Neues bei Debian
Debianopolis
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.
In einer E-Mail [1] lobte Debian Project Leader Anthony Towns kürzlich das von ihm eingeführte Prinzip eines Stellvertreters. Die Kooperation mit Steve McIntyre sei fruchtbar, ließ er wissen. Tatsächlich sind Beschwerden über den Project Leader seit dem Amtsantritt von Towns nebst Stellvertreter seltener. Von dieser Eintracht ist das Verhältnis zwischen dem Debian-Projekt und Cdrecord-Entwickler Jörg Schilling nicht geprägt.
Seit Monaten gibt es Zoff zwischen Verantwortlichen des Debian-Projekts und Jörg Schilling. Stein des Anstoßes ist dessen bekanntestes Programm: Cdrecord. Massiv hat sich Schilling darüber beschwert, dass Debian seine Software in einer modifizierten Version ausliefere, ohne dies kenntlich zu machen. Er sieht dadurch sein Ansehen beschädigt.
Unter anderem hat Debian eigene Patches beigesteuert, die den Umgang mit SCSI-Laufwerken unter Kernel 2.6.x regeln sollen. Außerdem streitet er sich mit dem Projekt darüber, ob die Lizenz von Cdrecord, die CDDL (Common Development and Distribution License), mit den DFSG (Debian Free Software Guidelines) vereinbar sei.
Im August unternahm Joerg Jaspert von Debian einen letzten Vermittlungsversuch [2]. Jaspert hatte zuvor über ein paar Versionen hinweg zusammen mit Eduard Bloch das Cdrecord-Paket gepflegt. Kern seines Vorschlags war, die Codebasis zu forken und eine Art Debianburn zu schaffen, das die für Debian notwendigen Features aufweist.
Nur wenig später holte Schilling gar nicht zimperlich zum Gegenschlag [3] aus und forderte Eduard Bloch rauszuwerfen, weil er "Debians größtes Problem in den letzten Jahren sei". Schilling kritisiert auch, dass Debian Änderungen am Quelltext vorgenommen hat; das Projekt solle einfach den unveränderten Quelltext verwenden, fordert er, weil dieser "einfach funktioniert". Dabei ist es nicht unüblich, dass Distributoren an manchen Stellen Änderungen am Quelltext vornehmen, um ein Tool an das eigene System anzupassen.
Schließlich macht Schilling den Entwicklern den Vorwurf, sie hätten die CDDL-Lizenz allesamt nicht verstanden. Die Sorge der Entwickler und Benutzer wegen der Inkompatibilität der CDDL-Lizenz mit der GNU GPL wischt er beiseite und erklärt die GNU-Lizenzliste in diesem Punkt für falsch.
Dass Debian den Vorschlag von Jaspert befolgt und eine ältere Version von Cdrecord forkt, wäre ein gangbarer Weg. Andererseits gibt es Brennprogramme, die nicht von Schilling stammen. Mancher stellt sich die Frage, ob der Aufwand eines Forks notwendig ist.
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