Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2006
© photocase.com

© photocase.com

Mehrbenutzer-Editoren im Vergleich

Im Gleichschritt texten

Um gleichzeitig gemeinsam ein Dokument oder einen Quelltext zu bearbeiten, ist ein persönliches Treffen die einfachste und sozialste Option. Ist das unmöglich, helfen Mehrbenutzer-Editoren. Linux-Anwender haben die Wahl zwischen den drei Kandidaten Gobby, Mateedit und Moonedit.

523

Wikis, aufgezeichnete Änderungen in Open Office oder Versionsverwaltungssysteme sollen die gemeinsame Arbeit an Dokumenten erleichtern, egal wo die Beteiligten sich aufhalten. Solche Mittel helfen aber nicht, wenn ein Text oder Quellcode zeitgleich zu verändern ist. Ständiges Hin- und Herschicken oder Hochladen ersetzt synchrone Kommunikation nur ungenügend, denn es ist aufwändig und bei gleichzeitig vorgenommen Änderungen fehlerträchtig.

Wer die Möglichkeit zum persönlichen Treffen nicht hat, findet mit Mehrbenutzer-Editoren einen Ausweg. Bei dieser Variante der Texteditoren versammeln sich mehrere Benutzer in einer Onlinesitzung, um zeitgleich an einem Dokument zu arbeiten.

Als Vorbild dieser Softwaregattung gilt das kommerzielle und ausschließlich für Mac OS bereitstehende Programm Subethaedit [1]. Es bietet typische Editor-Features wie Syntax-Highlighting, dazu kommen eine Chat-Funktion und die einzigartige Möglichkeit, per Rechtevergabe einzelne Nutzer beispielsweise zu bloßen Zuschauern zu degradieren.

Außer dem Preis von 35 US-Dollar für die aktuelle Version und den nicht-öffentlichen Quellcode schlägt bei Subethaedit besonders negativ zu Buche, dass es nur unter Mac OS funktioniert. Gerade das gemeinsame Arbeiten an einem Text geschieht allerdings häufig von Rechnern aus, die mit verschiedenen Betriebssystemen ausgestattet sind. Linux-Nutzer haben derzeit zwischen drei Mehrbenutzer-Editoren die Wahl: Gobby [2], Mateedit [3] und Moonedit [4].

Testfeld bleibt klein

Entwickler des Textverarbeitungsprogramms Abiword [5] kündigten ebenfalls ein entsprechendes Plugin an, das allerdings auch nach fast zwei Jahren ein frühes Entwicklungsstadium noch nicht verlassen hat, in dem es noch unbenutzbar ist. Ein weiteres Projekt mit den Bezeichnungen Subpathetaedit und Liveedit [6] hat bis heute nur eine unhaltsarme Wiki-Seite veröffentlicht.

Moonedit

Bei Moonedit (Abbildung 1) handelt es sich im Gegensatz zu den Konkurrenten nicht um freie Software. Für nicht-kommerzielle Zwecke steht es trotzdem zum kostenlosen Download bereit, aber der Quellcode bleibt das Geheimnis des Entwicklers. Die letzte Veröffentlichung datiert von Januar 2005; eine Nachfolgeversion ist nicht angekündigt.

Abbildung 1: Moonedit steht als einziges Programm im Test nicht unter einer freien Lizenz. Das Paket enthält Server und Client lediglich als Binärprogramme.

Das Moonedit-Archiv enthält zwei ausführbare Dateien: »me« startet den grafischen Client und »meserver« einen dedizierten Server. Er bietet vor allem dann Vorteile, wenn er auf einem Server ohne grafische Oberfläche läuft oder wenn es keinen Client gibt, der eine Sitzung permanent bereitstellt.

Als einziger Mehrbenutzer-Editor setzt Moonedit statt auf das gängige TCP-Protokoll auf UDP und geht damit das Risiko ein, dass vor allem bei Internetverbindungen Datenpakete verloren gehen. Von einer Nutzung übers Internet ist abzuraten, da wie bei den anderen vorgestellten Programmen jede Verschlüsselung fehlt. Die optionale Passwortabfrage bietet nur minimalen Schutz.

Äußerlich kann die komplett im »me«-Binary enthaltene Oberfläche nicht mit den modernen Toolkits GTK und Qt der beiden Konkurrenten mithalten. Die Bedienung gestaltet sich umständlich, beispielsweise legt man den Benutzernamen mit einem eigenen Dialog fest, der sich auch noch in einem anderen Menü als der Join-Befehl verbirgt. Eine Chat-Funktion fehlt völlig.

Den Verzicht auf grafische Finessen belohnt Moonedit allerdings mit einer stets prompt auf Benutzereingaben reagierenden Oberfläche, die unter Linux, Windows und Mac OS gleich aussieht. Die bearbeiteten Dateien speichert der Moonedit-Server zentral im eigenen Verzeichnis, sodass Clients darauf jederzeit zugreifen können.

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Die Existenzfrage

    Vor frustrierenden Momenten mit Betriebssystem und Applikationen bleiben auch Linux-Redakteure nicht verschont. Was spricht gegen und was für das bekannteste freie Betriebssystem?

comments powered by Disqus

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.