Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2006

13 Laserdrucker und Multifunktionsgeräte im Test

Business Class

Ob für Flugpläne, Wetterprognosen oder einfache Briefe: Drucker sind kurioserweise an Flughäfen zahlreicher als Flugzeuge. Diesmal jetteten die Tester des Linux-Magazins zum Flughafen München, um bei 13 Geräten zu untersuchen, ob sie auf der Langstrecke mithalten können.

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Wenn Unternehmen Drucker oder Multifunktionsgeräte anschaffen, achten sie auf ganz andere Kriterien als kleine Büros oder Privatpersonen. Die Geräte müssen nicht nur dauerhaft wirtschaftlich arbeiten, sondern besonders leicht bedien- und wartbar sein, um Support-Anfragen zu minimieren. Der Kaufpreis allein, die Garantiedauer und die Druckqualität von Urlaubsfotos spielen kaum eine Rolle.

Natürlich schafft es auch ein hochmoderner Betrieb wie der Flughafen München nicht, das Papier als Informationsträger zu verbannen, trotz hunderter Displays und mobiler Computer. Die Anforderungen an Drucker und Multifunktionsgeräte unterscheiden sich kaum von denen anderer Unternehmen, Druckkosten, Qualität, Bedienung und Wartung sind die wesentlichen Punkte, die die IT-Abteilung des Münchner Flughafens anlässlich einer großen Beschaffung zusammen mit dem Linux-Magazin untersuchte.

Insgesamt nahmen 13 Drucker und Multifunktionsgeräte von den Herstellern HP, Lexmark, Konica-Minolta, Kyocera und Oki am Test teil, die Kriterien für die Auswahl der Geräte sind im Kasten "So haben wir getestet" beschrieben. Außerdem durfte das Linux-Magazin einen Blick auf Kyoceras neuesten Multifunktionskopierer KM-5050 werfen, die Eindrücke sind im Kasten "Kyoceras Multifunktionskopierer" beschrieben.

So haben wir
getestet

Um den Test dieser Gerätekategorien mit ihren hohen Seitenleistungen besonders praxisnah zu gestalten, führte die Redaktion sämtliche Messungen und die Bewertung in Zusammenarbeit mit Andreas Haumberger, Projektleiter und Systems Engineer, und Oliver Kluge, technischer Qualitätsmanager des Flughafens Münchens durch.

Die Basis für die Geräteauswahl war eine Preisanfrage des zweitgrößten Flughafens in Deutschland im Rahmen einer seit längerem laufenden Beschaffung mehrerer hundert Drucker. Dabei wurden von verschiedenen Herstellern Angebote für Multifunktionsgeräte mit Fax für einzelne Arbeitsplätze, Abteilungsdrucker und Multifunktionskopierer für Abteilungen eingeholt. Die Angebote von Ricoh und Xerox erübrigten sich schnell als zu teuer, weshalb diese Hersteller bereits in der Vorauswahl scheiterten, genau wie Canon mit einem trotz Nachfrage unvollständigen Angebot. Übrig blieben insgesamt 13 Geräte von HP, Lexmark, Konica-Minolta und Kyocera. Um das Testfeld abzurunden, steuerte die Redaktion noch einen Farblaserdrucker Oki C5900 bei.

Für den gemeinsamen Test stellte der Flughafen einen Raum mit Netzwerkinfrastruktur und einen Testrechner für die Redaktion zur Verfügung. Die Standardinstallation des Red Hat Advanced Server 4 erweiterten die Flughafen-Admins für den Test lediglich um »kprinter«, womit sich auch Zusatzfunktionen wie Schachtsteuerung und Pin-geschützte Ausdrucke komfortabel testen lassen.

Die Testdokumente

Die Druckgeschwindigkeit und -qualität ermittelten die Tester mit den aus [1] bekannten Vorlagen: Sie druckten den Grauert-Brief und das Office-Dokument mit farbigen Unterlegungen, Grafiken und Diagrammen direkt aus Open Office heraus. Der Ausdruck komplexer Grafiken am Beispiel einer von Adobe Illustrater exportierten Postscript-Datei (Abbildung 12) wurde gegenüber dem Office-Dokument geringer gewichtet, da Dokumente wie Präsentationen deutlich seltener gedruckt werden als Briefe und Texte mit Grafiken. Das Foto des Druckertest-Models Bianca spielte bei der Bewertung fast keine Rolle, da keine Fotodrucker unter den Testkandidaten waren. Die 44 MByte große Binär-Postscript-Datei, sie stammt aus Adobe Photoshop für Mac-OS X, sollte lediglich zeigen, ob die Drucker auch mit sehr großen Dokumenten umgehen können.

Abbildung 12: Die Farbverläufe, komplexen Muster und hauchdünnen Linien der Testdatei erlauben es, die Druckqualität der Geräte sehr einfach miteinander zu vergleichen.

Bei der Gesamtnote lagen die Schwerpunkte auf den Verbrauchskosten sowie auf der Handhabung. Letzteres ist in Unternehmen besonders wichtig: Die Anwender sollten im Idealfall selbst den Toner wechseln und Papierstaus beheben können, da jeder Vor-Ort-Service der IT-Abteilung zusätzliche Kosten verursacht. Der reine Kaufpreis und die Garantieleistungen auf der anderen Seite sind nicht entscheidend, da viele Firmen maßgeschneiderte Wartungsverträge abschließen.

Die Verbrauchskosten ermittelten die Tester bei den Druckern und Kopierern von HP, Lexmark und Oki, indem sie einen kompletten Tonersatz leerdruckten. Dazu verwendeten sie zwei Schachbrettmuster in Schwarz und in den drei Grundfarben aus [1]. Die in Tabelle 1 angegebene Reichweite ist auf fünf Prozent Deckung heruntergerechnet.

Pay per Page

Konica-Minolta und Kyocera bieten für ihre Geräte Pay-per-Page-Modelle an, bei denen der Kunde für jede gedruckte Farb- und Schwarz-Weiß-Seite einen festen Seitenpreis bezahlt und keine Verbrauchsmaterialien kaufen muss. Konica-Minolta war jedoch grundsätzlich nicht bereit, die Pay-per-Page-Preise zu veröffentlichen, sodass in Tabelle 1 ein aus der Herstellerangabe hochgerechneter Seitenpreis angegeben ist. Je nach Verhandlungsgeschick und Volumen können die Druckkosten auch niedriger liegen. Da nur Kyocera Pay-per-Page-Preise nannte, die nicht mit den herkömmlichen Verbrauchskosten vergleichbar sind, listet Tabelle 1 bei den Kyocera-Geräten ebenfalls nur hochgerechnete Verbrauchskosten auf.

Das Testfeld gliedert sich in drei Gruppen: Multifunktionsgeräte für einzelne Arbeitsplätze und kleine Gruppen, Abteilungsdrucker in Schwarz-Weiß und Farbe sowie A3-Multifunktionskopierer.

Kyoceras
Multifunktionskopierer

Als Vertreter der Multifunktions-Digitalkopierer schickte Kyocera zunächst das etwas betagte Modell KM-3035 ins Rennen. Die Japaner tauschten es dann während der Tests gegen ein Vorseriengerät des Nachfolgers KM-5050 aus. Dessen Firmware, ein Embedded Linux, befand sich allerdings noch in der Entwicklung, deshalb erlaubte Kyocera keine Qualitäts- und Leistungstests mit dem Gerät.

Neue Generation

Die nominelle Druckleistung des KM-5050 gibt der Hersteller mit 50 Seiten pro Minute an, das maximale Papierformat ist A3. Äußerlich unterscheidet sich der gut 9300 Euro teure KM-5050 (Abbildung 3) nur geringfügig von seinem Vorgänger. Kyocera nutzte den Modellwechsel jedoch für einige Verbesserungen: Das Display ist ein farbiges TFT mit Touchscreen und die Steuerung der Scan-Einheit ist in den Drucker-Controller integriert, sodass es nur noch einen Netzwerkanschluss gibt statt zwei wie beim KM-3035.

Abbildung 3: Kyocera lieferte ein Vorserienmodell des Multifunktionskopierers KM-5050, dessen Linux-Firmware noch nicht fertig war. Qualitäts- und Leistungstests waren deshalb nicht erlaubt.

Bei Störfällen wie Papierstaus oder Wartungsarbeiten führt eine Kontexthilfe den Anwender durch alle notwendigen Schritte. Daneben kann der Benutzer über einen Index eine Kurzanleitung zu den meisten Druck- und Scan-Funktionen abrufen, etwa wie er ein Dokument einscannt und an eine E-Mail-Adresse aus dem LDAP-Adressbuch verschickt. Die mehrseitige Anleitung erklärt die Schritte zwar sehr anschaulich, der Benutzer muss sie sich jedoch merken, denn es ist weder möglich, die Hilfefunktion kurzzeitig auszublenden um die Anleitung umzusetzen, noch lassen sich die betreffenden Seiten ausdrucken.

Acrobat Reader eingebaut

Auch für das Handbuch war offenbar kein Platz auf der ab Werk eingebauten 40 GByte großen SATA-Festplatte. Dabei kann der KM-5050 nicht nur PDFs direkt ausdrucken, er verfügt über einen Acrobat Reader, der die Dokumente auf dem TFT-Display anzeigt und den Benutzer einzelne Seiten auswählen lässt. Es wäre also kein Problem, das 18 MByte große Handbuch-PDF ständig auf der Festplatte vorzuhalten und die jeweiligen Kapitel mit der Hilfefunktion zu verknüpfen. Der Benutzer könnte dann zwischen der Kurzanleitung und der ausführlichen Beschreibung aus dem Handbuch wählen.

Das Bedienkonzept weist ebenfalls noch Ungereimtheiten auf. Für komplexere Funktionen wie Scan-to-Mail oder das Ausdrucken von gespeicherten Dokumenten muss der Anwender den Touchscreen benutzen, die Zehnertastatur nebst Zusatztasten wie [Start], [Stop] und [Reset] nützen hier nichts. Dass [Reset] den KM-5050 nicht wieder in den Standard-Betriebsmodus zurückversetzt, sondern der Benutzer zunächst mit Hilfe des Touchscreen wieder aus den verschiedenen Untermenüs rausnavigieren muss, ist nicht intuitiv: Tasten wie [Stop] und [Reset] müssen das Gerät aus jeder Betriebssituation heraus stets in den Standardmodus zurückbringen.

Seitlich am Bedienfeld besitzt der Kyocera KM-5050 einen USB-Anschluss, über den Dokumente von USB-Sticks ausgedruckt werden können. Der Dateibrowser zeigt dabei lediglich PDF- und Postscript-Dokumente an, alle anderen Dateien ignoriert der Kopierer. Trotzdem eröffnet der USB-Anschluss potenzielle Angriffsmöglichkeiten, die der Kasten "Der Drucker als Maulwurf" näher beleuchtet. Inwiefern der Kyocera KM-5050 angreifbar ist, müssen weitere Tests zeigen, Gleiches gilt für die Untersuchungen der Druckqualität und Leistungswerte.

Amerikanische Verhältnisse

Ein so aufwändiger Test fördert immer auch skurrile Details zu Tage: Während die meisten Hersteller ihre Geräte so fertigen, dass sie weltweit verkauft und eingesetzt werden können, scheint sich Lexmark auf Amerika spezialisiert zu haben. Das zeigt sich am deutlichsten an den Papierkassetten aller Lexmark-Drucker: Obwohl der Hersteller 500-Blatt-Kassetten bewirbt, passen partout keine 500 Blatt des in Deutschland üblichen 80-Gramm-Papiers hinein, sondern nur 470 bis 480. Der Grund dafür ist, dass die Papierfächer für 500 Blatt des amerikanischen Letter-Papiers gebaut sind, das dünner ist. Somit bleiben in Deutschland von jedem 500-Blatt-Paket 20 bis 30 Seiten neben dem Drucker liegen oder werden weggeworfen.

Spezialpapier für Lexmark

Auf das Problem der falschen Angaben in den Datenblättern und Produktspezifikationen angesprochen, empfahl Lexmark, doch einfach 75-Gramm-Papier zu verwenden, dann würden wie angegeben auch 500 Blatt in die Papierkassette passen. So kann die Firma vielleicht das Problem mit dem beworbenen und dem tatsächlichen Fassungsvermögen umgehen, eine praxistaugliche Lösung ist dies jedoch nicht - solche Papiere sind selten und kosten bis zu 20 Prozent mehr als herkömmliches Kopierpapier.

Ein weiteres Problem aller getesteten Lexmark-Drucker ist, dass die Papierfächer über keine Füllstandsanzeige verfügen und die Drucker erst sehr spät, bei 25 bis 27 Seiten, vor einem nahezu leeren Papierfach warnen. Wer größere Druckaufträge plant, muss also erst das Papierfach öffnen und nachsehen statt im Vorbeigehen den aktuellen Füllstand abzulesen.

Ebenfalls eine Lexmark-Familienkrankheit ist das Problem der automatischen Erkennung von Binär-Postscript-Dateien: Ab Werk sind die Drucker so eingestellt, dass sie binäre Postscript-Dateien automatisch erkennen sollten. Damit druckten sämtliche Lexmark-Geräte statt des Bianca-Testfotos jedoch hunderte Seiten Zeichenmüll. Erst wenn die Binär-PS-Unterstützung im Konfigurationsmenü permanent aktiviert ist, erkennt der Drucker die Postscript-Dateien automatisch und druckt sie richtig aus.

Lexmark ist andererseit einer der wenigen Hersteller, die für ihre Produkte Linux-Druckertreiber oder Verwaltungsprogramme anbieten. Das Lexmark-Verwaltungsprogramm, das für alle aktuellen Linux-Distributionen geeignet ist, bot im Test jedoch keine Vorteile zu Cups und »kprinter«, die Druckergebnisse unterschieden sich nicht.

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