Open Source im professionellen Einsatz

Gipfeltreffen: Erstes Eclipse Summit Europe 2006

Freundlicheres Wesen

Eclipse sieht sich mit über 60 Prozent als meistbenutzte Java-IDE. Die vom Kern abgespaltene Rich Client Platform (RCP) würden die Verantwortlichen den Entwicklern gerne im gleichen Maß näher bringen, vor allem aber schneller als Microsoft das Dotnet-API.

Vom Embedded- (E-RCP) bis zum Grid-Computing (G-Eclipse) reicht die Tragfähigkeit der Rich Client Platform nach Meinung der Eclipse-Foundation. In dieser Applikationsplattform sieht Mike Milinkovich, Executive Director der Eclipse Foundation, ein wichtiges Standbein.

In den nächsten Jahren werde Microsoft Millionen ausgeben, um Firmen zu überzeugen, das Dotnet-API zu verwenden, fürchtet er. Dass die Eclipse-RCP eine starke Alternative ist, belegen nach Meinung des Foundation-Vorstands zahlreiche Projekte, etwa die Maestro-Software der Mars-Mission der NASA.

Gebrauchsfertig

Beim Eclipse Summit Europe [http://www.eclipsecon.org/summiteurope2006/] Anfang Oktober in Esslingen beschäftigte die rund 300 Teilnehmer, die die Veranstaltung restlos ausgebucht (Abbildung 1) hatten, aber nicht nur die Programmierung neuer Anwendungen, sondern auch die kommende Eclipse-Release 3.3 "Europa".

Abbildung 1: Überfüllte Vortragsräume waren beim Eclipse Summit die Regel.

Abbildung 1: Überfüllte Vortragsräume waren beim Eclipse Summit die Regel.

Jeff McAffer, Leiter des Equinox-OSGi- und des Eclipse RCP-Projekts machte dem Auditorium Hoffnungen auf verbesserte Gebrauchstauglichkeit (Abbildung 2). War bei der aktuellen Release die Integration möglichst vieler Subprojekte das Ziel, hat bei der "Europa"-Ausgabe ein möglichst rundes Gesamtprodukt Vorrang.

Abbildung 2: Jeff McAffer stellte die "Europa"-Release vor.

Abbildung 2: Jeff McAffer stellte die "Europa"-Release vor.

Optimierte Performance beim Einsatz vieler Plugins, verbessertes Fehlerverhalten und eine überarbeitete Druckfunktion unter GTK sind zu erledigende Unterpunkte. "Europa" bringt zudem Änderungen im Detail, etwa Erweiterungen an JFace und Features wie Speichern im Hintergrund beim Texteditor.

Das Feld der Kompatibilität beackern die Entwickler mit der Unterstützung von Java 6, der Portierung von SWT auf Windows Vista, Server-Side Equinox und der Kompatibilität der PDE- mit anderen OSGi-Plattformen. Viel Arbeit bis zur vorgesehenen Release im Juni 2007, zumal auch noch ein großes Reinemachen bei den APIs ansteht: Dass es vier verschiedene Mechanismen zum Speichern von Preferences in Eclipse gibt, ist ein Punkt für die API-Säuberung. Auf Kosten der Funktionalität sollen die Änderungen nicht gehen.

Frische Ware

Neue Eclipse-Funktionen gab es bei der Vorführung unveröffentlichter Features der Java Server Faces Tools (JSF) und des Ajax Toolkit Framework (ATF) zu sehen, unter anderem einen grafischen Editor für den Flow von JSF-Webanwendungen, einen DOM-Inspektor und eine CSS-View mit Live-Editing-Fähigkeiten. Einen ersten Eindruck bietet der Screencast auf [http://www.eclipse.org/atf/flash/]. Die Rich Ajax Platform (RAP) zählt ebenso zu den Neuerungen. Sie ermöglicht die komplette Nachbildung einer Eclipse-Oberfläche im Webbrowser mit HTML und Javascript, wobei die Entwicklung sich kaum von den gewöhnlichen RCP-Applikationen unterscheidet.

Bei einem der spontan organisierten Meetings am Abend gab es zudem eine Markup-Sprache für die RCP zu sehen und zu diskutieren. Mit dieser RCML [http://www.rcml.net] lassen sich RCP-Anwendungen aus XML und Scripting-Elementen erstellen.

Auch die Vorteile des Open-Source-Entwicklungsmodells kam zur Sprache. An Eric Raymonds Aufsatz erinnernd, sagte Mike Milinkovich, dass die kathedralenartige Plugin-Architektur nötig sei, um einen Basar wie das Eclipse- Ökosystem zu ermöglichen. Ein freies Betriebssystem suchte der Besucher auf den Präsentations-Laptops allerdings vergebens. (uba)

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