Wenn Hoolywood Computersimulationen einsetzt, dann nicht wegen des Budgets: Softwarelizenzen und das Heer der Designer und Computer-Animateure kosten kaum weniger als aufwändige Kulissen. Doch auf dem Rechner lassen sich Wesen und Charaktere erschaffen, die über den Zauber von Kostüm und Kulisse weit hinausgehen.
Dieser Artikel stellt die wichtigsten Features des Open-Source-Programms Blender [1] vor. Als freie Software kommt es nicht nur für Projekte mit den Budgets der Filmbranche in Frage. Dennoch lassen sich mit der im Juli erschienenen Version 2.42 Animationen in Spielfilmqualität erstellen, wie das Kurzfilmprojekt "Elephants Dream" (Aufmachergrafik und [2]) beweist.
Man nehme
Folgende Zutaten benötigt ein solcher synthetischer Filmclip: Modelle, die die räumliche Geometrie der darzustellenden Objekte als Drahtgitterformen wiedergeben (Modelling), bilden die Basis. Eine realitätsgetreue Oberfläche überspannt das Gitter wie eine Haut (Shading). Virtuelle Lampen leuchten die noch unbewegte Szene schließlich wie ein echtes Filmsetting aus. Um die Szene zu animieren, sind mehrere Arbeitsschritte nötig: Besonders Bewegungen, bei denen sich Objekte verformen, erfordern einige Kniffe. Der Abschnitt "Animation" stellt die wichtigsten vor.
Stillleben
Während unser Gehirn bei einer perspektivischen Abbildung aus der Lichtschattierung spontan die räumliche Form erschließt, kann der Rechner bei einer schräg verlaufenden Linie nicht erkennen, ob der schräge Verlauf von der perspektivischen Darstellung räumlicher Tiefe herrührt (Abbildung 1). Anders als ebene Skizzen lassen sich räumliche Formen daher nicht einfach mit der Maus zeichnen, sondern nur über Konstruktionsverfahren erzeugen (Modelling).
Abbildung 1: Anders als dem menschlichen Auge erschließt sich Computerprogrammen die dritten Dimension nur über Konstruktionsverfahren, zum Beispiel die Extrusion eines Kreises.
Blenders Modeller muss sich vor anderen nicht verstecken: Neben Standardtools wie Extrusion oder Drehmaschinen-Objekten (Lathe Objects) beherrscht das Programm zum Beispiel auch Proportional Editing: Einfache Grundformen lassen sich durch Verschiebung der Maschen des Gitternetzes im 3D-Raum weiterverarbeiten. Dabei ist es schwierig, Formen mit glatten Übergängen ohne Brüche und Kanten zu erzeugen.
Beim Proportional Editing beeinflusst die Verschiebung eines einzelnen Punktes daher auch die benachbarten Punkte in Abhängigkeit vom Abstand. Die Abbildung 2 zeigt den Unterschied: Auf beiden Seiten der Kugel wurde nur ein Gitterpunkt bewegt, links ohne, rechts mit Proportional Editing. Blender unterstützt verschiedene Falloff-Typen, die festlegen, wie der Effekt mit dem räumlichen Abstand abnimmt.
Abbildung 2: Proportional Editing, bei dem die Verschiebung eines einzelnen Gitterpunktes die umgebenden ebenfalls beeinflusst, erleichtert das Erstellen glatter organischer Formen.
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