Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2006

Abgefeimte Perl-Tricks und benutzerfreundliches Oberflächendesign

Tux liest

,

Das Linux-Magazin stellt zwei englischsprachige Bücher über unterschiedliche Aspekte der Software-Entwicklung vor: "Perl Hacks" erforscht obskure Winkel der vielseitigen Skriptsprache, "Designing Interfaces" widmet sich ganz der Gestaltung von Benutzeroberflächen.

398

Kann es denn in Perl, dem Werkzeug für engagierte Tüftler und Extremprogrammierer, noch Hacks geben, die nicht schon woanders ausgewalzt wurden? Dem englischsprachigen O\'Reilly-Buch "Perl Hacks" gelingt es tatsächlich, eine lose Sammlung kurz gehaltener und locker beschriebener Kniffe zu präsentieren, von denen auch mancher Perl-Experte noch nie gehört hat.

Einige Hacks stellen wenig bekannte CPAN-Module vor. Das ist hilfreich, denn wer würde unter zehntausenden von Modulen zufällig auf Schmankerl wie »Contextual::Return«, »SQL::Library« oder »Smart::Comments« stoßen?

Eine Reihe von Produktivitätstipps hilft bei der täglichen Arbeit. Die aus dem Editor aufgerufene Testsuite, selbst geschriebene Debugger-Kommandos oder Tastendrücke sparende Programmierverfahren gestalten die Skriptproduktion effektiver. Einige Abschnitte wandeln allerdings auf fragwürdigen Pfaden: Warum sollte jemand mit aufwändiger und schwer lesbarer Syntax sicherstellen wollen, dass private Methoden und Variablen unantastbar bleiben, nur damit der nächste Hack wieder einen Weg zeigt, das Ganze auszuhebeln?

Abenteuerlich

Viele der vorgestellten Beispiele nutzen atemberaubende und zugleich zwielichtige Methoden, um Perl zurechtzubiegen. Durch Manipulation der Symboltabelle lassen sich zum Beispiel schlecht programmierte CPAN-Module flicken. In Perl 5 noch fehlende, aber unheimlich praktische Perl-6-Syntax kommt zum Zuge, indem der Sourcecode eines Skripts nach dem Start für den Anwender unsichtbar manipuliert wird. Perl erlaubt ja alles, was andere Sprachen verbieten, und die Perl-Hacks nutzen alle erdenklichen Winkelzüge.

Den in der Perl-Szene bekannten Autoren Chromatic, Damian Conway und Curtis Poe ist es gelungen, kurzweiliges Lesefutter für Perl-Experten zuzubereiten. Das Buch setzt allerdings große Perl-Kenntnis voraus, für Anfänger ist es nicht geeignet.

Info

Chromatic, Damian Conway, Curtis Poe:

Perl Hacks

O\'Reilly, 2006

296 Seiten

29 Euro

ISBN 0-596-52674-1

Interaktionsmuster

"Patterns for Effective Interaction Design" lautet der Untertitel des Buches von Jenifer Tidwell. Die Interaktions-Designerin reduziert die gesamte Welt der grafischen Mensch-Computer-Schnittstellen auf eine überschaubare Menge an Mustern (Patterns) - bewährten Lösungen zu Interaktionsproblemen, die immer wieder auftreten.

Gespickt mit Anweisungen, wann und wie sie eingesetzt werden, haben Patterns eine gewisse Ähnlichkeit mit Human Interface Guidelines. Anders als die abstrakten Richtlinien sind Patterns aber situationsbezogen und greifbar: "Row striping" beispielsweise erklärt kurz und knapp, wann und warum ein Entwickler die Hintergrundfarbe einzelner Zeilen in einer Tabelle abwechseln sollte. Andere Patterns wie Autocompletion sind komplexer: Hier stellt Tidwell detailliert mehrere Arten der automatischen Vervollständigung von Texteingaben vor und illustriert sie.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Prozess-Spion

    Einem Prozess bei der Arbeit auf die Finger sehen - unter Linux erlaubt das Ptrace. Das eingebaute Tool nutzen hilfreiche Debugger wie feindselige Prozess-Kidnapper gleichermaßen. Ein CPAN-Modul führt die Technik in Perl ein, und wo das nicht reicht, helfen in C geschriebene Erweiterungen weiter.

  • Eingriff ins Getriebe

    Wer bei der Webentwicklung alle Schritte vom Request bis zum Response im Detail kontrollieren will, muss sich tief ins Innere des Servers begeben. Perl-Programmierer greifen dafür zu Mod_perl.

  • Perl-Wettbewerb

    Mit dieser Ausgabe blickt das Linux-Magazin auf sein 13-jähriges Erscheinen zurück. Es gibt zudem einen runden Geburtstag zu feiern: Michael Schilli wird zehn - zwar nicht er, aber sein Perl-Snapshot.

  • Tux liest

    Administratoren lieben praktische Anleitungen für ihren Alltag. Doch das beste Rezeptbuch nützt wenig, wenn es nicht auch hinter die Kulissen schaut. Das aktualisierte Samba-Buch von Volker Lendecke und ein neuer Band mit Server-Hacks versuchen die Gratwanderung.

  • Tux liest

    Die am weitesten verbreitete freie Datenbank-Software ist MySQL. Direkt proportional dazu hat sich ein breites Literaturangebot entwickelt, sowohl zum Datenbankserver selbst als auch zur Anwendungsprogrammierung, beispielsweise mit PHP.

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.