Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 08/2006

Tooltipps

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Steghide 0.5.1

Steganografie-Tool

Quelle: [http://steghide.sourceforge.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Outguess

Wer Nachrichten vertraulich übertragen will, verschlüsselt sie und verhindert damit, dass Lauscher den Inhalt der Botschaft erfahren: Dass es eine Botschaft gibt, bleibt aber nicht geheim. Das ändern steganografische Verfahren, die sensible Daten unauffällig in anderen Dateien verstecken. Steghide - ein Programm aus dieser Gattung - komprimiert und verschlüsselt die eingebetteten Daten zusätzlich und ergänzt eine Prüfsumme, mit deren Hilfe der Empfänger Übertragungsfehler aufspürt.

Das Kommandozeilen-Tool wickelt die Daten in Jpeg-, BMP-, WAV- und AU-Dateien ein. Steghide ist denkbar einfach bedienbar: »steghide embed -cf bild.jpg -ef nachricht.txt« versteckt den Ascii-Text von »nachricht.txt« in der Bilddatei »bild.jpg«. Zuvor fragt Steghide noch nach einer Passphrase zum Verschlüsseln der Daten. Dies geschieht standardmäßig mit einem Rijndael-Algorithmus (128 Bit). Für die Checksumme ist, wenn nicht explizit mit »-K« deaktiviert, der CRC-32-Algorithmus zuständig.

Der Empfänger des Bildes ruft »steghide extract -sf bild.jpg« auf, um den Text nach Eingabe der Passphrase zu erhalten. Das Kommando »steghide info bild.jpg« liefert vorab Informationen über die in der Datei versteckten Daten.

****- Steghide verzichtet auf endlose Kommandozeilen-Optionen und setzt auf einfache Bedienung und hohe Zuverlässigkeit. (Mark Vogelsberger/fjl)

Azureus 2.4.0.2

Filesharing

Quelle: [http://azureus.sourceforge.net]

Lizenz: GPL

Alternativen: Ktorrent, Bittorrent

And the winner is: Azureus! Gerade wurde der Torrent-Client auf Sourceforge zum erfolgreichsten Programm des Jahres 2006 gewählt. Zwar ist Filesharing nicht unumstritten, aber gerade im Open-Source-Bereich hilft die P2P-Software dabei, große Datenmengen schnell zu verteilen, so zum Beispiel im Open-Office-Projekt.

Als Java-Programm agiert Azureus plattformübergreifend und nutzt als Oberfläche SWT (Standard Widget Toolkit). Es braucht einen offenen Port, um eine optimale Download-Rate zu erzielen. Wenn der Router UPNP beherrscht, kümmert sich ein Plugin um die korrekte Einstellung der Firewall. Die Bandbreite für Up- und Downloads regelt der Tauschwillige selbst. Das erhält spätestens dann Bedeutung, wenn bei anderen Teilnehmern, die am selben Router hängen, die Download-Raten kollabieren.

Ist der Azureus-Nutzer Kunde bei einem Provider, der Filesharing via Traffic Shaping künstlich begrenzt, verschlüsselt er die Daten und entgeht so der Bevormundung. Apropos Verschlüsselung: Azureus beherrscht auch den Austausch von Dateien über anonyme Netzwerke wie I2P und Tor. Diese Nutzung sehen zumindest die Tor-Betreiber nicht gern, dient ihre Software doch dazu, die Zensur in manchen Ländern zu umgehen.

Zugleich visualisiert das Programm den Download-Prozess: Der Anwender sieht anhand von Grafiken, welche Teile einer Datei er bereits besitzt und welche noch fehlen. Ein integrierter IRC-Client ermöglicht Kommunikation zwischen Benutzern. Ein Ratio-System sorgt dafür, dass die Nutzer nicht nur Dateien herunterladen, sondern auch selbst Inhalte anbieten. Viele Teilnehmer verweigern den Download ihrer Dateien, wenn das Tauschverhältnis kleiner als 0,5 ist.

Ergänzend bringt Azureus eine Reihe von Plugins mit: Eins sorgt dafür, dass Azureus die Upload-Rate abhängig von der Latenzzeit des Netzwerks reguliert, ein anderes bringt einen IP-Filter mit, der übermotivierten Vertretern der Film- und Musikindustrie den Zugriff auf die eigenen Angebote verwehrt. Nicht zuletzt informieren die Plugins den Benutzer über den Azureus-Status: Ist ein Download komplett, erhält er wahlweise eine E-Mail oder sogar eine SMS.

Über Embedded Tracker bieten die Benutzer eigene Dateien als Torrents an, ohne den Weg über externe Tracker zu nehmen. Im Gegensatz zu diesem Prozess, der Hosting heißt, veröffentlicht der Tauschwillige beim Publishing den Torrent auf einem der zahlreichen öffentlich zugänglichen Tracker.

Nach Abschluss eines Downloads folgt auf Wunsch ein Konsistenz-Check, der die Unversehrtheit der Datei prüft. Einige Schwächen zeigt der Client aber auch: Einerseits beansprucht Azureus nicht wenige Ressourcen, andererseits reagiert die Oberfläche mitunter recht träge.

****- Alles in allem lässt der Torrent-Client kaum Wünsche offen, er ist plattformübergreifend und bringt mehr Features mit als die meisten Kollegen. Hoffentlich verliert er auch irgendwann den Ruf, ein Piraterie-Werkzeug zu sein. Besonders beim Download großer Pakete freier Software kommt der Client zunehmend zum Einsatz. (Kristian Kißling)

Jahshaka 2.0

Filmeffektgenerator

Quelle: [http://www.jahshaka.org]

Lizenz: GPL

Alternativen: Blender in Kombination mit Cinelerra

GPU statt CPU - die 3D-Beschleunigung mit Hilfe der Grafikhardware ist auf dem Vormarsch: Mit XGL und AIGLX beschert die 3D-Hardware dem Linux-Desktop bereits räumliche Effekte. Doch obwohl mit OpenGL ein freier Standard zum Ansteuern vieler Grafikkarten-Chipsätze zur Verfügung steht, überlassen es 3D-Grafik-Frameworks wie Blender oder Povray nach wie vor der CPU, aus Modellen realistische Renderings zu erstellen. Rendern via GPU bietet bisher - neben dem nicht quelloffenen Gelato von Nvidia - nur der Filmeffektgenerator Jahshaka.

Jahshaka ist kein vollständiges Framework zum Erzeugen von Animationen, es fehlt ein Modeller. X3d-Modelle aus Blender oder einem anderen Modeller setzt es aber in effektvolle Szenen um. Weil es die Grafikhardware einbindet, arbeitet es schneller als andere Programme. Die nicht sehr intuitive Bedienung und gelegentliche Abstürze trüben den Eindruck, den das leistungsfähige Werkzeug hinterlässt, ein wenig.

Jahshaka kann mehr als nur rendern: Es beherrscht Spezialeffekte wie Linsenbrechungen, Spiegelungen oder einen realistischen Flammeneffekt. Die fügt Jahshaka den Filmszenen hinzu und greift dabei auf die Hardware-Beschleunigung zurück. Die fertigen Filmszenen schneidet es ähnlich wie der nicht-lineare Video-Editor Cinelerra.

***** Jahshaka ist für das Erstellen von effektbetonten Videosequenzen wie etwa Vorspännen oder Musikvideos im Open-Source-Bereich bisher konkurrenzlos. (Peter Kreussel)

Gcfilms 6.2

Filmdatenbank

Quelle: [http://home.gna.org/gcfilms/]

Lizenz: GPL

Alternativen: Movie DB, IMDB

Beim Blick in die Fernsehzeitung kommen Filmenthusiasten mitunter ins Grübeln, ob sich der gezeigte Film nicht bereits auf einer DVD befindet. Mit Gcfilms bewahren sie den Überblick über den Bestand ihrer Kollektion. Die Datenbank setzt GTK-2-perl voraus und besteht im Wesentlichen aus einem grafischen Frontend, das seine Informationen aus dem Internet holt. Gibt der Filmfan einen Titel ein, lädt die Software alle Details aus Online-Datenbanken wie der IMDB oder OFDB. Gcfilms grast auf Wunsch etwa 20 Datenbanken ab.

Die Filmliste exportiert der Cineast in Formate wie HTML, XML, SQL oder CSV. Über die Voreinstellungen legt er fest, welche Informationen über einen Film die Datenbank zeigen soll. Für Unentschiedene bringt die Software ein Modul mit, das zufällig einen Film aus der Datenbank auswählt und vorschlägt.

Auch an die Freunde des Sammlers denkt Gcfilms: Ein eigenes Modul verwaltet verliehene Filme. So behält der Sammler seine Pappenheimer im Auge. Hat ein Freund die Leihfrist sträflich überzogen, erhält er gleich eine E-Mail mit mahnenden Worten. Ein Template hilft bei der Formulierung einer passenden Drohung. Last, but not least verknüpft der Sammler die Einträge auch mit auf der Festplatte vorhandenen Filmen - ein Mausklick startet dann den Streifen.

****- Gcfilms bedient die Bedürfnisse passionierter Filmsammler durchaus sehr gut. Da es zudem nett aussieht und über eine durchdachte Exportfunktion verfügt, gehört das Tool schnell zum festen Inventar. (Kristian Kißling)

CGI-Proxy 2.0.1

HTTP- und FTP-Proxy

Quelle: [http://jmarshall.com/tools/cgiproxy/]

Lizenz: Kostenlos für nicht kommerziellen Einsatz

Alternativen: VPN, SSL-Explorer

Sein Name sagt alles: CGI-Proxy ist ein CGI-Skript (Perl im Non-parsed-Header-Modus), das Proxy-Dienste per Webinterface anbietet. Es genügt, die CGI-URL aufzurufen und in die Eingabemaske eine FTP- oder HTTP-Adresse einzutippen. Wahlweise filtert CGI-Proxy Javascript-Code, Cookies oder Werbeeinblendungen heraus, bevor es die Seite vom Originalserver holt und ausliefert.

Das Skript entfernt auch Referrer-Infos und verschleiert so die Herkunft einer Webanfrage. Zudem trickst es unliebsame Zugriffsregeln am eigenen Internetzugang aus: Wer auf einem erreichbaren Webserver CGIs installieren darf, erhält auf diesem Umweg Zugang zu eigentlich geblockten Webseiten. Auch die gewünschte URL lässt sich verschleiern: Eine im Quelltext auskommentierte Funktion unterzieht die Ziel-URL einer simplen Base-64-Kodierung.

Verrichtet das Skript seinen Dienst auf einem HTTPS-fähigen Server, eignet es sich sogar als simpler VPN-Ersatz: Auf dem Weg vom Client zum Proxy bleiben die Daten vor Spähern verborgen. Soll der Proxy selbst HTTPS-Seiten abholen, dann braucht er einen Perl-Interpreter mit Net::SSLeay-Modul. Achtung: Am Proxy selbst liegen die Daten immer im Klartext vor.

***-- CGI-Proxy ist eine einfache und effektive Technik, um sich vor Datenspionen zu schützen. Es hilft zudem, Restriktionen beim Zugriff auf Websites zu umgehen. (Matthias Jansen/fjl)

Tovid 0.27

DVD/VCD-Authoring-Tool

Quelle: [http://tovid.wikia.com]

Lizenz: GPL

Alternativen: DVD Author, DVD Styler

Tovid besteht aus einer Sammlung von Skripten, die freie Videosoftware nutzen, um DVDs oder VCDs mit und ohne Menüs und im Pal- oder NTSC-Format zu erzeugen. Der Weg zur eigenen DVD führt entweder über die Kommandozeile oder über ein integriertes GUI, das Wx-GTK benötigt. Der DVD-Produzent startet das mitgelieferte GUI über den Befehl »tovidgui«: Er findet alle Schalter auch auf der Kommandozeile, aber die grafische Oberfläche bietet etwas mehr Komfort. Wer auf das GUI verzichtet, dem helfen vier Skripte beim Erstellen der DVD oder VCD: »tovid«, »makemenu«, »makexml« und »makedvd«.

Tovid wandelt den Originalfilm zunächst in ein DVD- oder VCD-taugliches Mpeg-Format um. Das Skript »idvid« prüft zuvor, ob die Datei möglicherweise bereits in diesem Format vorliegt. Wichtig ist, Pal als Ausgabeformat anzugeben, sonst lehnt der heimische DVD-Player das Endprodukt eventuell ab.

Das Skript »makemenu« erzeugt im nächsten Schritt ein grafisches Menü, das nach dem Einlegen der DVD erscheint, es darf auch Hintergrundbilder und Musik enthalten. Über »todisc« bereichert der Produzent das Menü um bewegliche Bilder, »makexml« erzeugt schließlich auf Basis der Menüvorlage und des umgewandelten Films eine XML-Datei. Die Skripte »makedvd« und »makevcd« machen aus diesen Zutaten eine fertige DVD oder VCD.

***-- Tovid erweist sich als zuverlässiger Pfadfinder im Dschungel der freien Video-Tools. Eher spärlich fällt allerdings - wie so oft - die Dokumentation des Programms aus. (Kristian Kißling)

Bluefish 1.0.5

Webentwicklung

Quelle: [http://bluefish.openoffice.nl]

Lizenz: GPL

Alternativen: Quanta Plus, NVU, Arachnophilia

"What you see is what you need" behaupten die Entwickler des Bluefish-Editors, der Webentwicklern das Leben erleichtern soll. Der blaue Fisch verzichtet also auf Wysiwyg, schwimmt auf allen Posix-konformen Betriebssystemen und beansprucht - im Gegensatz zu ähnlichen Editoren - wenig Speicher.

Webentwickler bekommen mit Bluefish einen soliden, aber unspektakulären Editor, der Syntax-Highligthing für HTML, CSS, Perl, PHP, Java und einige weitere Sprachen beherrscht. Er nutzt für das Suchen und Ersetzen von Elementen in Dokumenten Regular Expressions, zeigt Zeilennummern an, zählt Wörter, ersetzt automatisch HTML-Entities und erstellt Thumbnails von Fotos. Abhängig von den Gnome-VFS-Settings erhalten Entwickler auch Zugriff auf entfernte Dokumente über Samba und SFTP.

Vorgefertigte HTML-Tags, CSS-Elemente oder PHP-Konstrukte findet
der Webentwickler unter mehreren Reitern und schiebt sie auf die
Arbeitsfläche. Die aktuelle Baustelle betrachtet er
anschließend in verschiedenen Browsern, die Bluefish als
externe Programme integriert. Wer den Internet Explorer braucht,
bindet ihn über Wine ein. Der untere Bereich präsentiert
die Ausgaben externer Helfer wie Tidy, Java oder Make - mit
weiteren P

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