verschieben erkannte Spam-Mails in einen separaten Ordner und erzeugen tägliche Spam-Reports und schicken sie dem Kunden als E-Mail zu. Der Report informiert über den aktuellen Stand und den Befüllungsgrad des Spamverdacht-Ordners. Anhand dieser Informationen entscheidet der Kunde, ob er eine Exkursion in diesen Ordner unternehmen muss, um vermeintlich als Spam erkannte Mails (so genannte False- Positives) zurück ins heimische Postfach zu holen.

Zudem erlauben die meisten Anbieter das benutzerspezifische Erlernen von neuen Spam-Mustern. Dazu markiert der Kunde entweder im Webinterface die Werbebotschaften als Spam. Oder er verschiebt die Spam-Mails in einen extra Ordner, wenn er einen IMAP-Mailclient benutzt. Derart gebrieft kann der Spamfilter bessere Arbeit leisten. Die Features des gemeinen Freemailers stünden auch selbst administrierten Mailservern gut zu Gesicht, darum lohnt es sich, über eine ähnliche Implementierung nachzudenken. Genau dies tut der Artikel.

Qmail als zügig zu konfigurierender MTA

Als Mail Transfer Agent kommt der einfach zu konfigurierende Dienst Qmail [1] zum Einsatz. Er bezieht seine Daten via Vpopmail [2] aus einer MySQL-Datenbank. So ist es leicht, mehrere virtuelle Domains und User anzulegen und zu modifizieren. Der Filter ist Spamassassin, angesprochen von Qmail Scanner. Die Installation gelingt anhand des Howto unter [3], hier im Beispiel unter Gentoo Linux. Um die Zuverlässigkeit von Spamassassin zu verbessern, ist dessen Bayes-Filter zu trainieren und zu aktivieren.

Qmail bietet eine einfache Schnittstelle, um Mails zu bearbeiten, noch bevor der MTA sie in eine Mailbox sortiert. Hierzu kann Qmail ein beliebiges Programm aufrufen, beispielsweise ein selbst gestricktes Perl-Skript. Aber um Mails - durch deren Header gesteuert - in unterschiedlichen Maildirs abzulegen (ein gängiges Ablageformat, in Konkurrenz zu Mbox), eignet sich besonders das kleine Programm Maildrop [4], das fast jede Distribution mitbringt.

Maildrop zum Sortieren

Der ursprüngliche Mail Delivery Agent des Courier-Mailservers konfiguriert sich zentral über die Datei »/etc/maildrop.conf«. Sie lässt sich per Kommandozeilen-Parameter durch eine andere ersetzen. Das ist nützlich, wenn unterschiedliche Einstellungen für mehrere Domains nötig sind. Damit Qmail Maildrop bei jeder E-Mail aufruft, muss es in der entsprechenden ».qmail-default«-Datei eingetragen sein: »| maildrop« beziehungsweise mit Parameter »| maildrop /Pfad_zur_Konfigdatei«.

Die ».qmail-default«-Datei für eine ganze Domain wäre in diesem Aufbau zum Beispiel »/var/vpopmail/domains/jansen-systems.de/.qmail-default«. Wer die User-spezifische Variante vorzieht, legt stattdessen »/var/vpopmail/domains/jansen-systems.de/Benutzer/.qmail-default« an. Maildrop arbeitet ähnlich wie Procmail und nimmt die Mail komplett über Stdin an. Allerdings behält es überlange Nachrichten nicht im Speicher, sondern lagert Teile auf die Festplatte aus, was auf stark frequentierten Servern den Arbeitsspeicher schont.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Spam-Boykott

    Antispam-Firmen, die selber spammen, welche, die das Medium E-Mail nicht verstehen, und solche, die ihre Appliance nur mit Begleitschutz aus dem Haus lassen: Anekdoten aus dem Testlabor.

  • Safer Mail

    Der Betrieb eines Mailservers wie QMail in einem Netzwerk verlangt ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber den eigenen Nutzern, aber auch gegenüber anderen Mail-Admins. Die Aufgabe, den Server abzusichern, ergibt sich folglich bereits aus der Tatsache, dass man ihn überhaupt betreibt.

  • Spamfilter Dspam mit MySQL 5.5 unter AGPL

    Der freie Spamfilter Dspam ist mit neuen Features und neuer Lizenz in Version 3.10.0 erhältlich.

  • Tux liest

    Eines der bekanntesten und wirksamsten Softwareprodukte für die Spam-Abwehr ist Spamassassin. Das Programm ist ein Bestandteil des Apache-Projekts. Gleich zwei neue Bücher behandeln ausführlich die Einrichtung der Software und ihren Einsatz in der täglichen Praxis.

  • Greylite: Greylisting für Qmail

    Greylite, eine Greylisting-Implementierung für den Mailserver Qmail, ist in Version 1.1 erschienen. Erst vor wenigen Tagen gab es die erste öffentliche Release des freien Programms.

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2016

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.