Open Source im professionellen Einsatz

Tooltipps

Amsn 0.95

Video-Chat

Quelle: [http://amsn.sf.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Kopete, Ekiga

Plattformübergreifende Videokommunikation ist unter Linux ein eher heikles Thema: Das Gaimvv-Projekt wirft laut Forum gerade das Handtuch, Skype bietet nach wie vor nur einen Video-unterstützten Client für Windows XP an.

Zu den wenigen Alternativen gehört Amsn: Den Chatclient mit Video-Support gibt es sowohl für Apple- als auch für Linux-Nutzer, die über Alvaros Messenger entweder mit anderen Amsn-Nutzern oder mit der MSN-Welt reden wollen. Andere Chatprotokolle wie Jabber oder ICQ unterstützt Amsn nicht. Um den Client zu nutzen, kommt man nicht darum herum, einen Account bei MSN anzulegen - für viele Linux-Nutzer sicherlich ein K.-o.-Kriterium.

Die Webcam-Funktion realisiert das Projekt über Tcl/Tk. Sitzt der Webcam-Besitzer hinter einem Router mit NAT, muss er die TCP- und UDP-Ports 6890 bis 6900 forwarden. In den Einstellungen findet der Videojockey auch eine Möglichkeit, um die Kamera zu testen.

Leider fehlt Amsn der Audio-Support, Experimente mit Linphone brachten offensichtlich keine zufrieden stellenden Resultate. Die Entwickler halten zwar eine künftige Implementierung für möglich, konzentrieren sich aber zunächst auf die Verbesserung der Video-Übertragung und des integrierten Chatclients. Der beherrscht viele der Funktionen des originalen MSN-Clients: Ist ein Chatpartner gerade offline, lässt der andere ihm über ein internes Nachrichtensystem eine Notiz zukommen, auch Filesharing - also den Austausch von Dateien - ermöglicht das Tool.

Fans knalliger Gadgets kommen mit einer Sammlung lustiger Smileys, zahlreichen Event-Sounds und diversen Skins auf ihre Kosten, Letztere gibt es auf der Webseite. Nicht so schön sehen die Schriften aus: Sie sind nicht antialiased. Die FAQ verweist auf einen recht mühsamen Umweg, die Buchstaben zu glätten - ob der Aufwand lohnt, muss wohl jeder selbst entscheiden.

Wer den Client oft benutzt, kann sein Profil abspeichern und sich so schneller anmelden. Sitzen verschiedene Personen vor einem Rechner, loggt sich jeder mit seinem eigenen MSN-Profil ein. Die Chat- und Video-Sitzungen protokolliert Amsn wahlweise mit, über Black- und Whitelists reguliert der Nutzer, mit wem er reden will und mit wem nicht. Auch für die Sicherheit ist gesorgt: Amsn verschlüsselt die Datenübertragung mit SSL, auf Wunsch benutzt der Chatter einen Socks-5-Proxy.

Aus dem Programm heraus starten auch externe Tools: Ein Klick auf einen Link öffnet zum Beispiel einen zuvor bestimmten Browser. Über zahlreiche Plugins, die der Nutzer auf der Amsn-Webseite findet, erweitert er den Messenger um zusätzliche Funktionen, deren Nützlichkeitsgrade aber variieren.

****- Amsn gehört zu den wenigen Clients mit Video-Support, bringt eine Reihe netter Features mit und passt sich Änderungen am MSN-Protokoll vergleichsweise schnell an. Die mangelnde Audio-Unterstützung und das fehlende Antialiasing fallen damit weniger ins Gewicht. (Kristian Kißling)

Bing 1.0.4

Datendurchsatzmesser

Quelle: [http://fgouget.free.fr/bing/]

Lizenz: BSD

Alternativen: Netperf, Ttcp, Nttcp

Wer bei Bing nicht an Bingo, sondern an den Ping-Befehl denkt, liegt richtig: Das Tool kalkuliert auf der Kommandozeile den realen Datendurchsatz einer Netzwerkverbindung zwischen zwei Computern, wobei es sich auch um zwei externe Rechner handeln darf. Es ist Teil vieler Distributionen und dient Diagnosezwecken.

Als Abkömmling des Ping-Befehls setzt Bing zum Messen auf ICMP - »ECHO_REQUESTS«. Es schickt ein Datenpaket auf die Reise und kalkuliert aufgrund der Roundtrip-Zeiten (RTT), wie groß die reale Bandbreite zwischen den beiden Rechnern ungefähr ist, und zwar unabhängig von der Netzauslastung. Die Hochrechnung auf Basis empirischer Werte krankt mitunter daran, dass einige Router ICMP-Pakete bevorzugen und das Ergebnis verfälschen.

Die Schreibweise des Kommandos lautet schlicht »bing IP-Adresse1 IP-Adresse2«. Nach dem Abbruch liefert Bing eine Übersicht seines Treibens. Über eine Hand voll Optionen ist das Tool an eigene Bedürfnisse anzupassen.

**--- Wie häufig man Bing im Alltag braucht, bleibt offen, da es nicht 100-prozentig genau arbeitet. Bei groben Problemen mit der Bandbreite kann es aber nützlich sein. (Kristian Kißling)

Ddclient 3.7.0

Dyn DNS

Quelle: [http://ddclient.sf.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Rundns, Anydyn, Inadyn

Von unterwegs auf Dienste des heimischen Rechners zugreifen? Kein Problem: Dyn-DNS-Anbieter wie Dynamic Network Services oder No-IP vergeben - partiell kostenlos - Hostnamen an Privatnutzer. Über die Adresse [http://linuxfreak.dyndns.org] erreicht der Linux-Freund seinen Rechner dann endlich auch aus dem Urlaubsort.

Nutzer mit einer statischen IP-Adresse müssen sich nur einmalig bei der Seite des Dyn-DNS-Providers anmelden, in der Regel vergeben Internetprovider die IP-Adressen allerdings dynamisch. Daher braucht der Dyn-DNS-Server immer die aktuelle öffentliche IP. Einige Router schicken die neue IP-Adresse von sich aus an den Dyn-DNS-Provider, andernfalls übernehmen kleine Programme wie Ddclient diesen Job.

Das Tool bezieht die IP-Adresse entweder über das Router-Interface oder erhält sie von einer Webseite, die die öffentliche IP-Adresse anzeigt. Über den Eintrag »fw-skip=« in der Datei »ddclient.conf« definiert der Anwender, an welche Stelle im Quelltext der Seite Ddclient springen soll, um die dort stehende IP-Adresse auszulesen. In dieselbe Datei schreibt der Benutzer auch die Zugangsdaten seines Dyn-DNS-Anbieters. Ddclient zeichnet sich dadurch aus, dass es bereits Teil der meisten Distributionen ist, sich einfach konfigurieren lässt und mit einer Reihe aktueller Router zurechtkommt.

***-- Insgesamt arbeitet Ddclient solide, es ist Shareware wie zum Beispiel Runddns deutlich überlegen. Komfortabler wäre es aber, wenn das Programm schon per Default die öffentliche IP auflösen würde. (Kristian Kißling)

Lftp 3.5.2

Download-Manager

Quelle: [http://lftp.yar.ru]

Lizenz: GPL

Alternativen: Ftp, Gftp-text, Lukemftp

Der FTP-Client von Alexander V. Lukyanow hat es in sich: Über die Kommandozeile schiebt er Daten zwischen lokalen Rechnern und entfernten Servern hin und her, wobei er zahlreiche Protokolle wie FTPS, HTTPS, HFTP, FISH, SFTP und teilweise Webdav unterstützt. Einen unterbrochenen Download setzt der Client dank eingebauter Resume-Funktion an derselben Stelle fort. Bash-Benutzer werden ihre Freude daran haben, einen Job über »&« in den Hintergrund zu verbannen und das Durchforsten eines FTP-Baums fortzusetzen.

Für die Transfers bestimmt der Lftp-Nutzer bei Bedarf einen anderen Zeitpunkt, per Traffic Shaping regelt er die Bandbreite für ausufernden FTP-Datenverkehr. Eine Reihenfolge für die anstehenden Downloads legt er auch fest und spiegelt zudem Dateibäume samt ihren Rechten. Dank der Pget-Option lädt er auch eine Datei über mehrere Verbindungen zugleich herunter.

Zusätzlich ermöglicht das Tool FXP, also den Transfer von Daten eines entfernten Servers zu einem anderen entfernten Server. Der lokale Rechner dient dabei als Zwischenstation, die die Daten auf ihrem Weg nur passieren. Lftp unterstützt auch Bookmarks, kennt IPv4 und IPv6, lässt sich über Skripte erweitern und behält das Verhältnis von Uploads und Download (engl. Ratio) im Auge.

****- Der Client beherrscht Dinge, bei denen andere FTP-Programme passen müssen: Das Starten von Jobs im Hintergrund, FXP-Unterstützung und der Download via Pget gehören dazu. Alles in allem erweist sich Lftp als echter Transport-Tycoon - einige vermissen vielleicht ein GUI. (Kristian Kißling)

Mp3blaster 3.2.2

Kommandozeilen-MP3-Player

Quelle: [http://mp3blaster.sf.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Alsaplayer-text, Randomplay, Cdplay

Jetzt tanzt auch der Sysadmin: Mp3blaster bringt Musik auf die Kommandozeile - auf Wunsch auch in einer Chroot-Umgebung. Dank der Ncurses-Bibliothek simuliert das textbasierte Tool Buttons und mutet ein wenig wie ein klassisches grafisches MP3-Interface an. Die Software spielt MP3, OGG und WAV-Dateien und wandelt auf Knopfdruck MP3- in WAV-Dateien um.

Der Umgang mit Internetstreams von Shoutcast oder Icecast gestaltet sich noch etwas hakelig: Mp3blaster spielt (noch) keine PLS-Dateien ab. Also lädt der Musikfreund die PLS-Datei herunter und grept die HTTP-Adresse heraus. Das klappt nicht bei OGG-Streams: Der Umgang mit dem freien Codec im Stromformat steht noch auf der Todo-Liste des Projekts, ebenso die Unterstützung für Flac. Die Shuffle-Funktion ermöglicht das zufällige Abspielen ganzer Alben wie in Multi-CD-Playern, auch Playlisten kann der Konsolen-Nutzer anlegen.

Ein wenig Gewöhnung ist nötig, um mit den
Tastenkombinationen zurechtzukommen: Bei Missfallen trägt der
Admin in die Konfigurationsdatei »~.mp3blasterrc«
einfach andere Shortcuts ein. Kompiliert er das Programm mit der
Option »--enable-newthreads«, verspricht der Autor
einen Geschwindigkeitsgewinn durch ein alternativ

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